Der Künstler wird in einer spannenden und witzigen Schau im K20 vorgestellt.

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Die Installation „Konzertflügeljom“ aus dem Jahr 1969.

Die Installation „Konzertflügeljom“ aus dem Jahr 1969.

dpa

Die Installation „Konzertflügeljom“ aus dem Jahr 1969.

Düsseldorf. Joseph Beuys (1921-1986) galt als Schamane, Ratgeber und Seher. Nun versucht eine neue Generation von Kuratoren, eine Ausstellung ohne das Charisma des Künstlers zu organisieren.

Kunstsammlungschefin Marion Ackermann und Isabelle Malz, gleichsam Spätgeborene, wagen sich tollkühn an den "ganzen Beuys", wie sie es nennen, und gewinnen.

So voll Poesie, künstlerisch eindeutig, heiter und traurig zugleich ist dessen Werk nie gezeigt worden. Das Faszinierende: Die Arbeiten erschließen sich wie von selbst.

Ein Torso mit Drahtschlinge begrüßt die Besucher

Als 28-Jähriger schuf der Mann vom Niederrhein sein erstes Meisterwerk: einen Frauentorso. Er stellte ihn auf einen Bildhauerbock, kippte schwarze Ölfarbe über den stumpfen Gipskörper, und drehte aus einer Eisenstange eine Drahtschlinge, als Ersatz für den Kopf. Nun begrüßt der Torso die Besucher im K20.

Unweit davon liegt eine kleine "Jungfrau" aus Wachs, mit Mullbinden umwickelt, auf einem Kissen wie auf ein Krankenlager gebettet. Nur die Scham bleibt unbedeckt.

1961 wird Beuys Professor in Düsseldorf, und es entstehen witzige Werke: Zwei Spaten sind mit herzförmigen Blättern an zwei Stielen fixiert, die in verschiedene Richtungen weisen. Die Arbeit für die Wuppertaler Galerie Parnass ist ein früher Versuch, Kunst und Lebenswirklichkeit zusammenzubringen.

Am Ende des ersten Saales führt eine steile Treppe ins Obergeschoss. Wird man die Stufen ohne Atemnot schaffen? Da ertönt die Beuys-Stimme im urigen, fast barbarischen Ton: "Ja Ja Ja Ja Ja, Nee Nee Nee Nee Nee", und der Besucher spürt die Stufen nicht mehr. Oben angekommen, stehen und liegen berühmte Installationen wie "Konzertflügeljom", ein schwarzer Flügel ohne Beine und Pedale, mit dem Beuys-Hut neben einer zerstörten Violine. Neben diesem Relikt aus den wilden 68ern steht ein Noten-Ständer mit verdorrtem Sauerkraut. Man spürt beinahe das breite Lachen des Künstlers.

Die letzten Werke wirken wie Todesfugen

Fast unbekannt ist "Streifen vom Haus des Schamanen" (1964-72) aus Canberra. Die Tristesse der schmalen, grauen Filzstreifen und des hölzernen Tores wird gemildert durch knallrotes, schwefelgelbes und schwarzes Farbpulver auf dem Boden. An der Wand hängen ein Fellmantel und jener Sanitätermantel, den Beuys 1972 bei der Besetzung des Sekretariats der Kunstakademie anzog.

Die letzten Werke wirken wie Todesfugen. Sezierbahren, Fieberthermometer und Schäleisen ("zeige deine Wunde", 1975) sowie "Palazzo Regale" gehören dazu. Wenige Tage vor seinem Ableben entdeckte Beuys in einem Garten bei Neapel eine Obstleiter, kombinierte sie mit zwei Bleikugeln und umgab sie mit einem Stahlseil. "Scala Napoletana" hält sich selbst im Gleichgewicht, eine Himmelsleiter, die fast das Museumsdach durchstößt.

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