Die Straße durch den Hofgarten nimmt Formen an. Planungsdezernent Bonin will die Bürger bei der Planung des neuen Hofgarten eng einbinden und eine offene Diskussion.

Düsseldorf. Gäbe es Parkgeister, der Geist des Hofgartens würde sich beleidigt erheben und von dannen schweben. Denn mit dem Stadtpark wird nicht sehr höflich umgegangen: Bagger wühlen das Erdreich auf, entlang der Landskrone, wo sonst Passanten flanieren, wird eine Straße angelegt. Ab April/Mail fahren die Autos dann quasi durch den Park zur Ludwig-Zimmermann-Straße, der kleinen Straße zwischen Oper und Parkhotel, und von dort zur Heinrich-Heine-Allee. Der Park leidet - aber nur, um in fünf Jahren umso schöner an seine Entstehungszeit von vor 200 Jahren anzuknüpfen.

Heimatvereine wünschen enge Anlehnung an historische Pläne

"Die Interimsstraße, so wie sie derzeit gebaut wird, ist zwar optisch ein Affront, verursacht aber keinen nicht wieder gutzumachenden Schaden." Edmund Spohr, Vorsitzender der AGD, der Aktionsgemeinschaft der Düsseldorfer Heimatvereine, hat sich notgedrungen mit dem Bauwerk abgefunden. "Die Bäume, die für die Straßen fallen mussten, sind ohnehin nicht sehr alt. Jetzt muss man darauf achten, dass die Landschaftsplaner die Umgebung so gestalten, dass die Gebäude nicht zu sehr dominieren", sagt er. Allerdings müsse die Landschaftsgestaltung frühzeitig offengelegt und mit den Bürgern ausgiebig diskutiert werden, damit sie sich mit den Änderungen anfreunden können.

Denn Spohr sieht die Chance, die von Weyhe geplante Situation wiederherzustellen. Den Fußweg am Südufer der Landskrone habe es früher nicht gegeben, statt dessen begleitete eine Allee die Bebauung, auf der man flanieren und von der man in den Park hinunterblicken konnte. "Diese Situation sollte wieder hergestellt werden", sagt er.

Weit größere Bedenken hat Spohr bezüglich des geplanten Abrisses des Tausendfüßlers. "Wir warten immer noch auf Antworten, wie der Übergang von einer Hofgartenseite zur anderen gestaltet werden soll", sagt er. "Auch wenn der Autoverkehr im Tunnel ist, rauschen immer noch vier Straßenbahnlinien durch den neuen Grünzug - in Hauptverkehrszeiten eine Bahn pro Minute." Auch diese Pläne sollten bald vorgestellt und diskutiert werden.

Landschaftsplaner: Detailplanung hat noch nicht begonnen

Die Fäden für das Großprojekt Kö-Bogen laufen bei Planungsdezernent Gregor Bonin zusammen. "Natürlich will die Stadtspitze eine offene Diskussion zur Zukunft des Hofgartens", sagt der Beigeordnete. Die Bürgerbeteiligung für den zweiten Bauabschnitt des Kö-Bogens sei in Vorbereitung und werde im März stattfinden. Laut Thomas Fenner, Geschäftsführer der Landschaftsarchitekten FSWLA, die den Wettbewerb für die Hofgartengestaltung gewonnen haben, steht die Planung noch am Anfang. Die Richtung sei durch das Ziel vorgegeben, an die Weyhe-Pläne anzuknüpfen und damit an die Zeit vor Stadtplaner Tamms, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Zentralachse Berliner Allee/Kaiserstraße durch den Park führte und ihn teilte, so wie eine Axt einen Holzscheit teilt. Die Feinheiten aber stehen aus: Vegetation insgesamt, welcher Art sollen die mehr als 200 neuen Bäume sein, Böschungsneigung, genaue Lage von Brücken und Wegen etc.

Der älteste Hofgartenteil zwischen Jacobistraße und Kaiserstraße wurde 1769 von Kurfürst Karl Theodor als erster öffentlicher Volkspark Deutschlands angelegt und 1795 von den Franzosen zerstört.

Drei Jahre nach der Schleifung der Festungsanlagen im Jahr 1801 begann Gartendirektor Maximilian Friedrich Weyhe mit dem Wiederaufbau des alten Hofgartens und seiner Erweiterung auf dem Gelände der ehemaligen Festungsanlagen. Die Schuttberge wurden zum Ananasberg und dem Hexenhügel aufgetürmt, die Düssel zur Landskrone aufgeweitet und zum Kö-Graben weitergeführt.

Im Zuge des Baus der Berliner Allee wurde der Jan-Wellem-Platz angelegt und dafür Teile des Hofgartens den Straßenverbindungen geopfert.

Für Bonin besteht die Aufgabe nun nicht darin, die Weyhe-Pläne ein zweites Mal umzusetzen. "Reine Kopien historischer Vorbilder haben noch nie etwas gebracht." Man müsse Weyhe interpretieren und weiterentwickeln. Beispiel Allee: "In die Fassade der Libeskind-Bauten, die auf dem Jan-Wellem-Platz entstehen, werden Bäume integriert, zum Hofgarten hin gibt es Gastronomie mit Terrassen. Welchen Sinn hätte es, den Blick dort durch eine neue Allee zu versperren?"

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