Friedrich Conzen möchte das Geld der Quadriennale für die Kultur retten.
Friedrich Conzen möchte das Geld der Quadriennale für die Kultur retten.

Friedrich Conzen möchte das Geld der Quadriennale für die Kultur retten.

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Friedrich Conzen möchte das Geld der Quadriennale für die Kultur retten.

Düsseldorf. Friedrich Conzen, Sprecher des Kulturausschusses, äußert sich zu Fehlern und Flops des großen Kunstfestivals, das am Sonntag endet.

Herr Conzen, über 270.000 Besucher hat die Quadriennale. Dennoch hat man den Eindruck, dass die Stimmung nicht für das Festival spricht. Findet sie ein weiteres Mal statt?

Conzen: Ich würde sie nicht aufgeben. Die Frage ist nur, ob sie so stattfinden muss wie bisher. Wenn wir sie einfach nur abschaffen, ist das Geld für die Kultur verloren. Unseren Häusern in bestimmten Zeitabständen eine Sonderzuwendung zu geben, ist natürlich eine tolle Sache.

Brauchen wir einen Moderator wie den Programmleiter Wolfgang Ullrich?

Conzen: Die Schwierigkeit begann schon beim Titel „Über das Morgen hinaus“. Darunter kann sich kein normaler Mensch etwas vorstellen. Er ist einfach zu abstrakt. Das Verbindende in den Ausstellungen hat mir gefehlt.

Sehen Sie es als zweckdienlich an, wenn die Kunstsammlung ihr wichtigstes Werk in der Ausstellung „Unter der Erde“, eine Installation von Martin Kippenberger, während der gesamten Laufzeit nicht repariert?

„Unsere Museen sollen zur Quadriennale einen zusätzlichen Schluck aus der Pulle haben.“

Friedrich Conzen, Bürgermeister

Conzen: Ich frage mich sogar: Müssen wir dieses Haus mit seinem hohen Etat auch noch einen hohen Zuschuss geben? Ich bin froh, dass die Kunstsammlung in Düsseldorf ist. Ich bin auch nicht neidisch. Aber unsere städtischen Museen mit ihren begrenzten Mitteln könnten dieses Geld gut gebrauchen. Selbst das Museum Kunstpalast kann keine Sprünge machen. Die Quadriennale soll ja eine Werbung für unsere Häuser sein. Sie sollen wenigstens einen zusätzlichen Schluck aus der Pulle haben.

Wo gibt es Korrekturen, etwa beim violett getönten Buch der Quadriennale-Leitung?

Conzen: Dieses Buch können Sie gar nicht lesen. Auch bei der Struktur der Quadriennale-GmbH könnte bestimmt einiges besser werden.

Und die PR-Arbeit? Halten Sie Pappmaché an der Oberkasseler Brücke und violette Bändern in den Bäumen für professionell?

Conzen: Wir haben ganz viele PR-Firmen in Düsseldorf. Aber dann bekommt eine Agentur aus Bremen den Auftrag, die noch nie etwas mit Düsseldorf zu tun hatte. Das ist mir unverständlich.

Sollte man die 4,5 Millionen Euro besser in die Sanierung der Häuser stecken?

Conzen: Saniert werden müssen einige Häuser. Zugleich sollten wir überlegen, die Gebäude zu optimieren. Wir könnten im frei werdenden Landesarchiv Mauerstraße Flächen mieten. Die Universitäts- und Landesbibliothek sowie das Kölner Stadtarchiv haben sich bisher nur ein Fünftel der Fläche gesichert. Es sollte geprüft werden, ob die Bibliotheken unserer Museen und eventuell das Restaurierungszentrum dort Platz finden könnten. Dann hätten wir einen Flügel im Ehrenhof frei, etwa für Design oder die Zero-Foundation. An der Mauerstraße könnte vieles zusammengefasst werden. Show- Depots zum Beispiel für die mittelalterliche Plastik aus dem Ehrenhof-Keller könnten dort ebenfalls entstehen. Auch beim Personal könnte durch dieses neue Archiv- und Depotzentrum einiges neu organisiert werden.

Eine wichtige Personalie ist noch offen. Der Vertrag von Harry Schmitz als Geschäftsführer des Museums Kunstpalast läuft Ende des Jahres aus. Wollen Sie seine Museumsreform fortsetzen?

Conzen: Harry Schmitz ist ein Glücksfall für uns. Es wäre gut, wenn er weiterhin in der Kultur arbeiten könnte. Sein kaufmännisches Geschick wäre ein Gewinn für die Strukturreform der städtischen Museen. Wir wollen damit erreichen, dass die Institutsleitungen den Kopf wieder frei haben für ihre Kernaufgaben. Sie sollen sich nicht um jedes Detail in ihren Häusern kümmern müssen, sondern sich auf ihre Ausstellungen und Sammlungen fokussieren können.

Was sagt der neue Oberbürgermeister Thomas Geisel dazu?

Conzen: Ich habe Ende des Monats ein Gespräch mit ihm. Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam etwas für die Kultur erreichen könnten.

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