Seit Anfang des Jahres hat das Kulturbüro Kiefernstraße eine eigene Galerie.

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Inka und Klaus Konrads schätzen die neue Galerie an der Kiefernstraße, wo ganz nach Beuys jeder ein Künstler sein kann.

Inka und Klaus Konrads schätzen die neue Galerie an der Kiefernstraße, wo ganz nach Beuys jeder ein Künstler sein kann.

Uwe Schaffmeister

Inka und Klaus Konrads schätzen die neue Galerie an der Kiefernstraße, wo ganz nach Beuys jeder ein Künstler sein kann.

Düsseldorf. Der Besuch einer Vernissage lohnt sich immer. Denn auch wenn gerade das Kleingeld für ein bisschen Kunst fehlt, der Prosecco ist meistens gratis und der Blick auf die Preisschilder gibt einem das wohlige Gefühl, zum Kreis der Auserwählten zu gehören. Das K4, Kulturraum und Galerie an der Kiefernstraße, besteht erst seit Anfang des Jahres, aber eines kann man jetzt schon feststellen: elitär ist irgendwie anders. Dafür herrscht bei Ausstellungseröffnungen viel Gedränge auf den „billigen“ Plätzen. Denn entweder quetscht man sich in die selbstgebauten Straßenmöbel auf dem Bürgersteig oder man muss sein Flaschenbier eben im Stehen trinken.

Kultur im Off

Alexander, ein Anwohner, freut sich über den neuen Ausstellungsort. „Es ist super, dass es hier einen Ort für nicht-kommerzielle Sachen gibt.“ Das bereichere die ganze Stadt, findet er. Für Inka Conrads (46) ist es das Schaufenster der Straße, mit dem Menschen von außerhalb angelockt werden sollen. „Jeder kann sehen, hier wird Kultur gemacht. Und es zeigt, dass Menschen hier auf eine ganz besondere Art zusammenleben.“ Das soziale Miteinander mache das Leben auf der Straße aus.

Das K4 ist Treffpunkt und Galerie zugleich

Der Künstler Klaus Conrads (76) trägt eine braune Lederjacke mit Farbklecksen, einen rubinroten Ohrring und einen Herzschrittmacher. Seit 25 Jahren wohnt er an der Kiefernstraße. „Wir verstehen das hier als soziale Plastik, ganz im Beuys’schen Sinne, mit allem was dazu gehört“, erklärt der Mann mit der Berliner Schnauze. Oder anders gesagt: Ein Ort, in dem durch kreatives Handeln soziale Strukturen zum Wohle der Gemeinschaft entstehen sollen. Jeder ist eben ein Künstler.

An den Wänden hängen Bilder und Fotografien, vor das Fenster hat jemand Salat und Kräuter in Töpfen in die Sonne gestellt. Außer zu Ausstellungen wird der Raum vom Kulturbüro der Kiefernstraße als Veranstaltungsort und Treffpunkt genutzt. Manchmal gibt es auch Konzerte, im Moment übt eine Klasse der Kunstakademie ein Theaterstück. An drei Tagen in der Woche gibt es im K4 Frühstück, Sonntags gibt es veganes Essen und zwischendurch werden Vorträge gehalten.

„Vor allem geht es uns um Kommunikation“, sagt Conrads. Und zum kommunikativen Ort wird das K4, sobald die Tür offen steht. Nachbarn stecken kurz den Kopf rein, ein kleiner Plausch entsteht. „Mach doch auch mal eine Ausstellung“, schlägt Conrads vor. „Mach ich, ich arbeite gerade an neuen Bildern“, sagt der andere und eilt weiter. „Es gibt viele kreative Leute hier auf der Straße“, sagt Conrads.

Vernissage des Künstlers Schlömi.

 

Zwischen dem 3. und 11. September stellt Inka Conrads anlässlich der Kunstpunkte ihre Arbeiten im K4 aus.

 

Am 24. September wird eine Ausstellung über die Besetzung der Straße vor 30 Jahren gezeigt.

 

Über Facebook oder Aushänge in der Kiefernstraße 4.

 

Getragen wird das K4 von einer Genossenschaft. Die Mitgliedschaft kostet einen Euro im Monat, die Einlage beträgt 20 Euro. Wer aussteigt, bekommt seinen Anteil wieder ausbezahlt. „Wir wollen gar nicht so groß werden, dass wir uns mit Geld anlegen und Zinsen beschäftigen müssen“, sagt Conrads. Um im K4 etwas zu machen, muss man nicht unbedingt von der Kiefernstraße kommen. Man muss nur die 24 Genossenschaftler überzeugen. Dafür gibt es dann sogar 100 Euro Ausstellungsprämie. Eine Vorgabe erhalten die Künstler nicht. Inka Conrads: Es gibt hier keine Hierarchie.“

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