Zum 140-jährigen Bestehen der WZ zeigen Künstler ihre Werke in den umgestalteten Verlagsräumen an der Kö. Wir starten unsere Serie mit Felix Contzen.

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Felix Contzen mit seinem abstürzenden Vogel in der Ausstellung der WZ-Redaktion an der Königsallee 27.

Felix Contzen mit seinem abstürzenden Vogel in der Ausstellung der WZ-Redaktion an der Königsallee 27.

Zanin Melanie (MZ)

Felix Contzen mit seinem abstürzenden Vogel in der Ausstellung der WZ-Redaktion an der Königsallee 27.

Düsseldorf. „Don’t let go“ heißt sein Video. Ein schwarzer Vogel taucht am Himmel auf. Er hält seine Flügel, ohne zu schlagen. Wir sehen keinen Auftrieb durch Luft und Wind, sondern nur das Dahingleiten des stromlinienförmigen Körpers. Er scheint von unsichtbaren Mächten getragen zu werden. Beim Landen drehen sich die Flügel und spreizen sich die Schwanzfedern. Mit dem Wissen, dass ein Vogel in der Luft etwas Romantisches ist, schauen wir das Video an und sind beglückt. Bis wir merken, dass die Krallen herunterhängen und der Körper in den Bewegungen taumelt. Beim Betrachten des Videos stellt sich leichtes Entsetzen ein.

Nun irritiert das starre Tier, das da ankommt, abstürzt und wieder aufsteigt. Felix Contzen erzählt, wie es zum Ausgangsmaterial kam: „Meine Freundin und ich sind nach Paris gefahren und haben auf der Autobahn immer wieder angehalten, die Warnleuchten angeschaltet und tote Vögel eingesammelt. Der Kofferraum war hinterher voller toter Tiere.“

Der junge Künstler hat sich im Internet die Fallbewegungen angeschaut. Dann legte er das jeweilige Tier auf eine Schippe, um genau werfen zu können, und schnellte es tatsächlich in die Luft. Es war immer eine Flugbahn pro Vogel. Der Film zeigt keinen Loop.

Emile Schlesser, Kameramann aus Luxemburg, filmte. Zunächst begleitet die Kamera den Vogel, der ein kurzes Stück geradeaus fliegt, wie ein Wurfgeschoss gleichsam, und dann unendlich langsam fällt. Felix Contzen erklärt: „Wir haben wie üblich 60 Bilder pro Sekunde aufgenommen, aber dann das Tempo auf 25 pro Sekunde reduziert und noch Zeitlupeneffekte hinzugenommen. So wirken die Flüge langsamer, als sie tatsächlich sind. Es sind verschiedene Würfe mit verschiedenen Vögeln in Zeitlupe.“

Es ist also keine Animation, sondern ein realer Film, mit realen, aber toten Tieren. Aufgenommen im neutralen Himmel. Wenn der Film trotzdem schwarz-weiß erscheint, so liegt dies darin, dass er im Gegenlicht entstand. Dann wirkt selbst ein farbiger Film, als gäbe es keine Farben. Und im hellen Grau gibt es keinen Schlagschatten.

Folgende Künstler sind an der Ausstellung in den Verlagsräumen der WZ, Kö 27, beteiligt: Videokünstler Felix Contzen, Fotokünstlerin Sabine Dusend, Malerin und Objektkünstlerin Vivian Greven, Fotokünstler Sebastian Riemer, Bildhauer Thorsten Schoth, Installationskünstler Ruben Benjamin Smulczynski, Malerin und Objektgestalterin Katja Tönnissen und Malerin Klara Virnich.

Folgende Termine sind für die Leserführungen zur Serie „Junge Künstler bei der WZ“ geplant: Donnerstag, 19. Januar, und Dienstag, 7. Februar. Beginn ist jeweils um 17 Uhr. Die Führungen mit Katharina Klang (Direktion Sammlung Philara) dauern etwa eine Stunde.

Anmeldung bitte per Telefon unter 0211-8382-2366 (werktags von 10 bis 14 Uhr).

Contzen interpretiert sein Tun mit den Worten: „Der Film ist eine Metapher für den Tod, den wir akzeptieren müssen. Der Tod ist so natürlich wie das Leben. Man sollte keine Scheu davor haben.“

Der Künstler startete seine Karriere als Elektroinstallateur und Zivildienstleistender. 2007 fing er an der Kunsthochschule für Medien in Köln an, machte das Vordiplom bei Jürgen Klauke und das Diplom bei Beate Güstrow. „Einen Kollaps durchbrechen, Beim Scheitern gewinnen“ nannte er seine Film-Streifen für das Diplom 2012. In vier kurzen Loops läuft der Künstler ins Wasser oder ins nirgendwo, verschwindet von der Bildoberfläche oder gräbt sich in den Sand. All dies sind Metaphern für eine Reise ins Nichts.

2012 stieß er in die Klasse von Marcel Odenbach an der Düsseldorfer Kunstakademie. Nach dem Abschluss entstand 2015 „Der Wald über mir“. Der Betrachter sieht ein Foto mit angeschwemmten Ästen im Wald. Blickt er etwas länger auf die Aufnahme, entdeckt er in der Bildmitte eine leichte Bewegung der Äste. Unter diesen Ästen liegt der Künstler begraben und atmet. Sein Kommentar: „Da die Erde luftdurchlässig ist, kann man unter 30 Zentimeter Erde und Ästen noch atmen.“

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