Wenn kleine Flugobjekte durch Düsseldorfs Straßen fliegen.

Unsere Autorin sieht im guten alten Papierflieger ein kleines Zeichen der Hoffnung.
Unsere Autorin sieht im guten alten Papierflieger ein kleines Zeichen der Hoffnung.

Unsere Autorin sieht im guten alten Papierflieger ein kleines Zeichen der Hoffnung.

dpa

Unsere Autorin sieht im guten alten Papierflieger ein kleines Zeichen der Hoffnung.

An Spätsommerabenden beobachte ich gerne die silbernen Vögel am Himmel, Flugzeuge, die in Richtung Süden fliegen. Aber nicht nur die. Auch die Zugvögel, die auf dem Weg zu ihren Winterquartieren gerne mal einen Zwischenstopp in unserem schönen Düsseldorf einlegen. Ein stimmungsvolles Bild am Abendhimmel.

Aber nicht alle sind auf der Durchreise, manche Vögel sind inzwischen heimisch in der Stadt, zum Beispiel solche mit Migrationshintergrund – wie die grünen Halsbandsittiche. Die haben in den Baumwipfeln der Kö eine noble Adresse gefunden und verwandeln von dort aus Sitzgelegenheiten unter ihnen zu Bad Banks. Dieses grasgrüne Federvieh gilt gemeinhin als dominant, besonders, wenn es um Revierverteidigung geht. Hab’ ich an einer anderen Adresse beobachten können: im Hofgarten. Dort grenzte ein kräftig krakeelender Schwarm einen offensichtlich aus einem Privatkäfig entflogenen Papagei laut schimpfend aus – obwohl der doch weitläufig zur selben Rasse zählte. Der arme Vogel war ganz verstört, versuchte immer wieder, Kontakt zu aufzunehmen.

Vergeblich. Flüchtlinge gar nicht willkommen. Anders verhält es sich mit aussterbenden Rassen wie Papiervögeln. Neulich, auch auf der Kö, kam ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf meinem Fuß. Woher? Aus welchem Nest? Scheinbar direkt aus einer höheren Bildungsanstalt, dem Görres-Gymnasium. La Paloma Blanca, lauter weiße, stromlinienförmige Papiervögel. Prototypen, wie ich sie dereinst mit Opa zusammengefaltet habe, der das mit Sicherheit von seinem Opa gelernt hatte und der vielleicht von seinem Großvater, der zur See gefahren war und von einer Geisha in Origami-Technik unterwiesen worden war, der hohen Kunst des japanischen Papierfaltens.

Was lehrt uns das? Dass die Generation Kopf unten sich vielleicht ab und zu doch noch anders entfalten kann kann, als pausenlos mit dem Smartphone rumzumachen und auf der Kö-Brücke Pokémons zu jagen. Dass sie sogar so knifflige Probleme wie Papiervögelfalten lernt.

Bisher hätte ich geschworen, dass Papiervögel für die Generationen XY unbekannte Flugobjekte sind. Nun schöpfe ich wieder Hoffnung, dass, wenn diese Jugend, die, was überall zu lesen steht, keine Original-Zeitung mehr liest, wenigstens noch lernt, wie man sie zusammenfaltet, nicht nur ordentlich, sondern sogar kunstvoll. Vielleicht sind Papiervögel ja die Antwort, die ich immer bekomme, wenn ich Jugendliche in meinem Umfeld frage: „Und? Was willst Du später mal machen“. In vier von fünf Fällen: „Irgendwas mit Medien“. Na bitte, geht doch.

In der Dritten Welt sind sie schon weiter. Von dort habe ich mir Schmuck und Handtaschen aus recyceltem Zeitungspapier mitgebracht. Von wegen: Nichts ist so alt wie die Zeitung von Gestern. Und doch komm ich vor dem Gymnasium ins Grübeln. Wie kamen die auf die Idee? Aus der Luft gegriffen? Projektgruppe Papierfalten? Physik? Der Traum vom Fliegen? Kunst? Oder einfach nur eine Leerstunde zwischen den Lehrstunden?

Egal. Noch eine Bitte zum Schluss: Faltet mich zusammen! Und: Zeigt mir den Vogel! Den aus diesem Artikel. Das wäre ein Traum vom Fliegen. (Zumindest mit der analogen Zeitung!)

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