Die Fernsehkommentatoren sparten nicht mit Superlativen: Der Grand Départ sei „sensationelle Werbung“ für die Stadt. Einzige Haken: Verregnete Bilder und maue Quoten.

Die Fernsehkommentatoren sparten nicht mit Superlativen: Der Grand Départ sei „sensationelle Werbung“ für die Stadt. Einzige Haken: Verregnete Bilder und maue Quoten.
Während der Übertragung gab es viele Impressionen aus der Landeshauptstadt zu sehen – leider eher grau und verregnet.

Während der Übertragung gab es viele Impressionen aus der Landeshauptstadt zu sehen – leider eher grau und verregnet.

dpa

Während der Übertragung gab es viele Impressionen aus der Landeshauptstadt zu sehen – leider eher grau und verregnet.

Düsseldorf. Mit dem Grand Départ wollte sich Düsseldorf auch den deutschen Fernsehzuschauern als lebenswerte Metropole präsentieren. Gelegenheit dazu gab es am Wochenende genug: Über vier Stunden dauerten am Samstag und Sonntag die Live-Übertragungen in ARD und diversen Regional- und Spartenprogrammen.

„Unglaublich“, „Riesenspektakel“, „einmaliges Festival“: Die TV-Kommentatoren sparten nicht mit Lobhudeleien und Superlativen für die Landeshauptstadt. Machte das Wetter leider auch nicht besser. Die vielen Aufnahmen aus der Vogelperspektive, inklusive Regentropfen auf dem Objektiv, machten nicht so richtig Lust auf einen Abstecher nach Düsseldorf.

Kommentator Florian Naß (ausgerechnet!): „Wir haben uns so viele schöne Bilder im Kopf zurechtgelegt, die nach Sommer und Sonne aussahen, und jetzt ist Regen“. Trotzdem sei das Radsportevent sehr willkommen in der Landeshauptstadt. „Der Grand Départ ist eine „sensationelle Werbung für Düsseldorf“.

ARD-Moderator Michael Antwerpes blickte mit Kommentatoren-Legende Herbert Watterott auf den Tourstart in Köln vor 52 Jahren zurück. Den Organisatoren in Düsseldorf stellte der Sportjournalist ein gutes Zeugnis aus: „Ich hätte nicht gedacht, dass hier so viel auf die Beine gestellt wird.“ Watterott wohnt in der Nähe von Köln, und ließ immer wieder seine Sympathien für die Domstadt durchblicken.

Misstöne und Kritik blieben im TV außen vor

Auch die Besucher, die am Streckenrand interviewt wurden, berichteten nur Gutes. „Wie Herr Geisel schon sagt, das ist ein einmaliges Erlebnis“, schwärmte die Düsseldorferin Birte Spix vor dem ARD-Mikrofon. Misstöne und Kritik, die es im Vorfeld ja auch gab, blieben unerwähnt.

Der WDR nahm anlässlich des Tourstarts am Samstagmittag eine dreiviertelstündige Sondersendung ins Programm. „Düsseldorf ist im Ausnahmezustand“, berichtete Moderatorin Annika Begiebing aus dem provisorischen Studio am Rheinufer nahe dem Fortunabüdchen. Laut Moderatorin schlage hier „das Herz von Düsseldorf besonders laut“. Auch am Sonntag gab es viel Lob für Düsseldorf und die Zuschauer: Die Stimmung in der Stadt sei „bis tief in die Nacht ausgelassen gewesen.“

Für die Zuschauer gab es zudem reichlich Nachhilfe: Rheinkirmes, die Schlacht von Worringen, Köbesse, Kraftwerk, ein 41 Jahre altes Video von der Versetzung der Oberkasseler Brücke - wer mehrere Stunden dranblieb, kann sich jetzt Düsseldorf-Experte schimpfen. Einzig Kommentator Florian Naß sollte noch mal die richtige Aussprache von „Löööhrick“ üben.

Neben dem Wetter ein weiterer Wermutstropfen: Beim Tourauftakt am Samstag schalteten gerade einmal 1,3 Millionen Zuschauer ein. Zum Vergleich: Den Staatsakt für Helmut Kohl sahen danach doppelt so viele Menschen. Vielleicht schauen wieder mehr zu, wenn der Vorschlag von Kommentator Florian Naß umgesetzt wird: „Eine Etappe von Düsseldorf nach Köln, das wäre doch mal was.“

© WhatsBroadcast

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