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Wenn Düsseldorfer ans Ruhrgebiet denken, dann vermutlich meist zuerst an die A 40. Das Ruhrgebiet selbst sieht sich hingegen als heimliche Landesmetropole. Archiv

Wenn Düsseldorfer ans Ruhrgebiet denken, dann vermutlich meist zuerst an die A 40. Das Ruhrgebiet selbst sieht sich hingegen als heimliche Landesmetropole. Archiv

dpa/ Bernd Thissen

Wenn Düsseldorfer ans Ruhrgebiet denken, dann vermutlich meist zuerst an die A 40. Das Ruhrgebiet selbst sieht sich hingegen als heimliche Landesmetropole. Archiv

Düsseldorf. Diesen himmlischen Ausblick kenne ich gut: Abendlicher Anflug auf Düsseldorf, minutenlanges Schweben überm Lichtermeer. Dieses scheinbar grenzenlose Geglitzer: Da rinnt die Ruhr, hier schlängelt sich der Rhein, dort rauchen die Hochöfen, am Horizont spitzt sich der Fernmeldeturm zu. Jetzt noch eine Schleife, und ich lande glücklich in der Heimat.

Genau dieses Motiv begegnet mir jetzt wieder in Anzeigen. Die werben für die „Stadt der Städte“. Düsseldorf? Mitnichten! Düsseldorf schaltet, soviel ich weiß, keine Doppelseiten in meinungsbildenden Magazinen. Dafür fehlen die Motive. Mehr noch, vielmehr weniger: Die NRW-Metropole wird in dieser intelligenten Kampagne komplett links liegen gelassen.

Geworben wird stattdessen für die „Stadt der Städte“, die Metropole Ruhr. Und das ist laut Anzeigentext mehr als nur eine Stadt. Viel mehr: 53 Städte mit fünf Millionen Menschen. Ein urbaner Ballungsraum, der sich als leistungsstarkes wirtschaftliches Herz Europas fühlt. Da kommt Düsseldorf noch nicht mal als Kammer oder Klappe vor. Geografisch gesehen höchstens als Blinddarm, der womöglich gereizt wird.

Könnte nämlich auch eine späte Rache sein. Wir erinnern uns: Kommunalwahlkampf 2014. Der damals amtierende Oberbürgermeister Dirk Elbers blamierte sich mit seiner Bemerkung, im Ruhrgebiet wolle er „nicht mal tot über’m Zaun hängen“. Im Vorweihnachtsgeschäft plakatierte Düsseldorf dann in Städten des Reviers die arrogante Behauptung: „Das Leben ist zu kurz, um langweilig shoppen zu gehen. Düsseldorf“. Das schlug Wellen, nicht nur an und in Rhein und Ruhr, sondern auch in den Medien. Jetzt schlägt das Revier zurück. Dafür nehmen die Kumpels an der Ruhr offensichtlich auch ganz schön Kohle in die Hand.

Wir sollten das beobachten, sonst werden wir noch eines Tages noch eingemeindet als Stadt-Teilchen der Metropole Ruhr. Die Unterwanderung ist bereits subtil, in kleinen Schritten. Im schönen Schoko-Laden an der Loretto-Straße im trendigen Unterbilk liegt ein Einkaufsführer mit Hot-Spots im Ruhrgebiet im Schaufenster, der hat sich den leckeren Düsseldorfer Laden schon einverleibt.

Da kann D glatt das Lächeln vergehen. Überhaupt konnten die Kumpels aus dem Ruhrgebiet Werbung immer schon besser als die Rheinmetropole. Aus der holten sich die Malocher allerdings die Macher. Werbepapst Michael Schirner entwickelte Anfang der 80-er Jahre eine viel beachtete Kampagne für Ruhrgas mit blühenden Landschaften unter blauem Himmel. Machte richtig neugierig. Zum selben Thema schaute Werner Butter, ein Junge aus Flingern und einer der genialsten deutschen Werber, dem Volk aufs Maul und formte so respektlos wie erfolgreich den Begriff Erdjas. Nachhaltige Werbung, an die man sich gerne mit einem Schmunzeln erinnert.

Auch deshalb irgendwie doof, wenn die im Pott ihr eigenes Süppchen kochen und die Düsseldorfer nicht so recht was auf der Pfanne haben. Außer, wenn es um die eher utopische Bewerbung für Olympia geht, 2028 oder 2032. Da ist dann die Rede von einem Olympic-City-Konzept, nach dem in Essen Fußball gespielt und in Gelsenkirchen geschwommen werden könnte, die Musik aber wohl im olympischen Düsseldorf spielen sollte. Oder etwa in Köln? Dem künftigen kommunalen Regierungssitz von Rhein-Ruhr-City mit Stadt-Teilchen Düsseldorf?

So utopisch ist der Gedanke gar nicht, wenn man mal über den Dingen und Dörfern schwebt und sieht, was da unten zusammenwächst, und vielleicht sogar irgendwann wirklich zusammengehört. Wenn man über die Domstadt einfliegt, schaut man ja auch längst auf grenzenloses Geglitzer verschmelzender Stadt-Landschaften. Wobei mal ein Japaner auf dem Nebensitz im Flieger beim Anblick des Bayerkreuzes in Leverkusen dachte, er hätte sich verflogen und würde in München landen. Aber das ist ja glücklicherweise weit weg – für Rheinländer beinahe schon Balkan …

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