Der Jan-Wellem-Platz wird vom Düsseldorfer Büro „Die Developer“ bebaut. Der letzte Mitbewerber ist abgesprungen.

Düsseldorf. Riesenüberraschung am Donnerstagmittag: Die Frankfurter Entwickler MAB Bouwfonds mit Architekt Jürgen Mayer geben keine Bewerbung für den Jan-Wellem-Platz ab. Einen Kommentar dazu geben sie bis Donnerstagabend gegenüber der WZ nicht ab. Damit ist klar: Stefan Mühling, seit April mit seinen "Developern" am Markt, wird nach Plänen von Daniel Libeskind den Platz bebauen. Am 5. Februar soll der Stadtrat darüber formal entscheiden. Die wichtigsten Informationen zu den Gebäuden: Die Form: Die Bauten sind zu den Stadtseiten geschwungen und zeigen zum Park "klare Kante". Dort aber hat sich Libeskind etwas Besonderes einfallen lassen: In die Fassade- sie sind allesamt aus Glas und Naturstein - hat er 30 Meter lange Schlitze montiert, die Bäume aufnehmen sollen. Der Hofgarten wächst also ein wenig in die Stadt.

Planungsdezernent: "Nicht modisch, sondern zeitlos"

Planungsdezernent Gregor Bonin: "Das ist keine modische Architektur, sondern etwas, woran wir auch noch in 20 Jahren vorbeigehen und sagen: Das ist eine hervorragende zeitlose Architektur, die kreativ auf die unterschiedlichen Anforderungen der Umgebung reagiert."

Am 12. Mai 1946 in Polen geboren. Hauptwerke: Jüdisches Museum in Berlin, Denver Art Museum, Felix-Nussbaum-Haus (Osnabrück). Er gewann die Ausschreibung für das neue World Trade Center.

Der Jan-Wellem-Platz wird bebaut; der Verkehr der Hofgartenstraße wird in einen Tunnel verlegt, sodass Kö und Hofgarten verbunden werden.

Es geht um: Gestaltung Gustaf-Gründgens-Platz, Tuchtinsel und Luther-Platz; der Tausendfüßler wird dafür abgerissen. 30 Architekturbüros sind im Verfahren, zehn kommen in die engere Auswahl, die am 4./5. Februar vorgestellt wird. Die Entscheidung fällt am 1. April.

OB Dirk Elbers (CDU): "Ich freue mich, dass mit Daniel Libeskind ein Architekt von Weltrang dieses Projekt verwirklichen wird. Mit seiner Arbeit ist ein großer Wurf gelungen." Günter Wurm (SPD): "Ich kenne den Entwurf nicht, aber er ist sehr wahrscheinlich besser als diejenigen, die man uns vorher präsentiert hat. Er ist jetzt der letzte, der übrig geblieben ist. Die Stadtplanung hat aber versagt, weil immer noch mit Tunneln geplant wird." Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP): "Ich bin begeistert, der Entwurf ist eine tolle Sache. Düsseldorf kann froh und stolz sein, dass Libeskind hier baut. Die Stadt wird dadurch noch attraktiver für weitere große Namen. Trotz enger Vorgaben, ist der Entwurf spannend und ökologisch zukunftsweisend." Clara Deilmann (Grüne): "Wir tragen den Entwurf nicht mit, weil wird das Verfahren nicht mittragen. Mit dem Libeskind-Bau kann ich leben, er ist interessant, aber für die Lage zu groß. Mir ist es wichtig, dass in den Bau nicht nur Einzelhandel kommt, sondern auch viel Gastronomie."

Die Zahlen: Die Gebäude sind 26 Meter hoch, haben 500 Parkplätze in der Tiefgarage und bieten 40165 Quadratmeter Mietfläche. Handel und Büros teilen sich den Platz, wobei die Geschäfte zur City hin liegen und bis in dritte Geschoss reichen. Das Vermietungskonzept hat Jones Lang LaSalle erarbeitet. Von seinem Gelingen hängt das 300 Millionen-Projekt ab. Glanzpunkte: Die beiden Gebäude werden auf den Büroebenen durch eine zweigeschossige Brücke verbunden. Auf einer dritten Ebene läuft man an der frischen Luft und hat spektakuläre Blicke auf den Hofgarten. Und: Mühling plant mit modernster Haustechnik und setzt ausschließlich auf regenerative Energien, bestellt Biogas - sogar ein Blockheizkraftwerk ist vorgesehen. Die Düsseldorfer dürfen sich auf Gastronomie mit Blick auf den Hofgarten freuen. "Das alles wird etwas ganz Neues für die Landeshauptstadt Düsseldorf", schwärmt Mühling, der zuvor bei Strabag und Züblin insgesamt eine Projektsumme von 1,5 Milliarden Euro managte. Derzeit hat er sechs Mitarbeiter. Für den Kö-Bogen wird die Zahl mindestens verdoppelt. Als Mühling gegen 15 Uhr von Bonin die positive Nachricht erhält, flitzt er erst einmal vom Büro an der Breite Straße zum Carlsplatz - und kauft eine Flasche eiskalten Champagner. Und natürlich erfolgte der Anruf nach New York. Mühling: "Alle freuen sich sehr."

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