Weltkulturerbe: Von der Zeche Zollverein in Essen bis zum Dom in Köln – aber was hat Düsseldorf?

Das ehemalige Mannesmann-Hochhaus (jetzt Vodafone) am Rhein.
Das ehemalige Mannesmann-Hochhaus (jetzt Vodafone) am Rhein.

Das ehemalige Mannesmann-Hochhaus (jetzt Vodafone) am Rhein.

Martin Gerten/dpa

Das ehemalige Mannesmann-Hochhaus (jetzt Vodafone) am Rhein.

Düsseldorf. Es ist in diesem Sommer oft die Rede vom Weltkulturerbe. Über 40 deutsche Welterbestätten sind bekannt, darunter viele aus der Region, vom Aachener Dom über die Zeche Zollverein bis hin zur komischen Kapelle in Köln. Nur Düsseldorf hat keine Weltkulturerbestätte. Ist das gerecht? Kann es sein, dass es nichts in dieser Stadt gibt, das dringend der Nachwelt erhalten bleiben muss und weltweite Beachtung verdient?

Nun ja, man kann das von zwei Seiten sehen. Dem Außenstehenden, der noch nie einen Fuß in unsere schöne Stadt gesetzt hat, mag es schwer fallen, eine Liste mit Orten, Bauten und Landschaftsensembles zu erstellen, die auf die Liste gehören. Man könnte natürlich auf das Düsseldorfer Brückenensemble verweisen, und wenn man nicht die sieben Brücken nimmt, dann doch wenigstens das miteinander korrespondierende Trio entlang der Innenstadt.

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Foto: dpa

Bis 2000 prangte auf dem markanten Hochaus am Mannesmann-Ufer der alte Firmenname, dann kamen die roten Vodafone-Letter.

In Frage käme möglicherweise auch der Worringer Platz als eine die Kreativität anregende Hässlichkeit vom Dienst, als ein anregender Ort, der niemals schön werden darf. Oder die Fast-Insel Oberkassel, die bei Hochwasser von den Rheinfluten umschmeichelt wird. Es gibt so vieles, das die Welt entdecken könnte.

Für mich als Düsseldorfer fällt es natürlich leichter, die Weltkulturerbeanwärterliste (tolles Wort übrigens) zu füllen. Ich finde, man könnte ruhig mal den Brauhaus-Köbes nominieren, der in seiner ruppig-charmanten Art dafür sorgt, dass kein Gast sich als was Besseres fühlen kann. Oder man nimmt die Düsseldorfer Bauverwaltung, die meines Erachtens zuverlässig dafür sorgt, dass immer irgendwo irgendetwas abgesperrt werden muss, dass Straßen verengt werden, auf dass sich im Stau vor der Engstelle die Bürger begegnen können. Nein, meine, ich nicht ernst, war nur Spaß.

Aber dann ist da noch das Mannesmannhochhaus, das schönste Hochhaus der Welt, das in seiner schlichten Eleganz alles überragt, das eine Absage ist an jeglichen Protz, das in seiner inneren Symmetrie einfach nur eine ganz besondere Erhabenheit ausstrahlt.

Dieses schlanke, bescheidene und doch unglaublich elegante Aufragen muss jeden betören, der ein Gefühl für Formen hat. Kaum jemals zuvor ist Luftraum über 25 Etagen hoch so fein gefüllt worden. Paul Schneider-Esleben hat das Haus in den Fünfzigern entworfen, und als es 1958 fertig wurde, stand es mit seinen verbauten Materialien als Symbol für all die Feststoffe, die der namensgebende Konzern einst in die Welt entsandte. Im nächsten Jahr darf die Stadt den 60. Jahrestag der Fertigstellung das Mannesmannhochhaus feiern, da erschiene ein Antrag bei der Weltkulturerbebehörde doch höchst angebracht.

Vielleicht könnte man den Weltkulturerbejuroren ja ein bisschen entgegen kommen und versprechen, dass im Gegenzug für die Verleihung des Titels die hässlichen Antennen auf dem Dach entfernt würden. Die stören die ausgeklügelte Symmetrie des Bauwerkes doch gewaltig, wenn man es von weitem betrachtet.

So ein Antrag hätte einen großen Vorteil, denn wenn das Mannesmannhochhaus Weltkulturerbe würde, könnte niemand mehr kommen und versuchen, ihm einen anderen Namen zu geben. In Köln versucht ja auch niemand, den Dom umzubenennen.

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