Bei zunächst sonnigem Frühlingswetter schunkelten 8000 Narren beim Sturm aufs Rathaus. Viele waren bunt und leicht kostümiert. Drinnen tummelte sich die Polit-Prominenz.

Karneval
Ab 11.11 Uhr ging es Donnerstag richtig zur Sache am Marktplatz: So viele Möhne wie lange nicht mehr stürmten mit Scheren bewaffnet das Rathaus. Fotos (4): David Young

Ab 11.11 Uhr ging es Donnerstag richtig zur Sache am Marktplatz: So viele Möhne wie lange nicht mehr stürmten mit Scheren bewaffnet das Rathaus. Fotos (4): David Young

Keine Krawatten sind an Altweiber bei den Möhnen so begehrt wie die von OB Dirk Elbers: Der hatte wieder mehr als zwei Dutzend dabei – und Spaß dabei, sie abschneiden zu lassen.

Eine Quintett grün bemalter Baumschützer scharte sich im Rathaus um Miriam Koch (rechts), die OB-Kandidatin der Grünen.

SPD-OB-Kandidat Thomas Geisel trat als Quasimodo im Jan-Wellem-Saal auf, seine Frau Vera gab die Zigeunerin Esmeralda.

Young David (DY), Bild 1 von 4

Ab 11.11 Uhr ging es Donnerstag richtig zur Sache am Marktplatz: So viele Möhne wie lange nicht mehr stürmten mit Scheren bewaffnet das Rathaus. Fotos (4): David Young

Düsseldorf. Nicht nur fein gemacht hat sich Düsseldorf in diesem Jahr, auch ausgesprochen bunt präsentierten sich die rund 8000 Narren Donnerstag auf dem Marktplatz, um die Möhne beim Sturm auf das Rathaus zu unterstützen. Bei dieser Übermacht fiel die Gegenwehr von OB Dirk Elbers ungefähr so aus wie die der Schalker Kicker am Abend davor gegen Madrid. „Ich hab heute früh extra nochmal feucht durchgewischt und aufgeräumt, denn heute kommen wichtige Gäste ins Rathaus“, rief Elbers den sturmwilligen Möhnen zu – um sie abzuwimmeln. Doch um 11.11 Uhr brachen alle Dämme und die einzigen wichtigen Gäste im Rathaus waren feiernde Jecken.

Schornsteinfeger-Trupp wird kräftig bebützt

Die Zeiten, in denen viele im Bundeswehr-Parka zum Auftakt der tollen Tage erschienen, sind vorbei. Wer Donnerstag ohne das passende Outfit vor dem Rathaus auflief, der fiel optisch schon aus dem Rahmen. Es sei denn, man macht einfach seine Berufskleidung zum Kostüm. Wie die 16 Schornsteinfeger, die sich schon zum zweiten Mal als Glücksbringer ins närrische Treiben stürzten. „Ein schöneres Kostüm gibt es einfach nicht“, zuckt Felix Flores mit den Schultern.

Und auch beim Bützen ist die Schornsteinfeger-Truppe heiß begehrt – wer knutscht nicht gern mal einen Glücksbringer? Aber auch das lässt sich noch steigern. Denn mit der 19-jährigen Anna–Lena haben die Schornsteinfeger auch eine sehr sympathische Dame in ihren Reihen.

Märchenhaftes Ensemble aus Dreiviertel Hamburg

Jede Menge Mühe haben sich Renate, Christian, Marcus und Eric gegeben. Das Quartett trat als märchenhaftes Ensemble auf: Frosch, Brunnen, Prinzessin und goldene Kugel. Natürlich selbst gebastelt. Dabei kommt nur Marcus aus Düsseldorf. Seine Freunde reisen schon seit sieben Jahren aus Hamburg an, um hier Karneval zu feiern. „Aber wir wollten den Düsseldorfern mal zeigen, wie Kostüme-Basteln geht“, frotzelt Eric mit einem Augenzwinkern. Heute legt die kunterbunte Truppe einen Ruhetag ein. „Da bleiben wir im Bett. Falls uns jemand sucht“, sagt Renate.

Ein Hingucker ist auch die neunköpfige Truppe des Institut Francais, die sich in Landestracht und mit Frankreich-Fahne am Rathaus-Sturm beteiligt. Zum ersten Mal in diesem Jahr. „In Frankreich gibt es ja praktisch keinen Karneval. Nur in Lille wird ein bisschen gefeiert“, sagt Pierre Korzilius, der seinen Mitarbeitern das rheinische Brauchtum näher bringen möchte. Mitgebracht haben sie knusprige Mini-Croissants, die von den Jecken dankbar angenommen wurden. Übrigens nicht irgendwelche Croissants. „Die haben wir extra aus Frankreich kommen lassen“, verrät Pierre Korzilius.

Thomas Geisel ist der bucklige Glöckner von Notre-Dame

In einer ersten Auswertung zog die Verwaltung am frühen Abend eine moderate Bilanz. Demnach gab es bis 15 Uhr nur zwei minderjährige Alkoholleichen, die vom Rettungsdienst der Feuerwehr behandelt werden mussten. Aus der Bilanz des Marien-Krankenhauses erschließt sich eine andere Bewertung: bis 18 Uhr gab es nur dort 22 Alkoholleichen.

Trotz des Glasverbots gab es laut Feuerwehr bis zum Nachmittag 15 Menschen, die mit Schnittverletzungen behandelt werden mussten. Nicht alle davon seien durch Glasscherben verursacht worden.

Insgesamt 26 Menschen mussten an den Unfallhilfestellen behandelt werden. Zwei Bagatellverletzungen waren darunter, 13 mittelschwere Fälle und elf zumeist internistische Notfälle, die einen Arzteinsatz notwendig machten.

Oben im Jan-Wellem-Saal und auf den Fluren tummelten sich wie immer viele Vertreter aus Politik und Verwaltung. Elbers, der als Gourmet im Nadelstreifen-Gehrock unterwegs war, ließ sich 25 Krawatten abschnippeln. Auch seine Gegenkandidaten waren da: SPD-Mann Thomas Geisel gab den Quasimodo aus Hugos Glöckner von Notre-Dame mit Buckel; seine Gattin Vera die schöne Zigeunerin Esmeralda. Miriam Koch trat als grüne Superheldin auf, die die Bäume in der Innenstadt retten muss.

© WhatsBroadcast

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