Karnevalisten nehmen die Fehltritte der Politiker genüsslich aufs Korn. Düsseldorfer punkten mit Aktualität.

Duell
Mehr als nur eine blutige Nase holt sich in der Landeshauptstadt Klaus Wowereit für das Debakel am Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg.

Mehr als nur eine blutige Nase holt sich in der Landeshauptstadt Klaus Wowereit für das Debakel am Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg.

In Köln ist der Berliner Flughafen bereits fast fertig – allerdings nur als Wolkenkuckucksheim aus Pappmaché. Auch darauf kann man nicht landen.

Kremlchef Putin steuert die russische Justiz wie eine Marionette, und der französischen Schauspieler Depardieu lobt ihn auf dem Kölner Wagen sogar dafür.

Die Kölner wissen genau, wo in der Euro-Krise das Geld herkommt. Spanier, Italiener und andere saugen am Muttertier, das Merkels Züge trägt.

Im Herbst wird der Bundestag gewählt, doch derzeit ist SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück eher eine Belastung für seine Partei, meinen die Düsseldorfer.

Das tierische Gegenstück zu Rainer Brüderle kann es einfach nicht lassen, an der Hündin vom Stern zu schnuppern. „Pfui!“, sagen die Düsseldorfer dazu.

Roland Weihrauch, Bild 1 von 6

Mehr als nur eine blutige Nase holt sich in der Landeshauptstadt Klaus Wowereit für das Debakel am Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg.

Düsseldorf/Köln. Wenn Rivalität zu Pappmaché wird, ist Rosenmontag. Für den Höhepunkt des Karnevals haben sich die Wagenbauer in Düsseldorf und Köln über Monate ins Zeug gelegt. Vor allem die Politik wird hemmungslos aufs Korn genommen. Doch wer hat im Duell der Rheinmetropolen die Nase vorn?

Bissigkeit

Die Politik hat unfreiwillig wieder viele Vorlagen gegeben, und die Narren griffen freudig zu. Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Kandidat Peer Steinbrück, „Herrenwitz“ Rainer Brüderle oder auch Kremlmachthaber Wladimir Putin bekommen ihr Fett weg. Traditionell fahren die Kölner Jecken allerdings eine etwas unpolitischere Linie, während die Düsseldorfer das abgelaufene Politjahr nahezu komplett aufarbeiten. Das ist letztlich eine Geschmackssache – jeder Jeck mag es anders. Deshalb werden die Punkte geteilt. Zwischenstand Düsseldorf- Köln 0,5:0,5

Aktualität

Obwohl das Jahr noch jung ist, hat es in der Politik schon mächtig gekracht. Die Euro-Krise, das Flughafendebakel von Berlin und auch der Kampf der Musikband Pussy Riot gegen das Moskauer Regime sind gesetzt. Die Düsseldorfer haben zudem bis zum letzten Tag die Nachrichten genau verfolgt und blitzschnell reagiert. Nicht nur Brüderles Sexismus-Debatte haben sie thematisiert, sondern auch Annette Schavans Verlust des Doktortitels ist dabei. Klarer Punkt nach Düsseldorf. Zwischenstand Düsseldorf-Köln 1,5:0,5

Charme

Den Düsseldorfern gelingt es, selbst das schlüpfrige Brüderle-Thema charmant schmunzelnd umzusetzen. Die Kölner schießen mit Merkel als nackter Sau eine Spur übers Ziel hinaus. Da rettet auch nicht, dass Merkel und Ferkel ähnlich klingen. Klarer Punkt nach Düsseldorf. Zwischenstand Düsseldorf-Köln 2,5:0,5

Umsetzung

Die Düsseldorfer Figuren wirken dynamischer, die Kölner können von ihren Wagen dafür Kamelle werfen. Versöhnliche Punkteteilung zum Abschluss. Endergebnis Düsseldorf-Köln 3:1 pln

Aus der Londoner Karnevals-Diaspora hat Lukas Podolski (27) in diesem Jahr den Kölner Rosenmontagszug verfolgen müssen. „Hi Leute“, postete er auf Facebook und erinnerte sich: „War das geil, die letzten Jahre mit oben auf dem Wagen zu stehen. Doch ich verfolge den Zoch auch von hier aus.“ „Prinz Poldi“, der seit vergangenem Jahr beim FC Arsenal unter Vertrag steht, wünschte allen Jecken viel Spaß: „Kölle und den Karneval muss man einfach lieben – lasst es krachen“, so sein Aufruf. Dazu stellte er ein Foto, das ihn offenbar bei seinem letzten Heimatbesuch in Köln zusammen mit Michael Schumacher bei einer Karnevalsfeier zeigt.

Auch in diesem Jahr gaben sich wieder viele Prominente die Ehre und schunkelten mit. In Düsseldorf feierte der Sänger der Toten Hosen, Campino, mit den Jecken. In Köln war TV-Moderator Stefan Raab zu Gast auf dem Wagen der Höhner. Alice Schwarzer warf vom Wagen des Zugleiters Kamelle in die Menge.

Ein als Sträfling verkleideter Mann hat in Arnsberg im Karneval sehr authentische Erfahrungen gesammelt – er landete mit 1,7 Promille in der Ausnüchterungszelle der Polizei. Die Beamten hatten den Verkleideten in der Nacht zu Rosenmontag eingesammelt, weil er so herumtorkelte, dass er nicht auf dem Gehweg laufen konnte, teilte die Polizei mit. Als er nach Stunden seine Identität und die Handynummer seiner Frau preisgab, war die Gattin erst nicht zu erreichen. Am Montagvormittag allerdings rief eine besorgte Frau an und meldete ihren Mann vermisst. Es war der Sträfling aus der Zelle.

Für das Hildener Prinzenpaar wird der Rosenmontag in doppelter Hinsicht ein unvergesslicher Tag bleiben: Seine Tollität Prinz Hildanus Daniel I. und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Hildania gaben sich pünktlich um 11.11 Uhr das Ja-Wort. Groß gefeiert wurde dann beim Rosenmontagszug. Gut 60 000 jecke Besucher feierten das frisch vermählte Paar. „Viele Kinder“ war der häufigste Wunsch, den das närrische Volk dem jungen Paar mit auf den Weg geben wollte. Dass sich Prinzenpaare am Rosenmontag trauen, scheint in Hilden zur Tradition zu werden: Bereits im Jahr 2000 hatte sich das damalige Prinzenpaar den Rosenmontag als Hochzeitstag ausgesucht.

Der Himmel am Rhein war überwiegend grau, nur in Düsseldorf kam die Sonne raus. Überall waren die Narren bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in dicke Kostüme gepackt. Besonders beliebt: Tierkostüme in allen Facetten, vom Huhn bis zum Wolf, von der Giraffe bis zum Kätzchen.

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