Stadt und Deloitte legen Grand Départ-Bilanz vor: Das Defizit liegt bei 7,8 Millionen Euro. OB Geisel spricht von "gut investiertem Geld".

Tour de France in Düsseldorf
Oberbürgermeister Thomas Geisel beim Grand Départ Düsseldorf 2017.

Oberbürgermeister Thomas Geisel beim Grand Départ Düsseldorf 2017.

Daniel Karmann

Oberbürgermeister Thomas Geisel beim Grand Départ Düsseldorf 2017.

Düsseldorf. Einnahmen: 8 Millionen; Ausgaben: 15,8 Millionen; Minus für die Stadt: 7,8 Millionen Euro. Die am Mittwoch von Oberbürgermeister Thomas Geisel vorgestellte „vorläufige Endabrechnung“ zum Tour-de-France-Start Anfang Juli entspricht ziemlich genau den Zahlen, die unsere Zeitung bereits vor zwei Wochen veröffentlichte. Und sie deckt sich fast genau mit der Kalkulation, die der Stadtrat schon im Oktober 2015 absegnete. Damals hatte man zwar mit viel geringeren Kosten, aber auch mit weniger Einnahmen aus Sponsorengeldern gerechnet.

Geisel verschwieg dennoch nicht, dass man zuletzt ein deutlich geringeres Defizit von fünf Millionen Euro unterm Strich erwartet hatte. Vor allem zwei Ursachen habe das „größere Delta“: Mehraufwendungen für die Sicherheit an der Strecke von 2,3 Millionen Euro; weniger Einnahmen aus dem Verkauf von VIP-Plätzen (- 1,4 Mio.). „Da haben wir uns massiv verkalkuliert“, räumte der OB ein. Zum einen hätten mehrere Unternehmen eigene Partys mit ihren Kunden an der Strecke gefeiert etwa an der Cecilienallee); zum anderen sei es heutzutage schwierig, Stichwort: Compliance, Kunden mit VIP-Paketen zu umgarnen. Außerdem hätte die Stadt viel mehr Merchandising-Artikel absetzen können – die vorhandenen waren bereits am Samstag ausverkauft.
Andererseits seien Netto-Kosten von 7,8 Millionen angesichts von 1,2 Millionen Besuchern vor Ort mit 6,50 pro Kopf „sehr gut investiertes Geld“. Da habe die Stadt schon viel mehr für Events ausgegeben, die längst nicht so unvergessen seien wie der Grand Départ.

74 Prozent der Zuschauer an der Strecke waren nicht aus Düsseldorf

Insgesamt ist Geisel ohnehin noch mächtig stolz darauf, wie gut der Grand Départ am Rhein ablief und bei den Besuchern ankam: „Das ist mir das wichtigste, denn so war es eine große Sympathiewerbung für unsere Stadt.“
Härtere Fakten und Zahlen zu den Auswirkungen der Tour de France sollte eine – von der Stadt für 35 000 Euro bestellte – Analyse der Wirtschaftsberater von Deloitte liefern. Die basiert auf einer Befragung von 1000 Zuschauern an der Strecke an beiden Etappentagen.
Zuschauer: 74 Prozent der Besucher kamen laut Deloitte nicht aus Düsseldorf. Die meisten Auswärtigen kamen aus dem übrigen Deutschland (49 %), gefolgt von Frankreich (13 %) und Holland. 60 Prozent der Befragten waren nur wegen des Grand Départ in Düsseldorf, 42 % erstmals in der Stadt.

Ökonomische Effekte: Laut Befragung haben die Tour-Besucher in Düsseldorf insgesamt 63,8 Millionen Euro in Hotels (3,2 Mio.), Gastronomie und Geschäften (60,6 Mio.) ausgegeben.

Steuereffekt: Erhofft hatte sich die Stadt zusätzliche Einnahmen bei Umsatz- und gewerbesteuer von 1,9, heraus kamen 1,4 Millionen Euro. Das Minus resultiere daraus, dass der 2. Juli doch kein verkaufsoffener Sonntag war.

Abzuwarten bleibt, ob das Rad-Spektakel Düsseldorf bekannter und für Touristen attraktiver gemacht hat, damit die Stadt nachhaltig profitiert. Frank Schrader, der Chef der Marketing- und Tourismustochter der Stadt ist davon natürlich überzeugt: „Menschen weltweit verbinden nun dank des Grand Départ konkrete und positive Bilder mit der Stadt. Genau daran hat es bislang gemangelt.“

Die FDP, die von Anfang an gegen den Tour-Auftakt war, glaubt das alles natürlich nicht. Die Bilanz sei „eine Mogelpackung mit geschönten Zahlen“: „Unsere Befürchtungen haben sich bestätigt. Diese Tour war viel zu teuer und nicht nachhaltig“, meint Ratsfrau Monika Lehmhaus.

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