Die Politik muss die Betreuungsstrukturen ändern mit Blick auf Kinder und Pflege.

Wolfgang Rolshoven ist Baas der Düsseldorfer Jonges.
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Judith Michaelis

Wolfgang Rolshoven ist Baas der Düsseldorfer Jonges.

Wer sich mit dem Thema „Arbeitswelt“ beschäftigt, braucht viel Zeit. An Studien und Analysen ist derart viel auf dem Markt, dass man schnell kurzatmig wird. Ein Studienkern: Wir wissen, dass Fachkräfte Mangelware sind. Wo sollen sie herkommen? Auf der Suche nach dem Lückenschluss stürzen wir uns gegenwärtig auf Flüchtlinge. Da ist aber nach der großen anfänglichen Begeisterung über den behaupteten Zuzug von Fachleuten Ernüchterung eingekehrt. Es sind eben nicht alles Akademiker, die über das Mittelmeer kommen. Und die Heranführung von Lernwilligen an den 1. Arbeitsmarkt braucht mehr Zeit als zunächst gedacht.

Ich habe mich in den letzten Monaten durch viele kluge Papiere gewühlt. Hängen geblieben bin ich an diesen aus einer Studie stammenden Sätzen: „76 Prozent aller Männer wollen eine Frau, die sich um ihren eigenen Unterhalt kümmert. – „ Eine Mehrheit der Männer würde sich gern mehr um ihre noch kleinen Kinder kümmern, wenn es ein besseres Zeitmanagement an ihren Arbeitsplätzen gäbe.“ – „Nach wie vor leisten selbst Frauen ohne Kinder den größeren Anteil an Familienarbeit, selbst wenn sie berufstätig sind.“

Auf den Bewusstseinswandel im Sinne von Emanzipation allein zu setzen, ist keine taugliche Empfehlung. Zwar hat das intensive Bemühen um das Thema „Selbstbewusste Frau“ durchaus Erfolge, doch steckt eine Mehrheit von Frauen nach wie vor im unteren Segment der Entlohnung. Das muss man ändern, aber nicht mit dem Mittel, dass bei einer schlechteren Qualifikation der Frau die Frau bevorzugt wird, nur weil sie Frau ist, gegenüber dem Mann mit einer besseren Qualifikation für diese Stelle. Es heißt Gleichberechtigung für Frau und Mann – dies aber wäre eine Diskriminierung dem Mann gegenüber.

Daran könnte sich bald einiges ändern. Nicht so sehr auf Druck der Betroffenen, sondern auf Druck von Arbeitgebern. Die haben nämlich inzwischen ausgemacht, dass ein brachliegendes Potenzial von nicht berufstätigen Frauen den Fachkräftemangel deutlich kompensieren könnte. Es ist die Politik, die die Voraussetzungen schaffen muss.

Verändern muss sich die Betreuungsstruktur nicht nur im Hinblick auf Kinder (Kita, Schule), sondern auch für die Pflege von Angehörigen daheim. Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Politiker werden an einem Strang ziehen müssen, um die Arbeitswelt auf neue Bedürfnisse zu trimmen.

Was mich bei Durchsicht der Studien stutzig gemacht hat, ist die Aussage: „In Deutschland gibt es nach einer Untersuchung der Universität Hamburg 7,5 Millionen funktionale Analphabeten.“ Diese können zwar einzelne Sätze lesen und schreiben, sind aber nicht in der Lage, einen Text wie zum Beispiel eine Arbeitsanweisung zu lesen und zu verstehen. 4,3 Millionen von ihnen sprechen Deutsch als Muttersprache. Können wir uns das in unserer Arbeitswelt als Industrienation Deutschland leisten?

Wolfgang Rolshoven ist Baas der Düsseldorfer Jonges

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