400 Närrinnen feierten in der Rheinterrasse – und diskutierten: Wie können Frauen im Karneval mehr Einfluss bekommen?

Venetien der letzten Jahre bilden den fast vollständigen Elferrat im Venetien-Club. Bei der Sitzung in der Rheinterrasse moderierten Angela Erwin und Ute Krings als doppeltes Lottchen (Mitte).
Venetien der letzten Jahre bilden den fast vollständigen Elferrat im Venetien-Club. Bei der Sitzung in der Rheinterrasse moderierten Angela Erwin und Ute Krings als doppeltes Lottchen (Mitte).

Venetien der letzten Jahre bilden den fast vollständigen Elferrat im Venetien-Club. Bei der Sitzung in der Rheinterrasse moderierten Angela Erwin und Ute Krings als doppeltes Lottchen (Mitte).

David Young

Venetien der letzten Jahre bilden den fast vollständigen Elferrat im Venetien-Club. Bei der Sitzung in der Rheinterrasse moderierten Angela Erwin und Ute Krings als doppeltes Lottchen (Mitte).

Düsseldorf. 400 jecke Mädels füllten den Kuppelsaal der Rheinterrasse, als das doppelte Lottchen im Venetienclub, Angela Erwin und Ute Krings, zur Sitzung bat. Bei zwei Krankmeldungen bestand der Elferrat nur aus neun Ex-Venetien.

Nach drei Stunden Programm standen die Frauen auf den Stühlen und Ute sang mit der Band Alt Schuss das Niederkassel-Lied, denn in Niederkassel hatte man ihr die Aufnahme als stimmberechtigtes Mitglied in die Tonnengarde verweigert. In einer Blitzumfrage der WZ im Saal gibt es unterschiedliche Antworten zur närrischen Emanzipation.

Karnevalistinnen nehmen gern die Bundeskanzlerin als Vorbild

Simone Brönneke, als Pippi Langstrumpf verkleidet, klagt: „Im Düsseldorfer Karneval gibt es noch keine Emanzipation. Ich fände es gut, in einem Vorstand dabei zu sein. Dann könnten meine Reden mehr Gewicht bekommen. Der Spaß kommt sowieso bei den Frauen besser an, denn sie haben eher ein Faible zur Kostümierung als die Männer.“

Die Rather Aape sind die Ausnahme, sie haben mit Ellen Schlepphorst eine Frau als Vorsitzende. Elke Kotzur, Ehefrau des dortigen Präsidenten, erklärt: „Wir haben eine Kanzlerin und mehrere Bundesministerinnen als führende Frauen. Was in der Politik möglich ist, sollte auch im Winterbrauchtum möglich sein. Ich finde es diskriminierend, nur Männer mitbestimmen zu lassen.“

„Ich finde es diskriminierend, nur Männer in den Vorstand eines Karnevalsvereins aufzunehmen.“
Elke Kotzur, Rather Aape

Regina Zschornack war lange Zeit einfaches Mitglied im Amazonencorps, das bekanntermaßen aus lauter Reiterinnen besteht. Sie hält es für eine Frage der Zeit, bis Männer erkennen, dass Frauen es auch können. Im Karneval dauere es eben etwas länger als in der Bundespolitik. Man könne aber nicht reinreden. Sie ist der Meinung, dass es in einigen Jahren auch aktivere Frauen im offiziellen Bereich des Karnevals geben wird.

Im CC gibt es 68 registrierte Karnevalsvereine. Präsidentinnen gibt es bei der Rheinischen Garde Blau-Weiß und im Amazonencorps. Den ersten Vorsitz stellen die Närrinnen bei den Rather Aape, den Düsseldorfer Originalen, dem Venetienclub und den Närrischen Marktfrauen.

Daniela Antonin, Vizechefin im Hetjens-Museum, hat sich eine bunte Maske des englischen Prinzen Harry vor das Gesicht gehängt. Sie frohlockt: „In einigen Jahren haben die Männer in den Chefetagen Seltenheitswert. Ich freue mich dann, einen Mann zu sehen.“

„Manche Frauen wagen sich noch nicht einmal, allein in die Altstadt zu gehen.“
Evelin Theisen, Medici Club

Die Begründerin und Vorstandsvorsitzende des Medici Club Düsseldorf, Evelin Theisen, nennt eine Ursache, warum die Frau an der Spitze einer Jecken-Vereinigung so selten ist: „Selbst in meinem Club muss ich die Hälfte der Frauen überreden, ohne ihren Mann in die Altstadt essen zu gehen. Viele Frauen trauen sich einfach nicht. Aber inzwischen werden sie immer selbstbewusster.“

WZ-Online: 68 Prozent wollen mehr Frauen an der Spitze des Karnevals

Die WZ hat eine Online-Umfrage gestartet, ob Frauen an die Spitze des Karnevals treten sollten. Bis jetzt antworten 68 Prozent der Leser mit Ja. Nur 32 Prozent meinen, Frauen sollten den Männern den Vortritt lassen. Helmut Lücker kommentiert die Umfrage schriftlich: „Ich frage mich ob es um den Kampf der Geschlechter oder um Kompetenz geht. Wer Ideen und Liebe zum Karneval hat, gehört an die Spitze. Dabei spielt das Geschlecht keine Rolle. Spitze im Karneval ist nicht eine Person, sondern ein Gremium. Hier muss jeder seine Fähigkeiten zum Wohle der Sache einbringen. Egoisten und Selbstdarsteller sind nicht gefragt.“

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