Zum Sessions-Auftakt spricht der Präsident über den Trend zum Party-Karneval, Teneriffa und die neue Malkasten-Redoute.

CC-Präsident Josef Hinkel will den Karneval in den nächsten Jahren weiterentwickeln.
CC-Präsident Josef Hinkel will den Karneval in den nächsten Jahren weiterentwickeln.

CC-Präsident Josef Hinkel will den Karneval in den nächsten Jahren weiterentwickeln.

dpa

CC-Präsident Josef Hinkel will den Karneval in den nächsten Jahren weiterentwickeln.

Düsseldorf. Wenn am Montag um 11.11 Uhr auf dem Marktplatz vor dem Rathaus der Hoppeditz aus seinem Senftöpfchen steigt, startet wieder die fünfte Jahreszeit. Zum Start der Session sprachen wir mit Josef Hinkel, Chef des Carnevals Comitees – der Dachorganisation der Düsseldorfer Karnevalsvereine.

Herr Hinkel, wo steht der Düsseldorfer Karneval?

Josef Hinkel: Wir sind im Aufwind, wenn man sich die Entwicklung der letzten 20 Jahre betrachtet. Die Tendenz bei den Mitgliedern ist positiv, wir haben etwa 7000 organisierte Karnevalisten. Und es wird überall gefeiert, ob bei der Reserve, den Alde Düsseldorfern, in Altenheimen oder in Krankenhäusern. Karneval ist eine Bürgerbewegung.

Also kann alles bleiben, wie es ist?

Hinkel: Die Vereine hätten mich nicht gewählt, wenn sie wollten, dass der Karneval stagniert. Ich habe andere Ansprüche. Es muss eine dynamische Entwicklung sein.

Der gebürtige Düsseldorfer ist 54 Jahre alt, verheiratet und Vater von fünf Kindern.

Hinkel ist Chef der gleichnamigen Altstadt-Bäckerei. Er lernte das Handwerk im väterlichen Betrieb, arbeitete dann unter anderem in München und Hannover. Offiziell übernahm er 1988 das Traditions-Geschäft.

Schon 1972 war er Kinderprinz, 2008 wurde er Prinz der Landeshauptstadt. Seit 2011 ist er Präsident des Carnevals Comitees

Gleich zu Beginn gibt es etwas Neues. Hoppeditz Tom Bauer hat einen neuen Redenschreiber. Warum?

Hinkel: Ich hatte nach dem letzten Hoppeditz-Erwachen das Gefühl, dass es da noch Potenzial nach oben gibt. Wir haben einen sehr guten Reden-Schreiber gefunden, der bisher noch nichts mit dem Karneval zu tun hatte. Wer es ist, werden wir vielleicht nach der Rede bekannt geben. Ich hoffe, dass wir mit demjenigen auch in den nächsten Jahren zusammen arbeiten. Für mich ist Veränderung sehr wichtig. Dies gilt auch für die Entscheidung, dass Michael Hermes nicht mehr in jedem Jahr das Motto-Lied für die Session macht, obwohl ich selbst großer Hermes-Fan bin.

Es gibt Vereine, die langsam aussterben. Ist das ein Problem?

Hinkel: Das hat es immer schon gegeben. Aber dafür kommt auch Neues nach, von den Benrather Schlossgeistern bis zur Hoppediz-Wache. Und es gibt viele neue Veranstaltungen – wie die zahlreichen Brauhaus-Sitzungen, die sehr erfolgreich sind.

Ist da nicht inzwischen zu viel Party und zu wenig traditioneller Karneval?

Hinkel: Ich finde, Karneval muss brodeln. Die Leute sollen mitfeiern und nicht nur konsumieren. Mein Eindruck ist, dass wir auf den Sitzungen eine sehr gute Qualität haben. Ein Beispiel ist die Nachtsitzung der KG Regenbogen. Außerdem bin ich ein großer Fan davon, dass sich die Vereine selbst auf die Bühne stellen, und nicht ein Programm zusammen kaufen. Das haben wir bei unserer Bäcker-Sitzung schon lange so gemacht. Auch bei anderen Vereinen wie der Kakaju oder der Tonnengarde wird das inzwischen umgesetzt.

Aber es gibt auch andere neue Ideen?

Hinkel: Wir haben vor, die Malkasten-Redoute, den Karneval der Künstler, wieder zu beleben. Ich habe schon mit Schauspielhaus, der Deutschen Oper am Rhein, der Tonhalle, dem Kom(m)ödchen, der Komödie und mit René Heinersdorff gesprochen. Das wird eine tolle Sache, die für das Carnevals Comitee von Lothar Hörning, dem ehemaligen Präsidenten der KG Regenbogen, betreut wird. Möglicherweise können wir das schon im nächsten Jahr realisieren.

Diskutiert wird gerade auch, ob der Karneval Zuschüsse von der Stadt bekommen soll...

Hinkel: Das ist eine Idee von Jobsi Drießen. Denn wir haben aktuell Probleme, die Kosten zu decken. Deshalb werden wir jetzt politische Gespräche darüber führen, ob die Stadt uns an der einen oder anderen Stelle helfen kann. Aber ich möchte auch nicht ständig am Tropf der Stadt hängen.

Hängen die Geldprobleme mit dem neuen Sicherheitskonzept für den Zoch zusammen?

Hinkel: Ja, da sind uns immense zusätzliche Kosten entstanden. Das sind allein etwa 35 000 Euro für die Sicherheitsauflagen. Dabei sind Ausgaben wie für das DRK noch gar nicht mitgerechnet. Insgesamt kostet uns der Rosenmontagszug allein rund 900 000 Euro. Würde man die ehrenamtlich erbrachten Leistungen mitrechnen, dann kämen wir schnell auf Summen von mehreren Millionen Euro. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, neue Sponsoren zu bekommen. Selbst wenn man zu so genannten ’Global Playern’ geht, können die oft nicht mal mehr über einen Betrag von 5000 Euro entscheiden, ohne den Vorstand zu fragen. Die Suche nach Geldgebern ist ziemlich mühsam geworden.

Gibt es noch eine Chance, die Partnerschaft mit Teneriffa wiederzubeleben?

Hinkel: Die ist nicht tot, außer dass sie um die Reise nach Teneriffa reduziert wurde. Ich bedauere das sehr, denn es ist eine Partnerschaft mit einer langen Tradition. Leider sind uns die Sponsoren weggebrochen. Zuerst hat die Air Berlin die Transporte von unserem Material nicht mehr übernommen und dann wurde uns sehr kurzfristig mitgeteilt, dass es auch keine Flüge mehr gibt. Kosten von 30 000 Euro kann ich nicht einfach zusätzlich ausgeben. Über die Situation bin ich gar nicht glücklich. Es wäre schön, wenn wir einen neuen Sponsor finden. Aber nicht nur für ein Jahr, sondern für fünf. Da muss eine Kontinuität gewährleistet sein.

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