Die große Begeisterung beeindruckt die deutschen Fahrer, die den Heimvorteil sogar letztlich noch in Lüttich nutzen können. Düsseldorfer Clubs sind auch im Tourfieber.

Radsport
Belohnung für ein tolles Rennen mit vielen Gänsehautmomenten für Marcel Kittel: Seine Freundin Tess von Piekartz freut sich mit dem Sieger der zweiten Etappe.

Belohnung für ein tolles Rennen mit vielen Gänsehautmomenten für Marcel Kittel: Seine Freundin Tess von Piekartz freut sich mit dem Sieger der zweiten Etappe.

Auch bei der Tour dabei: Borussias Manager Andreas Preuß und die beiden DEG-Spieler Eddi Lewandowski (Mitte) und Alexander Barta testeten die Strecke vorab.

dpa, Bild 1 von 2

Belohnung für ein tolles Rennen mit vielen Gänsehautmomenten für Marcel Kittel: Seine Freundin Tess von Piekartz freut sich mit dem Sieger der zweiten Etappe.

Düsseldorf. Besser konnte das deutsche Wochenende der Tour de France nicht enden: Mit Tränen des Siegers Marcel Kittel, der auf der Zielgeraden in Lüttich alle Kontrahenten mit einem mächtigen Sprint hinter sich ließ. Der deutsche Radprofi war einer der Protagonisten, der auf dieser zweiten Etappe vom Straßenrand bereits in Düsseldorf und näherer Umgebung immer wieder namentlich angefeuert wurde. „Düsseldorf, danke für den geilen Auftakt“, hatte der 29-Jährige bereits am Samstagabend getwittert. „Der Radsport hat die härtesten Fans. Ihr feuert uns sogar im Regen so an, als würde die Sonne scheinen.“ Und für ihn schien die Sonne in Lüttich mehr als hell, obwohl ihn unterwegs noch zwischen Mettmann und Düsseldorf ein Reifenschaden aufgehalten hatte und er einen kleinen Rückstand aufs Feld aufholen musste.

Zur Belohnung durfte er das Grüne Trikot des besten Sprinters überstreifen und es am Sonntag tragen. „Mir fehlen fast die Worte, die Begeisterung der vielen 100 000 Fans an der Strecke war für mich der Antrieb. Und schon da musste ich mir immer wieder eine Träne verdrücken, weil die Fans uns so unterstützt haben“, sagte der Sieger der zweiten Etappe.

Enttäuschung bei Tony Martin war nach Platz vier im Zeitfahren groß

Auch die anderen deutschen Stars waren dankbar über den großartigen Auftakt am Samstag und die ungeheuer große Begeisterung am Sonntag an der ganzen Strecke in Düsseldorf und Umgebung. André Greipel, der am Sonntag in Lüttich Dritter im Sprint wurde, zeigte seine Begeisterung über die Anfeuerung am Straßenrand. Und er hatte mit seiner Aufforderung dazu beigetragen: „Es gibt kein schlechtes Wetter in Düsseldorf. Komm, auf Düsseldorf, die Tour de France ist da, das größte Sportereignis im Jahr 2017“, schrieb der 34-Jährige.

Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin hatte (fast) alles auf die Karte Düsseldorf gesetzt. Er musste aber den Traum vom Maillot Jaune vor heimischem Publikum begraben. „Die Enttäuschung ist unendlich groß“, sagte er nach Platz vier im Zeitfahren. „Ich hatte die klare Zielstellung zu gewinnen. Es ist sehr schade für mich, ich habe gesagt, dass es eine einmalige Chance ist, in Deutschland in Gelb zu fahren.“ Die Straßen, auf denen das Zeitfahren ausgetragen wurde, waren vom Regen sehr seifig und damit rutschig. Doch das war für Martin keine Ausrede wert. „Nein, ich hätte eigentlich auf den letzten Kilometern, die schnurstracks am Rhein vorbeiführten, meine technischen Fähigkeiten ausspielen müssen“, sagte der 32-Jährige. „Ich habe auf den ersten Metern zu viele Körner gelassen und hatte hinten raus keine Kraft mehr.“ Auch das wurde von Marcel Kittel in sehr kollegialer Weise kommentiert: „Tony hat zwar kein Gelb, aber die Herzen der Radsportfans erobert.“ Und an der Strecke und im Zielbereich wurde Martin dennoch überschwänglich gefeiert.

Die Düsseldorfer Vereine waren an diesem Tour-Wochenende auch sehr aktiv. Die Düsseldorfer EG schickte in Eddi Lewandowski und Alexander Barta zwei Eishockey-Profis ins Prominentenrennen, das auf der Zeitfahrstrecke absolviert wurde. Auch Andreas Preuß, der Manager von Borussia Düsseldorf ließ es sich nicht nehmen, an diesem Rennen auf der Originalstrecke teilzunehmen. Die Teilnehmer dieses Rennens störten sich ebenfalls nicht an den Regentropfen, die allerdings erst im „richtigen Zeitfahren“ der Radprofis dann deutlich dichter fielen.

Die Fortuna hatte ihre Profis zwar ins Trainingslager geschickt. Aber in Gedanken waren Oliver Fink („Ausgerechnet an diesem besonderen Wochenende sind wir nicht in Düsseldorf“) und beispielsweise Lukas Schmitz („Ich wäre gerne dabei gewesen“) an der Strecke.

Der Verein hatte extra einen Stand in Betrieb, an dem unter anderem ein Radsport-Trikot verkauft wurde, das mit den roten Fortuna-Wappen als gepunktetes Trikot durchgehen konnte. Darüber hinaus betrieb die Fortuna gemeinsam mit dem Düsseldorfer Hockeyclub eine Aktivfläche zwischen Rheinturm und Apolloplatz mit einem Dribbelparcours und einem Z-Pass-Modul, bei dem der Spieler mit aufblinkenden Flächen Doppelpass spielen musste. Fortuna hatte auch an der Strecke eine eigene „Fankurve“. Diese befand sich am Standort Ernst-Poensgen-Allee, Ecke Graf-Recke-Straße.

Eine glänzende Idee hatte auch der Ruderclub Germania. Im Rahmen des Auftakt-Zeitfahrens ging ein Achter in gelben Trikots nahe der Radstrecke entlang des Rheins auf das Wasser. Es bot sich ein toller Anblick auf den Rhein bei der eh schon besonderen Stimmung mitten in Düsseldorf. Der Blick richtete sich zwar auf die rasend schnellen Tour-Fahrer, doch schön war auch der Anblick auf die Achter in verschiedenen Trikotfarben.

Steuermann Jörg Kreuels aus dem RC-Vorstand lenkte seine Ruderinnen und Ruderer sicher über das Wasser und war begeistert von der Atmosphäre, die auch auf den Rhein überschwappte. Vorsitzende Melanie Lack freute sich zusammen mit ihrem Team über die gelungene Aktion: „Da war richtig was los in der Stadt. Und mit den Achtern war das schon auch ein cooles Bild.“

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