Im neuen Stadtteilzentrum sind die Ausleihzahlen so hoch wie nirgends. Die Bilker mussten lange auf ihre Bücherei verzichten.

Düsseldorf. Die Bücherei im Stadtteilzentrum Bilk boomt. Bereits im ersten Jahr seit der Eröffnung übertraf sie mit mehr als 290 000 Ausleihen die Erwartungen der Bibliothekare. So viele Bücher, Filme, Spiele und CDs werden nirgendwo anders in der Stadt ausgeliehen. Die Neueröffnung einer öffentlichen Bücherei - das ist heute bundesweit selten. Für Bilk ein Glücksfall, nach schwierigen Jahren.

So wurde zwar für den damaligen Süden der Stadt in der Volksschule an der Talstraße 1889 die erste der Stadtteilbüchereien eröffnet. Das war der Beginn, die öffentlichen Büchereien auch in den Wohnvierteln auszubauen. Im Zweiten Weltkrieg (1943) jedoch wurde die Bücherei zerstört. Erst 1972 bekam der einwohnerstärkste Stadtbezirk wieder eine Bibliothek. Diesmal in der Bilker Allee 75. Trotz großer Proteste schloss die Stadt diese 1993. Es musste gespart werden. Den Bilkern blieb der Weg zur Zentralbibliothek oder einmal die Woche der Besuch beim Bücherbus (siehe Kasten) in der Kronprinzenstraße.

Nun also gibt’s die Lektüre wieder im Viertel, und Büchereileiterin Silke Liesenkloß (38) freut sich über 3300 Kunden, die sich von September 2008 bis heute neu angemeldet haben. "Wir haben eine tolle Lage und sprechen hier alle Zielgruppen an", sagt Liesenkloß.

Sie pflegt im Stadtteilzentrum gute Kontakte zur Bezirksverwaltung, zum Bürgerhaus und Schwimmbad. Stadtteilfeste werden gemeinsam geplant, Ausstellungen und Lesungen ergänzen die Veranstaltungen im Haus. Und wenn die Bücherei geschlossen ist, ist das Team trotzdem in Einsatz und führt Vor- und Schulkinder durch die Räume.

Spielfilme, Bilder- und Kochbücher sind am meisten gefragt

Vor allem aber geht es um die Medien: Die wurden seit Eröffnung bereits von 24 000 um 3000 aufgestockt, damit die Regale nicht leer stehen. Die rund 1000 Bilderbücher sind fast immer komplett ausgeliehen, von den 500 Kochbüchern ist in der Regel nur die Hälfte präsent und von den 400 Spielfilmen sind gerade mal 100 da.

Stadtteilbücherei Friedrichstraße 127 (im Stadtteilzentrum Bilk), Telefon 89-99290

Rund 27 000 Medien

290 812 (im Jahr 2009)

1889 Eröffnung als zweite städtische Volksbibliothek in der Talstraße, 1943 bei einem Fliegerangriff zerstört, 1972 Eröffnung der Stadtteilbücherei an der Bilker Allee 75, im Rahmen der Sparmaßnahmen Schließung Ende 1993. Erst im September 2008 Wiedereröffnung der Bilker Bücherei auf 580 Quadratmetern und zwei Ebenen (die Einrichtungskosten lagen bei 100 000Euro) im Stadtteilzentrum Bilk. Seitdem mehr als 3000 neue Kunden.

Mo+Do 14-19 Uhr, Mi+Fr 11-13 Uhr und 14-17 Uhr sowie Sa 11 -13 Uhr

Das Neue hat die Kunden angezogen: "Manche wollen bei uns sogar Bücher kaufen, weil sie denken, dass wir ein Geschäft sind," erzählt die Bibliothekarin. Es liege daran, dass kein Buch älter als vier Jahre alt sei.

Die obere Etage der Bibliothek ist hell und zum Arcaden-Platz hin transparent. Hier begrüßt Silke Liesenkloß die Stammkunden im Lesecafé. Ebenfalls ebenerdig gibt es die aktuell gefragten Erziehungsratgeber. "Wir wollen den Müttern den Weg mit dem Kinderwagen erleichtern", sagt die Leiterin. Jugendbücher, Filme, Sachbücher und Belletristik befinden sich im Untergeschoss. Das erreicht man über eine langgezogene Treppe oder komfortabel mit einem Aufzug - das Büchereiteam hilft den Besuchern.

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