Zum 140-jährigen Bestehen der WZ stellen Künstler in den Verlagsräumen an der Kö aus – so auch Sabine Dusend.

Porträt
Sabine Dusend versucht in ihren Fotos, den analytischen Blick in einen zarten Blick zu verwandeln.

Sabine Dusend versucht in ihren Fotos, den analytischen Blick in einen zarten Blick zu verwandeln.

Melanie Zanin

Sabine Dusend versucht in ihren Fotos, den analytischen Blick in einen zarten Blick zu verwandeln.

Düsseldorf. Ein Fotoapparat ist in erster Linie ein technisches Gerät. Aber Sabine Dusend (Jg. 1985) versucht, ihren Fotos eine gewisse Sensibilität einzuhauchen. Oder genauer: Sie möchte mit ihren Abbildungen realer Gegenstände eine Nähe zum Betrachter aufbauen. Favorisierte sie am Beginn ihres Studiums eine klare, sachliche Nüchternheit im Stil der Bechers, so wurden ihre Aufnahmen im Laufe der vergangenen Jahre zunehmend malerisch und intim.

Das Licht fällt auf den Körper und bewegt sich auf der Haut, die tatsächlich nur die Oberfläche einer Skulptur aus Holz oder Stein ist. Sabine Dusend gehört zu den acht jungen Künstlern, die anlässlich des 140-jährigen Bestehens der WZ in den Verlagsräumen an der Kö ausstellen.

2005 war sie an die Kunstakademie gekommen. Als sie im Jahr darauf zu Thomas Ruff wollte, hatte sich der berühmte Becher-Schüler verabschiedet. Die Fotoklasse wurde von Albrecht Fuchs und Benjamin Katz betreut. Was die Studentin an diesen beiden Fotografen bewunderte, erzählt sie rückblickend: „Katz und Fuchs pflegten einen sehr pragmatischen Umgang mit der Fotografie, im Gegensatz zu Fotokünstlern. Katz hatte seine Kamera immer dabei und benutzte sie quasi als zweites Auge. Da war nichts Verschwurbeltes in der Fotografie.“

Als sie bei Christopher Williams den Akademiebrief erhielt, war sie außer Sebastian Riemer die Einzige, die den Apparat nicht nur reflektierte, sondern auch benutzte. Beide trafen sich nun in der von Katharina Klang von der Sammlung Philara für die WZ konzipierten Ausstellung wieder.

2015 erhielt sie ein Stipendium für Tel Aviv und nahm ihre Kamera immer griffbereit mit. In den Räumen der WZ zeigt sie unter dem Titel „Florentin“, dem Namen eines Stadtteils in Tel Aviv, die Ergebnisse. Es sind unkonventionelle Schaufensterdekorationen, aufgeklebte Frisuren auf der Scheibe eines geschlossenen Frisiersalons oder ein verdrecktes Glas, hinter dem ein Kerzenleuchter wie in staubiges Laub gebettet zu sein scheint.

Folgende Künstler sind an der Ausstellung in den Verlagsräumen der WZ, Kö 27, beteiligt: Videokünstler Felix Contzen, Fotokünstlerin Sabine Dusend, Malerin und Objektkünstlerin Vivian Greven, Fotokünstler Sebastian Riemer, Bildhauer Thorsten Schoth, Installationskünstler Ruben Benjamin Smulczynski, Malerin und Objektgestalterin Katja Tönnissen und Malerin Klara Virnich.

Beeindruckend ist ihre Aufnahme mit silbern schimmernden Alu-Bechern, die zum Teil noch mit Folie samt Preisschild verpackt sind. Dabei gelingt es ihr, das abstrakte Spiel des Lichts mit realen Dingen wie einer defekten Wand oder einer Staub- oder Kunststoffschicht zu kombinieren und die Aufnahme dadurch gleichsam zu erden.

Inspiration durch Tilman Riemenschneider

2016 besuchte sie die Glyptothek in München und stieß auf eine liegende Marmorskulptur, auf die das Museumslicht von oben fiel. Es tastet gleichsam den Körper ab. Die Gestalt erhält dadurch eine enorme Sinnlichkeit. Sabine Dusend machte mehrere Aufnahmen, etwa vor der gläsernen Riffelwand, die das Licht farbig bricht.

Sie zeigte die erhobene, kaputte Hand mit dem angesetzten Arm, über den die Jahrhunderte nicht spurlos vorübergegangen sind. Nahm das Licht in den Abendstunden ab, legte sich das natürliche Licht bläulich an die Ränder des Körpers, denn der Apparat ist genauer als das Auge, das die Situation sofort korrigieren würde. Die Figur interessierte sie aber auch deshalb, weil sie trotz ihrer männlichen Geschlechtsteile sehr feminin wirkte.

„Ich möchte, dass die Figuren belebt sind.“

Sabine Dusend, Fotokünstlerin

Die Skulptur im Übergang von der Spätgotik in die Renaissance hat es ihr angetan. Sie fotografierte mittelalterliche Plastiken und ließ sich von Tilman Riemenschneider inspirieren, dem sie eine ganze Serie gewidmet hat.

Anfangs scheint es, als untersuche sie die Technik des Schnitzens, das Aushöhlen des Holzes, den Dialog zwischen dem Innenraum und der äußeren Haut. Doch nach derlei Untersuchungen zur Dreidimensionalität von Skulpturen fand sie eine poetische Bildsprache. Sie ist nicht betulich, nicht aufgesetzt, nicht wohlkalkuliert, sondern sie kommt wie selbstverständlich daher.

Das Licht fällt auf den Körper einer Skulptur, bewegt sich auf der Oberfläche, wirkt geradezu intim und gleicht einer zärtlichen Analyse. „Ich möchte, dass die Figuren belebt sind,“ sagt sie. Diese Beseeltheit führt unweigerlich zur Intimität.

» Sabine Dusend nimmt am Photo-Weekend bei Philara (Birkenstraße 47) mit der Meisterschülerin von Andreas Gursky, Alex Grein, teil. Eröffnung heute (bis zum 28. Februar)

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