Früher war der „Reinraum“ eine öffentliche Toilette, heute stellen dort vor allem Nachwuchskünstler der Akademie aus.

Christine Pakendorf und Bernard Bückmann bestimmen, wer im ehemaligen Herrenklo ausstellen darf.
Christine Pakendorf und Bernard Bückmann bestimmen, wer im ehemaligen Herrenklo ausstellen darf.

Christine Pakendorf und Bernard Bückmann bestimmen, wer im ehemaligen Herrenklo ausstellen darf.

Stefan Arend

Christine Pakendorf und Bernard Bückmann bestimmen, wer im ehemaligen Herrenklo ausstellen darf.

Düsseldorf. Wer zum ersten Mal den „Reinraum“ an der Adersstraße besucht, sollte nicht nach einem Haus Ausschau halten. An der Ecke zur Hüttenstraße führt eine über und über mit Blauregen überwucherte, eiserne Treppe im Bürgersteig unter die Erde. Nur ein kleines Schild am Briefkasten weist auf die Galerie hin, die sich dort unten befindet.

Auch die ursprüngliche Nutzung der Räume ist denkbar ungewöhnlich: Früher befand sich hier eine öffentliche Toilette, die vor allem Drogendealer frequentierten, und die später zum Schwulen-Treffpunkt wurde, bevor die Stadt sie schließlich schloss. „Das Viertel hat unter dem verwahrlosten Ort gelitten“, sagt Bernard Bückmann vom „Reinraum“. „Unsere Galerie hat den Platz stark aufgewertet.“

Gekachelte Wände erinnern an die sanitäre Geschichte des „Reinraums“

Wer nun jedoch ein dunkles, unappetitliches Kellerloch erwartet, liegt denkbar falsch: Große Oberlichter erhellen die renovierten Zimmer, im Vorraum gibt es eine kleine Bar. Die gekachelten Wände erinnern dennoch an die sanitäre Geschichte des „Reinraums“. „Die Fliesen sind wunderbar zahnbelag-gelb“, sagt Bückmann schmunzelnd. „Wir können unsere Wurzeln eben nicht leugnen.“

Mit seiner Kollegin Christine Pakendorf ist Bückmann für die Auswahl der Künstler verantwortlich. Experten sind die beiden dennoch nicht: „Wie alle Mitglieder unseres Vereins sind wir zwar kunstbegeistert, aber selbst keine Künstler“, sagt Pakendorf. „Bernard und ich haben beispielsweise Wirtschaft studiert.“

Gemeinsam mit fünf Bekannten gründeten die beiden vor neun Jahren den Kulturverein. Ein Unterfangen, das ganz zufällig zustande kam: Die Freunde stammten alle nicht aus der Stadt, waren zum Studium aus Hannover, Brüssel und vom Niederrhein nach Düsseldorf gezogen. „Wir suchten nach einem Raum, in dem wir zusammen etwas machen konnten“, sagt Pakendorf. „Bei einem Spaziergang stießen wir dabei auf den leeren Keller.“

 In der Regel gibt es am ersten Freitag im Monat um 19.30 Uhr eine Vernissage, danach sind die Ausstellungen drei Wochen lang mittwochs ab 19.30 Uhr zu besichtigen. Am letzten Mittwoch gibt es ein Künstlergespräch. Infos zum Programm:
www.reinraum-ev.de

Die Freunde fragten bei der Stadt an und pachteten die geschlossenen Toilettenräume. Erst dann überlegte man, was man damit anfangen könnte. „Ein Jahr lang passierte erstmal nichts“, sagt Pakendorf. Dann, 2001, fiel die Entscheidung für eine Galerie. Der Raum wurde gründlich gereinigt, man hörte sich im Bekanntenkreis nach geeigneten Künstlern um. Im März 2002 machte Bettina Blümner, heute eine erfolgreiche Regisseurin („Prinzessinnenbad“), mit einer Fotoserie den Anfang.

„Im ersten Jahr mussten wir noch nach Ausstellern suchen, heute sprechen die Künstler uns an“, sagt Bückmann. Viele Studenten der Kunstakademie seien zu Gast, für viele die erste Einzelausstellung ihrer jungen Karriere. Aber auch internationale Gäste kommen in den „Reinraum“: „Von Asien bis Amerika, bei uns waren schon Künstler aller Kontinente“, sagt Bückmann.

Künstler können den Raum für Ausstellungen völlig umgestalten

Jede Ausstellung ist einen Monat lang zu sehen. In dieser Zeit können die Künstler die 60 Quadratmeter nicht nur nutzen, sondern auch völlig umgestalten. So führte schon eine Rutsche von Eingang die Treppe hinab bis in die ehemalige Herrentoilette, ein anderer Künstler verhängte die gesamte Galerie mit Klopapier und schuf so aus Vorhängen neue Räume und Wege.

Für die Besucher ist das Erlebnis „Reinraum“ gratis. „Wir wollen damit nichts verdienen, nur Spaß haben an der Kunst“, sagt Bückmann. Die Künstler kostet die Ausstellung eine Jahresgabe, also eines ihrer eigenen Werke, welches sie selber auswählen. Diese Stücke werden alle zwei Jahre unter den Mitgliedern des Vereins versteigert. „So nehmen wir etwas Geld für Erneuerungen ein“, sagt Bückmann. Und die Mitglieder haben die Chance auf ein Unikat, das vielleicht später einmal viel wert sein könnte.

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