Künstler
Ruben Benjamin Smulczynsky verwandelt Stoffe mithilfe diverser Druckverfahren zu Raumteilern.

Ruben Benjamin Smulczynsky verwandelt Stoffe mithilfe diverser Druckverfahren zu Raumteilern.

Zanin, Melanie (MZ)

Ruben Benjamin Smulczynsky verwandelt Stoffe mithilfe diverser Druckverfahren zu Raumteilern.

Düsseldorf. In der WZ-Garderobe der Lokalredaktion hängt auf einem Bügel ein weißes Etwas. Es sieht merkwürdig aus, wie ein abgestreiftes Stück Haut. Wie ein Ding, das auf ein anderes verweist. Bei näherer Betrachtung erkennt man die Silhouette eines ausgeschnittenen Sweatshirts. Es besteht nur aus Kragen, Stulpen und Borten. Das gesamte Innenleben, das den Körper wärmen soll und das in der Regel mit diversen Aufdrucken versehen ist, fehlt. Es ist das Werk von Ruben Benjamin Smulczynski, Meisterschüler von Katharina Grosse an der Kunstakademie Düsseldorf.

Ruben, wie ihn die Freunde nennen, kommt von der Malerei. Er hat sich mit den alten Meistern beschäftigt, mit Größen wie Botticelli und Caravaggio. Diese Künstler lieben „unheimlich viel Stoff“, wie er sagt, „der viel verdeckt und der viel Raum einnimmt.“ Seine Abschlussarbeit im hohen Klassenraum mit dem wunderbaren Licht am Eiskellerberg war eine Hommage an die alten Meister, allerdings mit modernen Mitteln. Von der Decke hingen durchlässige, rote Chiffonstoffe, zwei Lagen hintereinander. Sie griffen das Licht auf, das durch die Fenster strahlte.

Gleichzeitig projizierte er das Bildnis einer Frau als Rückenansicht, die sich permanent ihr langes Haar streicht. Ein Loop. Das wehende Haar kommunizierte mit dem wehenden Stoff und bildete eine sehr malerische Einheit. Später wiederholte er die Chiffon-Installation, allerdings ohne Video und ohne natürliches Licht. Der Stoff bewegte sich mit der Bewegung der Betrachter. Und hinter dem Stoff stand eine Porzellanfigur, die statisch einfach da stand. Textilien sind Rubens wichtigste Ausdrucksmittel. Einerseits entkernt er die Kleidungsstücke auch weiterhin, andererseits entdeckt er ihre grafischen Momente.

Die Boxershorts reduzierte er so weit, dass nur die Steppnähte und Borten der Ränder übrig bleiben. Aus einer Unterhose wird auf diese Weise ein Hosen-Skelett, zu dem sich der Betrachter den Körper hinzu denken muss. Anstatt zu verhüllen und den Körper unter der zweiten Haut verschwinden zu lassen, markiert Ruben ein offengelegtes Konstrukt. Und wieder ist es so, als persifliere er die Dinge, die er zeigt.

Wirkt die Hose nicht plötzlich wie ein Konzept, ein grafisches Element, eine Persiflage auf die Wirklichkeit? Ist nur das Firmenlogo „Intimissimi“ wirklich? Fast komisch, wie ein Cartoon, fast wie ein Gesicht sieht das minimale Ganze aus. Wäre da nicht das graue Schwänzchen, der Rest des Stoffes. Und plötzlich wirkt das völlig unerotische Objekt geradezu sinnlich. Oder ist es der Betrachter, der sich die prosaische Funktionalität der Rest-Hose mit seiner Fantasie füllt? Auf langen Stoffbahnen imitiert Ruben mit Sprühfarbe die Falten und Knicke.

Folgende Künstler sind an der Ausstellung in den Verlagsräumen der WZ, Kö 27, beteiligt: Videokünstler Felix Contzen, Fotokünstlerin Sabine Dusend, Malerin und Objektkünstlerin Vivian Greven, Fotokünstler Sebastian Riemer, Bildhauer Thorsten Schoth, Installationskünstler Ruben Benjamin Smulczynski, Malerin und Objektgestalterin Katja Tönnissen und Malerin Klara Virnich.

Daraus entwickelte er eine ortsspezifische Arbeit für die Räume der WZ. Abermals arbeitet er mit dem Wegnehmen. Diesmal hat er Chiffon mitsamt Falten auf grobes Nesseltuch gelegt und besprüht. Was durch den Chiffon an Farbe hindurch fällt, landet auf dem Nessel. An den durchsichtigen Stellen entstehen gleichsam Gucklöcher Von diesem „Durchdruck“, wie er es nennt, hat er Fotos gemacht, vergrößert und auf die Glasscheiben im Flur geklebt.

Die Scheiben werden jetzt verriegelt. Aber an den weißen, durchsichtigen Stellen entstehen gleichsam Gucklöcher, durch die der Betrachter bis auf die Königsallee schauen kann, auf ein bewegtes Bild mit Passanten also. Der Familienname Smulczynski des jungen Künstlers ist fast unaussprechlich, deshalb die Kurzform Ruben. Der 27-jährige Meisterschüler wohnt in der dritten Generation in Deutschland. Die Vorfahren kommen aus Polen. Ursprünglich hatte er zwei Semester bei dem Konzeptkünstler Martin Gostner studiert.

Dann ließ er sich bei Katharina Grosse gleichsam auf den Kopf stellen. Seine Professorin liebt das raumgreifende Szenarium. Bei ihr konnte er viel am Modell arbeiten. Jede Ausstellung der Klasse wurde kuratorisch durchgearbeitet. So wurde Ruben automatisch sowohl zum Künstler wie zum Ausstellungsorganisator. Auch die Ausstellung in der WZ hat er organisiert, gehängt, aufgebaut, in Zusammenarbeit mit Bronners Museumsdirektorin Katharina Klang.

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