Schauspieler Daniel Graf hat kurz vor der Wende in der DDR wahre Helden getroffen. Mit seiner Tochter liebt er die Langstrumpf-Welt.

Daniel Graf im Foyer des Kom(m)ödchens: Seinen neuen Arbeitsplatz bezeichnet der Schauspieler als „Lottogewinn“.
Daniel Graf im Foyer des Kom(m)ödchens: Seinen neuen Arbeitsplatz bezeichnet der Schauspieler als „Lottogewinn“.

Daniel Graf im Foyer des Kom(m)ödchens: Seinen neuen Arbeitsplatz bezeichnet der Schauspieler als „Lottogewinn“.

Pippi Langstrumpf ist für Daniel Graf eine Heldin. Er schätzt ihre Achtung, die sie vor allen Menschen hat.

Das neue Kom(m)ödchen-Ensemble mit „Deutschland gucken“: Martin Maier-Bode (v. l.), Daniel Graf, Maike Kühl und Heido Seidel.

David Young, Bild 1 von 3

Daniel Graf im Foyer des Kom(m)ödchens: Seinen neuen Arbeitsplatz bezeichnet der Schauspieler als „Lottogewinn“.

Düssseldorf. Daniel Graf strahlt. Sein neuer Arbeitsplatz ist ein Lottogewinn, sagt er und schwärmt von Kollegen, Publikum und dem Haus. Seit der Premiere im Oktober letzten Jahres steht der 1971 in Gotha geborene Schauspieler an vielen Abenden im Monat im Kom(m)ödchen als Schluffi Lutz auf der Bühne. Ein verhinderter Student, der mit seinen beiden Freunden einen gemütlichen Fußballabend vor dem Fernseher genießen will. Doch ihnen funkt eine Frau dazwischen und bringt die Männer dazu, sich über sich, Deutschland und die Welt auszulassen.

Kabarett statt klassisches Schauspiel – für Graf nach 18 Jahren in festen Theaterensembles ein wichtiger und richtiger Schritt: Ehrlich und direkt sei diese Arbeit und nicht so hochtrabend und schwierig verpackt wie so manche Inszenierung an den Schauspielhäusern. Ist dieser Lutz für ihn ein Held des Alltags? „Wohl eher ein Antiheld, der es pflegt, dagegen zu sein.“

Diese Typen sind es, die Graf auch als Rollen interessiert haben. In Heidelberg hat er vier Jahre lang den Elling gespielt, einen hochängstlichen Menschen, der über alle inneren Hürden hinweg zurück ins Leben findet. Oder Kafka in Weimar. Seine Helden sind krude und komische Figuren, Graf sucht das Tragische im Komischen, das Komische im Tragischen. „Das ist die Bandbreite, die das Leben ausmacht.“

Er hat auch die klassischen Helden der Theaterliteratur verkörpert, in Düsseldorf Don Carlos, den Hamlet in Heidelberg. Das war ihm wichtig, nachdem er in Leipzig Schauspiel studiert und mit Auszeichnung abgeschlossen hatte. Nachdem Staffan Holm das Düsseldorfer Schauspielhaus 2011 als Intendant übernahm, ist Graf ausgestiegen. Er hat sich als Kommunikationstrainer selbstständig gemacht, mit seiner Frau ein Haus in Korschenbroich gekauft. Er wollte Zeit haben für seine Kinder, für die heute fünfjährige Paula und den einjährigen Max.

Beim Vorlesen mit der Tochter ist der Schauspieler auf eine wahre Heldin der Weltliteratur gestoßen: Pippi Langstrumpf. „Sie ist grandios, weil sie gegen alle Konventionen verstöß. Ihr gefällt das Leben gefällt, wie es ist, und sie hat große Achtung vor den Menschen.“ Graf schwärmt von Pippi wie von Paula, die sich ebenso stark fühle wie das Mädchen bei Astrid -Lindgren.

Daniel Graf wurde 1971 in Gotha geboren. In Leipzig hat er Schauspiel studiert und hatte feste Engagements in Weimar und Heidelberg. Von 2006 bis 2011 gehörte er zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses. Graf arbeitet zudem als selbstständiger Kommunikationstrainer. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Korschenbroich. www.kom(m)oedchen.de

Erinnert er sich an seine eigene Kindheit, dann fallen ihm die ideologischen Vorbilder ein, die im Bildungssystem der DDR zur geistigen Erbauung dienen sollten. „Der kleine Trompeter“ etwa, ein Lied zu Ehren des kommunistischen Helden Fritz Weinecks, das wohl jeder Pionier lernen und vortragen musste. Als liberal bezeichnet Graf sein Elternhaus, die Mutter Buchhändlerin, der Vater Bauingenieur. „Als er zur NVA musste, hat er mir das Buch von Ferdinand, dem Stier geschenkt.“

Den habe nichts mehr interessiert als die Rosen auf seiner Wiese. Erst als ihn eine Biene in den Po stach, und Ferdinand wie wild umhersprang, führte man ihn in die Arena, erzählt Graf gekonnt. „Doch statt auf den Torero loszugehen, interessierte sich das Tier nur für die Blumen, die die jubelnde Menge in die Manege warf. Man transportierte den Stier ab – zurück auf seine Wiese.“

Mit Figuren wie den Comic-Superhelden hatte er in der DDR keinen Kontakt. „Ich hätte mich nie mit denen identifiziert“, sagt Graf. In der Klasse sei er immer der Kleinste gewesen. Der Kleinste, der sich eine große Klappe zulegte und schneller und mehr redete als die anderen. Dabei kommt Graf so gar nicht großmäulig daher, sondern freundlich und verbindlich. Und mit einem Gespür fürs Wichtige, wenn er sagt: „Reale Helden habe ich mit 18 getroffen – als die Wende kam. Menschen, die Flugblätter verteilt und demonstriert haben.“

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