Die meisten Narren unterstützen die Regelung. Und die Feuerwehr meldet am Nachmittag: keine Schnittwunden.

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Sektchen in den Plastikbecher – Flasche in die Tonne. Am Bolker Stern gab es kaum Probleme bei der Durchsetzung des Verbots.

Sektchen in den Plastikbecher – Flasche in die Tonne. Am Bolker Stern gab es kaum Probleme bei der Durchsetzung des Verbots.

Nick und Philipp öffnen gern ihren Rucksack für OSD-Chef Holger Körber: „Wir haben extra umgefüllt in Plastikflaschen.“

Die Dirndl-Damen aus Dortmund leeren die Sektflasche in Kunststoff-Gläser – und feiern weiter.

Gut vorbereitet: In den Kiosken stapelten sich Dosenbier und PET-Flaschen.

Die Flaschen blieben an der Wallstraße vor der Schleuse stehen.

Den Jecken schmeckt ihr Bierchen auch aus der Dose.

Nanninga, Bernd (bn), Bild 1 von 6

Sektchen in den Plastikbecher – Flasche in die Tonne. Am Bolker Stern gab es kaum Probleme bei der Durchsetzung des Verbots.

Düsseldorf. Oliver Pfeifer leert seine Bierflasche in einen Plastikbecher und wirft sie in den grünen Container am Bolker Stern. „Ich habe tatsächlich nichts vom Glasverbot gewusst“, sagt der 39-Jährige aus Willich. „Aber ich habe kein Problem damit. Bier schmeckt auch aus dem Becher.“

So stressfrei verlief der Auftakt für das Glasverbot am Donnerstag fast überall. „Zu einem hohen Prozentsatz sind die Leute vorbereitet“, sagte Ordnungsdezernent Stephan Keller am Mittag. Und: „Bisher gab es noch an keiner Kontrollstelle Ärger“, ergänzt Ordnungsamtschef Michael Zimmermann.

Woran das liegt, kann sich der „Teufel“ Miles (21) denken: „Ich bin Kölner, wir haben das Verbot seit zwei Jahren und es ist viel besser so. Aber die Becher zum Umschütten gibt’s bei uns nicht, da muss man austrinken oder die Flaschen wegwerfen.“ Bereits am Mittag sind 1.000 Becher am Bolker Stern abgegeben worden. Ordnungsdienstchef Holger Körber ordert Nachschub. 30.000 Becher hat die Stadt auf Vorrat.

Schon die Optik an den 16 Kontrollpunkten ist entspannt. Gitter und Absperrungen gibt es nicht. „Gefilzt wird gar nicht“, sagt OSD-Mitarbeiterin Simone Schütten. „Alles freiwillig. Zum Teil öffnen die Leute aber schon von allein ihre Taschen.“ Das Ziel lautet nicht: null Glas. Aber deutlich weniger Glas. „Super Kontrollen“, grölt prompt eine junge Frau und lacht sich hinter der Absperrung kaputt. „,Hast Du etwas dabei?’, hat der mich nur gefragt und mich durchgewinkt.“ Aber sie ist vorbereitet und hat nur Plastik dabei.

Ganz anders der 18-jährige Konrad Junker, den Holger Körber mit einem Karton Schnapsflaschen erwischt. Kurzerhand kippt der junge Mann im Löwen-Outfit alle Fläschchen in einen Plastikbecher um. „Ich finde das klasse. Es ist sonst echt immer dreckig hier. Auch Dirndlmädchen Jaclyn Plenee (21) aus Dortmund schüttet ihren Sekt bereitwillig um: „Ich möchte ja auch keine Flasche an den Kopf bekommen.“

Kioskbetreiber beschweren sich: Hochprozentiges kauft keiner

Tatsächlich meldet die Feuerwehr am späten Nachmittag: keine einzige Schnittverletzung. Selbst in der Schneider-Wibbel-Gasse und der Bolkerstraße ist bis auf ein paar Schnapspinneken nur zertretenes Plastik zu sehen.

Unglücklich sind nur die Kioskbetreiber. „Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich den doppelten Umsatz“, sagt Eshag Monir vom Büdchen an der Neubrückstraße. Vor allem Hochprozentiges wie Wodka bleibt stehen: „Die Leute wollen nicht, dass ich ihn in Kunststoffflaschen abfülle.“ Den Rettungsdienst wird’s freuen – aber auch so wurden bis 15 Uhr 18 Alkoholleichen verarztet. Darunter fünf Minderjährige.

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