Für die wohltätigen Vereine wird es schwieriger, Menschen zum Geben zu bewegen. Zudem wird die Konkurrenz größer.

In Zeiten gefühlter Dauerkrise überlegen viele zweimal, ob sie Geld übrig haben.
In Zeiten gefühlter Dauerkrise überlegen viele zweimal, ob sie Geld übrig haben.

In Zeiten gefühlter Dauerkrise überlegen viele zweimal, ob sie Geld übrig haben.

Hubert Ostendorf: „Mit Dezemberaktion das Jahr gerettet.“

Heike Vongehr: Ergebnis-Einbruch bei der Düsseldorfer Tafel.

Norbert Hüsson vom Kinderhospiz ist zufrieden mit dem Jahr.

dpa/DA/JM/BS, Bild 1 von 4

In Zeiten gefühlter Dauerkrise überlegen viele zweimal, ob sie Geld übrig haben.

Düsseldorf. Euro-Krise, stagnierende Einkommen, schrumpfende Mittelschicht – die Zeiten für Spendensammler sind nicht gerade die besten. Auch in Düsseldorf haben manche Organisationen ein schwieriges Jahr hinter sich, teils mit erheblichen Ergebnis-Einbrüchen. Einzig die Bürgerstiftung zeigt sich sehr zufrieden.

Anders die Düsseldorfer Tafel. Der Verein, der Lebensmittel für Bedürftige ausgibt, ist auch auf Geldspenden angewiesen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Laut der Vorsitzenden Heike Vongehr sind die Einnahmen aber um rund 20 Prozent gesunken: „Wir stöhnen aber nicht, noch läuft die Arbeit unvermindert weiter.“ Eine nicht untypische Aussage – Jammern scheint in der Branche verpönt.

Die Obdachlosen-Initiative Fifty-Fifty hat einen drohenden Spendeneinbruch gerade noch verhindert, sagt Mitbegründer Hubert Ostendorf: „Es sah im November noch schlecht aus. Daraufhin haben wir Künstler angesprochen, die uns verbunden sind.“ Durch Bilderspenden und deren Verkauf hat der Verein dann fast 300 000 Euro eingenommen und somit sein Jahresziel doch noch erreicht.

Das Misstrauen gegenüber Sammlern an der Tür ist größer

Auf ganz klassische Weise werden dagegen zum Teil von den Kirchen noch Spenden gesammelt. In einzelnen Gemeinden waren in den vergangenen Wochen Sammler unterwegs und klingelten an den Haustüren. Rund 4000 Euro wurden so in Eller eingesammelt, die u.a. in einen Laden für Bedürftige fließen. Das Fazit von Diakon Philipp Jeffré: „Schnitt gehalten auf niedrigem Niveau.“ Problem: Das Misstrauen gegenüber Menschen, die an die Haustür kämen, sei gestiegen. Zunehmend hörten die Sammler auch, dass die Leute weniger Geld übrig hätten.

Dass das Spendensammeln schwieriger wird, ist eine Einschätzung, die man öfter hört. Mehr Vereine bemühten sich um Geld für wohltätige Zwecke, aber die Spendenbereitschaft oder -fähigkeit nehme nicht unbedingt zu. Zumindest das Kinderhospiz Regenbogenland hat davon nur wenig gespürt: „Wir haben das Niveau des Vorjahres gehalten, das ist in unsicheren Zeiten ein Erfolg“, sagt Norbert Hüsson vom Förderverein. Das Hospiz finanziert sich zu 75 Prozent über Spenden und sammelt außerdem Geld, mit dem mittelfristig ein Jugendhospiz errichtet werden soll.

Den typischen Spender gibt es nicht. Die Vereine sind angewiesen auf die wohlhabenden Stifter, die überdies Steuern sparen, genauso wie auf die zahlreichen Durchschnittsverdiener, die kleine Summen für gute Zwecke geben.

Viele Vereine leben vom langjährigen Engagement von Spendern. Beim Kinderhospiz Regenbogenland ist die Spenderbindung laut Verein dagegen gering. Die Suche nach neuen Geldgebern wird dadurch wichtiger.

Die einzig rundherum positive Bilanz zieht die Bürgerstiftung Düsseldorf: „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Sabine Tüllmann aus dem Vorstand. Die Stiftung lebt vom Kapital wohlhabender Geldgeber, aber auch von vielen kleinen Spenden. Die noch junge Stiftung unterstützt immer mehr soziale Projekte, offenbar gelingt es ihr auch, dafür Spendenbereitschaft zu wecken. Sabine Tüllmann findet: „Die Stimmung in der Stadt ist gut.“

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