Ihre Deutschland-Tour hat Lena Meyer-Landrut gut getan. Die Fans feiern sie mit Sprechchören – und die hämische Kritik der vergangenen Monate ist vergessen.

Stimmung
Souverän wirkte Lena bei ihrer ersten Probe in der Arena. Die Tour mit der Live-Band hat ihr offenbar gut getan.

Souverän wirkte Lena bei ihrer ersten Probe in der Arena. Die Tour mit der Live-Band hat ihr offenbar gut getan.

Judith Michaelis

Souverän wirkte Lena bei ihrer ersten Probe in der Arena. Die Tour mit der Live-Band hat ihr offenbar gut getan.

Düsseldorf. Üblicherweise wandern prominente Menschen nur dann ins Wachsfigurenkabinett, wenn ihnen ihr, wie auch immer erworbener, Ruhm nicht mehr zu nehmen ist. Bei Lena Meyer-Landrut ist das etwas anders. Derzeit werkelt eine Künstlerin auf der Nordseeinsel Amrum an einem Lena-Abguss – der Ende Mai im Hamburger Panoptikum ausgestellt werden soll.

Gewinnt sie den ESC wieder, ist sie die Heldin – sie kann auch alles verlieren

Immerhin wissen die Besucher dann, wie sie die wächserne Abiturientin zu deuten haben: Entweder sehen sie eine strahlende Heldin, die das Kunststück fertiggebracht hat, als erste Sängerin überhaupt ihren Sieg beim Eurovision Song Contest (ESC) zu verteidigen. Die Alternativ-Perspektive wäre der Blick auf eine etwas tragische Figur mit X-Beinen und schwarzem Kleidchen, die trotz aller Unkenrufe und wohlmeinenden Bedenken die Operation Titelverteidigung in Angriff genommen hat.

Begeistert ist Lena nicht von ihrem neuen Leben in der Öffentlichkeit

Fast hätte man in den vergangenen Monaten denken können, ein Misserfolg wäre vielen Menschen lieber als ein erneuter Sieg beim größten Musikwettbewerb der Welt. Ihre Unbekümmertheit habe sie verloren, war nicht zu unrecht über die Hannoveranerin zu lesen. Sichtlich genervt reagierte sie regelmäßig auf Fragen zu ihrem Privatleben. Der Umgang mit Medien mache sie nicht glücklich, bekannte Lena. Ein Verhältnis, das sich bei ihrer aktuellen Tournee zunächst nicht verbessert hat. Geradezu hämisch war von vielen freien Plätzen in den Hallen und von schiefen Tönen zu lesen. Eine Zeitung dichtete Lena sogar an, bei ihren Auftritten gar nicht live gesungen zu haben.

„Ich würde es nicht wieder machen, wenn ich gewinne“

Pech für für Lena: Die Prognose der Internetsuchmaschine Google sagt für die 19-Jährige nicht mehr die Titelverteidigung beim (ESC) voraus. Stattdessen sind die irischen Zwillinge von „Jedward“ vorn. Das muss aber nichts bedeuten, da sich die Iren am Dienstagabend erst für das Finale qualifizieren müssen. Bisher war die Prognose treffsicher: Vor zwei Jahren tippte sie den Sieg des Norwegers Alexander Rybak, im vergangenen Jahr dann Lenas Sieg.

Der französische Beitrag ist bei den Nutzern des Internet-Wettanbieters Betfair vorn. Sie sehen Frankreich als Sieger des ESC. Gefolgt von der britischen Band „Blue“. Lena landet bei den Wettern nur auf dem achten Platz.

Vielleicht war die Tour aber trotz aller Kritik ein kluger Schachzug. Von Konzert zu Konzert legte sich Lenas Nervosität – auf der Bühne war sie wieder der lässige Teenie von vor einem Jahr, der über die Bühne tobt und mit den Fans schäkert. Die bedanken sich mit „Lena, Lena“-Rufen und singen jeden Titel mit.

Ihre wiedergewonnene Lockerheit ist Lena bei der Probe anzumerken

Diese Lockerheit war ihr auch bei der offiziellen Bühnenprobe und der anschließenden Pressekonferenz am vorigen Samstag in der Düsseldorfer Arena anzumerken. Keine Spur von Lampenfieber, als die 19-Jährige in ihrem schwarzen Outfit die gigantische Bühne betritt, unterstützt von fünf Tänzerinnen in weißen Anzügen.  Fünfmal singt sie „Taken by a Stranger“, und das wesentlich ausdrucksvoller als noch bei der Single-Version. Offenbar hat Lena die Tour mit der Live-Band gut getan, sie wirkt erheblich souveräner als noch vor einem Jahr und stimmlich gereift.

Bei den Proben zum ESC startet Lena eine leckere Sympathie-Offensive

Trotzdem hat sie den Spagat geschafft und sich bei gewachsener Professionalität den Charme einer 19-Jährigen erhalten. Die Pressekonferenz beginnt damit, dass Lena Apfelkuchen an Journalisten verteilt. „Den habe ich heute Nacht zusammen mit den Background-Sängerinnen gebacken“, behauptet sie. Ob das stimmt, ist unwichtig. Eine Sympathie-Offensive ist es allemal. Schlechte Nachrichten hatte Lena allerdings für alle jungen Herren, die alles tun würden, um ihre Handy-Nummer zu bekommen. „Ich habe kein Interesse an irgendwelchen Dates“, ließ Lena durchblicken, dass sie offenbar in festen Händen ist.

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