Drei Momentaufnahmen an Weiberfastnacht.

Ratinger Straße
10 Uhr: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

10 Uhr: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

13 Uhr: Jeckes Treiben in und vor den Kneipen und Diskotheken.

20 Uhr: Die Schlangen vor Brauereien und Discos sind immer noch lang.

Judith Michaelis, Bild 1 von 3

10 Uhr: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Düsseldorf. 10 Uhr. Noch eine Stunde und elf Minuten bis zum Rathaussturm. Doch rund um den kommunalen Herrschaftssitz hat die närrische Übernahme längst begonnen: Noch sind die Glasverbotskontrolleure des Ordnungsamts nicht auf ihren Posten, da treibt eine Gruppe aus Superwoman, zwei Piratinnen, einer Fee, einer Indianerin und einer Baumeisterin zielstrebig drei Cowgirls vor sich her – in Richtung Retematäng. Am Anfang der Ratinger Straße kommt ihnen eine Gruppe Ärzte entgegen und stellt für eines der Cowgirls gleich eine vernichtende Diagnose: „Wie? Du trinkst Kölsch? Dat jeht hütt awwer net.“ Auf der Feiermeile angekommen hält die Western-Lady etwas verschämt die Hand vor das Etikett ihrer Bierflasche und reiht sich beim Füchschen ein. Der Heilungsprozess beginnt. Die Schlange zur Hausbrauerei ist schon 60 Meter lang, und sie wird heute nicht kürzer werden.

Bierkutscher laden die letzten flüssigen Vorräte von ihren Lastern und wuchten sie hinter die mobilen Biertheken. Im „Ohme Jupp“ wurden Tische und Stühle beiseite geräumt – der Jeck braucht Platz zum Tanzen, aber noch sieht es hier mehr nach Arbeit, denn nach Feiern aus.

„Keine Ahnung, was uns da drin erwartet, aber wir müssen mal aufs Klo.“

Aerobic-Tänzerin Nina in der Schlange vor dem Goldenen Einhorn

13 Uhr. Die Außerirdischen wehren sich nicht. An der Ecke zum Quartier Bohème haben zwei Astronauten in silbernen Anzügen zwei Marsmädchen gestellt und führen nun wissenschaftliche Experimente durch: Wie viel Alt vertragen extraterrestrische Lebensformen? Der Stimmung nach einiges. Die Laster mit den Rädern sind verschwunden, dafür werden jetzt andere gepflegt. Es wird gebützt, geschunkelt und geflirtet wie sonst nur im Sommer auf der Ratinger.

Die Straße behält auch im Karneval ihr eigenes Flair. Irgendwie gemütlicher, irgendwie nicht so ballermannesk. Da sich das herumgesprochen hat, sind die Schlangen vor den Läden nach wie vor lang. Drei Aerobic-Grazien haben sich beim Goldenen Einhorn eingereiht. Grazie Nina sagt: „Keine Ahnung, was uns da drin erwartet, aber wir müssen mal aufs Klo.“ Heiko Dorloff, Türsteher und Sicherheitschef im Quartier Bohème, ist noch total entspannt: „Die Leute sind gut drauf, keiner macht Ärger.“ Allerdings ist es auch längst nicht so voll, wie in den Vorjahren. Dem Sprühregen sei Dank.

Wohl dem, der jetzt auf einer Gästeliste steht

20 Uhr. Bei Mickey Mouse fließen Tränen. Häschen und Hexe spenden Trost. Das junge Trio, das vor den Stufen zum Henkel-Saal kauert, verzweifelt gemeinschaftlich am Verhalten eines männlichen Artgenossen. Geschichten, die der Karneval schreibt. Wohl dem, der jetzt beim Füchschen auf der Gästeliste steht. Über den Hintereingang geht es ins Vergnügen. Die Jecken tanzen hier seit Stunden auf den Tischen. Erst gegen Mitternacht spucken die Läden auf Düsseldorfs traditionsreichster Feiermeile ihre Besucher wieder aus. Manch einen wird sogar erst der Kehrwagen der Awista am nächsten Morgen vom Pflaster der Ratinger Straße fegen.

© WhatsBroadcast

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