Was der Eurovision Song Contest Düsseldorf gebracht – oder eben nicht.

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Zahlreiche Fotos wurden auf dem Internetportal „Bilderbuch Düsseldorf“ hochgeladen, dieses hier stammt von Susanne Behr.

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WZ-Autor Hans Hoff würde sich als Denkmal sicher gut machen.

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Zahlreiche Fotos wurden auf dem Internetportal „Bilderbuch Düsseldorf“ hochgeladen, dieses hier stammt von Susanne Behr.

Düsseldorf. Wenn übernächste Woche wieder mal 40 Länder um den Sieg im Finale des Eurovision Song Contest und damit um die Nachfolge des Conchita-Wurst-Erfolges bibbern, dann werden hinterher sicherlich viele sagen: Wien war ja toll, aber Düsseldorf war schöner. Werden sie das sagen? Ich vermute: eher nicht.

Dabei liegt der hiesige ESC doch gerade mal vier Jahre zurück. Am 14. Mai 2011 war es, als in der Arena ermittelt wurde, wer von den damals 43 teilnehmenden Kandidaten am besten trällert. Um kurz mal die Bedeutung des damaliges Events zu skizzieren, taugt eine Frage: Erinnert sich noch irgendwen an den Sieger?

Manche können vielleicht noch sagen, dass 2011 das Jahr war, in dem aus unerfindlichen Gründen Lena antrat, ihren in Oslo errungenen Siegertitel zu verteidigen. Das gelang nur so mittelgut. Am Ende des Finales landete sie auf Rang zehn, was angesichts der deutschen Platzierungen in den Folgejahren aber immer noch als ganz ordentlich bezeichnet werden darf. Erst kürzlich hat Lena ihre, von Stefan Raab verordnete Titelverteidigung als auch ihr eher seltsam vorkommende Maßnahme beurteilt. Aber was soll’s. Es fehlt noch der Siegertitel von 2011.

Für alle, die sich immer noch nicht besinnen können, sei daran erinnert, dass Düsseldorf vor vier Jahren einen ziemlich guten Gastgeberjob gemacht hat. Zwei Wochen lang flirrte die Stadt ein bisschen, und die Laune der Menschen, die vom ESC-Trubel tangiert wurden, tendierte stark ins Erfreuliche. Wo man ging und stand musste man damit rechnen, von einem der 43 Delegationsbusse überfahren zu werden, denn die kurvten auf der Suche nach Auftrittsorten für die transportierten Musikanten quer durch die Stadt. Wer immer eine angesagte Lokalität aufsuchte, musste damit rechnen, ein paar ESC-Songs um die Ohren gehauen zu bekommen.

Düsseldorf war in ESC-Laune, was sich auch daran zeigte, dass immer mal wieder Fahrspuren als Parkplatz für die Busse reserviert wurden. Ein bisschen Stau war irgendwie dauernd. Aber es hat den Eingeborenen und den Zugereisten nicht die Laune verdorben, denn aus irgendeinem Grunde hatten sich die Wettermacher entschlossen, Düsseldorf für die Zeit vor dem ESC mit blauem Himmel zu bescheren. Fast durchgehend schien die Sonne, erst als die riesige LED-Wand in der Arena abgebaut war, herrschte wieder normales niederrheinisches Durchschnittswetter.

Kürzlich ist mir noch mal das „Delegation Handbook“ in die Hände gefallen, eine Broschüre, in denen alle Informationen für die Teilnehmer vermerkt sind. In dem Buch begrüßt der „Lord Mayor of Düsseldorf“ in astreinem Englisch die Besucher. „Düsseldorf’s heart beats for you“, diagnostiziert er da und preist unsere Heimat an als eine Mischung aus „Big City Feeling“ und „Small Town Charme“.

Dass ihm das irgendwer vorformuliert haben muss, zeigte sich spätestens am 7. Mai beim Bürgermeister-Empfang in der Tonhalle. Da stammelte das Stadtoberhaupt vor den Repräsentanten der vielen Länder eine Rede in einem sehr besonderen Englisch herunter, und in Minutenschnelle waren all die Bemühungen, Weltläufigkeit zu demonstrieren Makulatur.

Ja, die Show am 14. Mai war eine großartige. Stefan Raab legte ein grandioses Intro hin, und auch die Einschaltquoten waren beachtlich. Auf besondere Art und Weise wirkte das alles aber eher wie eine Leistungsschau der lichtverarbeitenden Industrie. Große Technik, magerer musikalischer Inhalt. Und ganz ehrlich: Während der Show deutete so gut wie nichts auf die Ausrichterstadt hin. So schön es in Düsseldorf während der Vorbereitungstage für alle Anwesenden gewesen sein mag, so wenig war davon im Fernsehen zu spüren. Ich wette, kaum jemand, der in der europäisch infizierten Welt dieses Ereignis am Bildschirm verfolgte, konnte sich am Schluss noch an den Ort erinnern, aus dem all das kam. All das hätte auch aus den Mitbewerberstädten Hamburg, Hannover oder Berlin kommen können. Der ESC braucht im Prinzip keinen Ort, er braucht nur eine Bildschirmoberfläche, und die kann von überall bespielt werden.

Will man trotzdem die Hunderttausende rechtfertigen, die Düsseldorf in den ESC gepumpt hat, könnte man sagen, dass sich die Stadt damit empfohlen hat für Großveranstaltungen der besonderen Art. Nur, wo sind die seitdem geblieben? Die Rolling Stones waren da und oft die Fortuna, aber die wären wohl auch ohne ESC gekommen. Immerhin hat Düsseldorf mal ein bisschen die Muskeln spielen lassen und gezeigt, dass die Stadt andere Städte aus dem Feld schlagen kann. Mehr ist nicht im Gedächtnis geblieben.

Ach ja, und der Siegertitel sowieso nicht. Der stammte übrigens aus Aserbaidschan. Das findet man auf der Landkarte ganz unten ganz rechts. Irgendwo im Nirgendwo.

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