Zum 140-jährigen Bestehen der WZ stellen junge Künstler in den Verlagsräumen an der Kö aus – so wie Katja Tönnissen.

Porträt
Katja Tönnissen entwarf zwei Lampen, bei der Farbwahl ließ sie sich vom Sonnenuntergang in Tel Aviv inspirieren.

Katja Tönnissen entwarf zwei Lampen, bei der Farbwahl ließ sie sich vom Sonnenuntergang in Tel Aviv inspirieren.

Melanie Zanin

Katja Tönnissen entwarf zwei Lampen, bei der Farbwahl ließ sie sich vom Sonnenuntergang in Tel Aviv inspirieren.

Düsseldorf. In Girardet-Haus an der Königsallee 27 zeigen junge Meisterschüler der Düsseldorfer Kunstakademie ihre Arbeiten. Die Schau kam durch die Unterstützung der Sammlung Philara zustande. Bevor die Leser die Werke bei Führungen selbst in Augenschein nehmen können, stellen wir die Künstler in einer Porträt-Serie vor. Diesmal geht es um Katja Tönnissen, die 1982 in Kleve geboren wurde und heute in Düsseldorf lebt.

2015 hatte sie ein Stipendium der Kunststiftung NRW und der Bronner Residency und wohnte in Tel Aviv. Ihr Atelier lag unweit vom Meer. Fünf Minuten waren es mit dem Fahrrad zum Wasser. Jeden Abend fuhr sie zum Strand, schaute in den Himmel, und wartete auf den Sonnenuntergang. Das Phänomen der Farben beim Lauf der Sonne über dem Wasser und ihr allmähliches Verschwinden unter dem Horizont faszinieren sie noch heute.

Das Farbenspiel im Abendrot lässt sich nicht auf dem Zeichenblock skizzieren oder mit dem Handy fotografieren. Zu grob ist die digitale Aufnahme, und zu schnell verschwinden die Farbtöne, die durch den Prismeneffekt bei klaren Sichtbedingungen aufblitzen. Man muss sie analysieren, studieren und in steter Erinnerung behalten. Nun bringt die Künstlerin dieses beeindruckende Landschafts-Szenarium am Abendhimmel in die WZ-Redaktion, indem zwei Stehlampen mit ihrem Licht und ihren Farben die Räume verändern.

Katja Tönnissen hatte sich viel Zeit in ihrer Entwicklung gelassen. 2002 begann sie mit einem Grafikstudium in Arnheim. 2004 startete sie ihre Ausbildung mit Sport und Kunst an der Technischen Universität Dortmund und absolvierte das erste Staatsexamen für das Lehramt. Erst 2009 entschied sie sich für die freie Kunst, kam nach Düsseldorf, wurde Meisterschülerin von Andreas Schulze und erhielt 2014 ein Stipendium für die „Fabrik“ in Eindhoven und 2015 für Tel Aviv.

Die Farbe stand in den letzten Jahren im Vordergrund. Vor allem die Farbverläufe interessierten sie. Rupprecht Geiger, der große Altmeister der Moderne, zeitweilig auch Professor in Düsseldorf, wurde ihr Vorbild. Wie er wollte sie die Übergänge in den Farben entwickeln. Ihr Kolorismus ist jedoch lieblicher, charmanter, wärmer, weniger bestimmend im Vergleich zu dem von Geiger. Es sind schöne Farben, die eine Idylle suggerieren.

Folgende Künstler sind an der Ausstellung in den Verlagsräumen der WZ, Kö 27, beteiligt: Videokünstler Felix Contzen, Fotokünstlerin Sabine Dusend, Malerin und Objektkünstlerin Vivian Greven, Fotokünstler Sebastian Riemer, Bildhauer Thorsten Schoth, Installationskünstler Ruben Benjamin Smulczynski, Malerin und Objektgestalterin Katja Tönnissen und Malerin Klara Virnich.

Folgende Termine sind für die Leserführungen zur Serie „Junge Künstler bei der WZ“ geplant: Donnerstag, 19. Januar,  und Dienstag, 7. Februar. Beginn ist jeweils um 17 Uhr. Die Führungen mit Katharina Klang (Direktion Sammlung Philara) dauern etwa eine Stunde.

Anmeldung bitte per Telefon unter 0211-8382-2366 (werktags von 10 bis 14 Uhr).

Inzwischen weiß Katja Tönnissen längst, wie man mit der Spraydose umgeht und Überlagerungen ohne Kontraste findet. Sie schneidet sich die Leinwand mitsamt den Rundungen zurecht, die sie für den Lampenschirm braucht. Dann beginnt das Sprühen aus der Dose. Sechs unterschiedliche Töne können in einem Farbverlauf liegen. Bruchlos geht es vom Gelb in die rote Palette. Und nun plötzlich scheint es, als strahle die Sonne aus Tel Aviv über einem nüchternen, zweckdienlichen Empfangsraum.

Noch als Studentin fing sie zugleich mit der Keramik an und arbeitete am großen Brennofen in der Werkstatt der Akademie. Es entstanden Werke, die nie nur zweckfrei, sondern immer zugleich nützlich sind. Als sie 2015 ihren Abschluss machte, schuf sie einen Flamingo zunächst aus Ton und dann aus Bronze, den sich ein Sammler in sein Kakteenfeld stellte. Ein Landschaftsarchitekt gab ihr ein Blatt, das sie in Wachs verarbeitete, in Bronze abgoss und das nun als ein Naturabguss an sein Vorbild in der Natur erinnert.

Auf ihre Brunnen kam sie während eines Urlaubs auf den Azoren. Sie dienen bei ihr nicht zur Wassergewinnung, sondern zur Zierde. Je nach der Größe einer Umwälzpumpe, lassen sich ihre bunten, zerbeulten oder zerknautschten Keramik-Objekte mit dem hochgezogenen Rand sogar auf einem Beistelltisch im Wohnzimmer unterbringen.

Ursprünglich wollte sie einen Champagner-Brunnen schaffen, verwarf die Idee dann aber, weil Wasser einfach preiswerter ist als der hochwertige Sekt. Aber immerhin haben die Füße ihrer Lampenschirme eine Congac-Glasur und gehen in ein Ginger-Gelb über, bevor sie in den vermeintlichen Sonnenuntergang überführt werden.

Fest steht jedoch, dass diese Objekte eine Aura ausstrahlen, die selbst ein Büro verwandeln kann. Dabei spielt der Ständer eine besondere Rolle. Er suggeriert die Verholzung eines Palmenstamms. Da sie in ihrem Atelier jedoch nur noch einen kleinen Brennofen hat, stapelt sie die farbig variierenden Stamm-Teile übereinander und stuft dabei zugleich die gelben, braunen oder gar grünen Farbtöne ab. Fast so schön ist das wie das Abendrot in der weiten Ferne.

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