Der Star aus New York baut in der Düsseldorfer Innenstadt. Namhafte Baumeister wie ihn zieht es zunehmend in die Landeshauptstadt.

Düsseldorf. "Ohne Erinnerung wüssten wir nicht, wohin wir gehen und woher wir kommen. Deshalb glaube ich, dass die Erinnerung in jedem Architektur-Projekt wichtig ist." Dieses Bekenntnis hat Daniel Libeskind abgelegt, als man ihn zu seinen Plänen für Ground Zero befragte.

Doch es steht ebenso für das Jüdische Museum in Berlin, mit dessen Entwurf er sich vor gut zehn Jahren in die Weltliga der Architektur katapultierte.

Blickt man auf die Pläne, die der 62-jährige Baumeister aus New York nun für den Düsseldorfer Kö-Bogen vorgelegt hat, und die bis 2014 umgesetzt sein sollen, erkennt man auch hier seinen Sinn für die Geschichte des Ortes, an dem das Bauwerk entsteht: Harmonisch schließt sich seine Fassade und die für ihn typischen Schnitte in den Baukörper an das im Hintergrund stehende Thyssen-Haus an. Das so genannte Dreischeibenhaus von 1960 der Düsseldorfer Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg gehörte lange Jahre zu den bedeutendsten Hochhäusern Deutschlands.

In der direkten Nachbarschaft, am Nordende der Königsallee, entstehen unter dem Projekt-Namen Kö-Bogen1 zwei Gebäude, die auf rund 40 000 Quadratmetern Platz für Handel und Büros bieten sollen.

Zu den Stadtseiten zeigen die Modelle des Architekten organische Schwünge, klare Linien weisen in Richtung Hofgarten. Hier sind in den Mauern aus Naturstein und Glas Aussparungen vorgesehen, in denen Begrünungen eine Verbindung zwischen Park und Stadt schaffen sollen. Mit 300 Millionen Euro Gesamtinvestition rechnet der Entwickler, das Düsseldorfer Büro "Die Developer" von Stefan Mühling.

Meier, Gehry und Jahn - die Stars der Szene bauen in Düsseldorf

Daniel Libeskind wird am 12. Mai 1946 im polnischen Lodz geboren. 1957 emigrieren die Eltern nach Israel. Libeskind siedelt mit seiner Familie 1960 in die USA über und nimmt 1965 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Er studiert Musik in Israel und New York, später wechselt er zur Architektur. Für den Bau des Jüdischen Museums zieht Libeskind mit seiner Frau Nina und seinen drei Kindern nach Berlin. Dort lebt er 13 Jahre, bevor er 2003 zurück nach New York geht. Über sein Deutsch sagt Libeskind: "Ich spreche es nie in der Öffentlichkeit".

Daniel Libeskind: Entwürfe meines Lebens. Autobiografie. Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2004.

Mit Libeskind setzt die Landeshauptstadt ein erneutes architektonisches Signal, das ihre wirtschaftliche Internationalität spiegelt. In diese Philosophie passt gleich neben dem Kö-Bogen das Kaufhaus P & C, welches aus dem Büro von Richard Meier stammt, der ebenso zu den Großen der Szene gehört. Die Düsseldorfer Innenstadt holt also auf, wenn nun Libeskind an der zentralsten Stelle überhaupt baut.

Steuern Architektur-Fans heute die Landeshauptstadt an, ist stets Medienhafen ihr Ziel. Dort hat Frank Gehry seine schiefen Gebäude errichtet, die zum Signet Düsseldorfs und Motiv vieler Werbekampagnen wurden. Dort waren Stars wie Claude Vasconi oder Fuhimiko Maki aktiv. Gerade errichtet Superstar Helmut Jahn (Chicago) das höchste Gebäude des Quartiers.

Ironie am Rande: Düsseldorfer Planer machen zurzeit anderswo Schlagzeilen. Christoph Ingenhoven etwa hat den Wettbewerb für den Neubau des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag gewonnen.

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