Heimatliebe: Wie wär’s mal mit Stadtteilchen-Partnerschaften?

9805c438-67e7-4a78-8e00-9d6642976d16.jpg
Das Foto, das den Anstoß zu diesem Stadt-Teilchen gab: Horst Seehofer und seine Führungsriege im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat – männlich und weiß.

Das Foto, das den Anstoß zu diesem Stadt-Teilchen gab: Horst Seehofer und seine Führungsriege im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat – männlich und weiß.

BMI/dpa

Das Foto, das den Anstoß zu diesem Stadt-Teilchen gab: Horst Seehofer und seine Führungsriege im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat – männlich und weiß.

Düsseldorf. Da haben uns die Berliner Jonges was angetan: Heimatministerium! Selbst mein Computer bekommt Schluckauf: Das Korrekturprogramm will immer Heimatmuseum schreiben. Und dann muss Baas Seehofer das in seinem Innersten Ministerium auch noch in Teilzeit schaffen. Aber ihm hilft ja seine Altherrenriege. Lieb’ Vaterland! Das Gruppenbild ohne Dame hat mir glatt die Muttersprache verschlagen. Dabei hätte unsere Marie-Agnes Strack-Zimmermann, gerade von der Welt am Sonntag zu einer Art Stil-Ikone im Bundestag gewählt, gut ins Bild gepasst.

Nicht nur als Mode-Stadt könnten wir Düsseldorfer das neue Heimatministerium von hier aus unterstützen. Vielleicht brauchen die noch einen Slogan? Unserer „Nähe trifft Freiheit“ passt (fast) überall. Und Altherrenriege können wir schon lange. Düsseldorf hat schließlich den größten Heimatverein, nicht nur bundesweit, sogar Europas. Unsere Düsseldorfer Jonges. Mehr als 2700. Und, wie bei Seehofer: Null Frauen!

Die Kerle pflegen ihre Traditionen unter sich. Womöglich haben sie auch bis 1971 die Teilnahme von Mädchen am Radschläger-Wettbewerb verhindert. Kein Wunder, dass unsere Weiter Rad schlugen und einen eigenen Verein gründeten, die Düsseldorfer Weiter (junge und jung gebliebene Weiber). Zur internationalen Verständigung unter Jonges: Man spricht Regiolekt, so eine Art Düsseldorfer Rheinisch. Das reimt sich zum Heimatlied dann so: „Nirgends op die schöne Welt mich das Läwe so jefällt, als wo ich minne Heimat fond, als ne Düsseldorfer Jong.“

Darüber hinaus gibt man sich gerne weltmännisch in Düsseldorf: Zur Öffnung nach außen werden Städte-Partnerschaften gepflegt. Die stehen aktuell auf dem Prüfstand. Zu weit weg, heißt es. Das Konzept soll näher an die Heimat rücken, mehr in Richtung Niederlande nach Moskau oder Chongqing.

Vielleicht klappt’s kleinteiliger besser. In seinen Stadt-Teilchen ist Düsseldorf schon ziemlich rege in der Heimatpflege, auch mit Öffnungen nach außen. Zum Beispiel die „Derendorfer Jonges“: Dieser rührige Heimatverein übt bereits seit 1956 „den Spagat zwischen Brauchtum und Modernisierung“. Ergebnis: zwei weibliche Ehrenmitglieder!

Noch ein partnerschaftliches Beispiel: Eller und Lierenfeld, eng umschlungen von drei Bahnkörpern, gelebte Heimatliebe „mitten in Europa vor der Haustür“, wie es auf der Heimatseite (Homepage) heißt. Eller hat sich verbandelt mit Lierenfeld zu Liereneller, gemeinsam ist man 20 000 Seelen stark. Zu den Aktivitäten gehören ein Welcome-Point 08, Themen wie „Kirche & Moschee“ oder „Demokratie und Gesetzgebung vor unserer Haustür“. Man spricht 25 Muttersprachen, das sind schon mal mehr als doppelt so viele wie bei der Düsseldorfer Stadtrundfahrt im Doppeldecker.

Es ginge aber auch noch etwas kleinteiliger: Mit Straßenpartnerschaften. Da haben wir seit einigen Jahren eine sehr glamouröse zwischen unserer geliebten Kö und der vornehmen Avenue Montaigne in Paris. Das ist schon ganz schön nah, und pendeln zum Luxus kann man leicht mit dem Flix-Bus. Wenn die Schadowstraße endlich umgebaut ist, böte sich eine Kooperation mit der Kalver Straat in Amsterdam an. Da hört man heute schon viel Regiodialekt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer