Düsseldorf will den Song Contest – aber ein parallele Großmesse sorgt für Probleme. Arena ist für die Veranstaltung besser geeignet.

Düsseldorf. Lena hat sie alle begeistert - und die Siegerin des Eurovision Song Contest hat auch die Düsseldorfer Stadtspitze motiviert, sich für die "Titelverteidigung" am 14. Mai 2011 zu interessieren. Derzeit arbeiten und berechnen das Büro des Oberbürgermeisters und die Kongressgesellschaft das umfassende Konzept. Unter anderem sind Halle, Hotelkapazitäten und Presseplätze nachzuweisen. Bis Ende August muss der NDR als ausrichtende Sendeanstalt die Bewerbungsunterlagen auf dem Tisch haben. "Wir wollen als Messe- und Kongressstadt den Song Contest gerne nach Düsseldorf holen", bekräftigte Elbers am Mittwoch gegenüber der WZ. "Nur weil Hannover wegen NDR-Nähe und als Lenas Heimatstadt sowie vielleicht Berlin angeblich bessere Karten haben, ziehen wir nicht zurück", meint das Stadtoberhaupt kämpferisch.

Hotels in der Region könnten vom Großereignis profitieren

Aber Elbers weiß auch um ein Problem: Vom 12. bis 18. Mai findet auf dem Messegelände die Interpack statt. Viele Hotels sind ausgebucht oder gut gebucht. "Wir sind besetzt, gleich nach der letzten Interpack waren alle Zimmer vergeben", sagt beispielsweise Bertold Reul, Direktor des Nikko. Auch Jörg Böckeler vom Interconti geht von "full house" aus. Noch freie Zimmer melden hingegen der Breidenbacher Hof und das Holiday Inn. "Notfalls müssen wir Gruppen in Busse setzen und nach Gladbach fahren", sagte dessen Direktor Alarik Graf Wachtmeister, der zudem Chef des IHK-Tourismusausschusses ist. So sieht es auch Elbers: "Die Hotels fordern Unterstützung und zusätzliche Events: Hier ist einer."

Die Show am 14. Mai 2011 ist das 56. Finale des europäischen Wettbewerbs. Im September entscheidet die ARD, welche Stadt den Zuschlag erhält.

Deutschland holte vor 28 Jahren mit Nicoles "Ein bisschen Frieden" einen ersten Sieg, Lena bedeutete den zweiten Erfolg.

15 Millionen Deutsche schauten bei Lenas Sieg zu, 100 Millionen waren es in Europa, zusätzlich 20 Millionen weltweit.

Die Zahl der freien Hotelbetten - knapp 23.000 gibt es in Düsseldorf - könnte somit zum k.o.-Argument werden. "Schließlich sind auch in der Region viele Hotels wegen der Messe belegt", sagt Rainer Spenke vom Hotel- und Gaststättenverband. Und Mauscheln geht nicht: "Die Veranstalter müssen sich auf unsere Angaben natürlich verlassen können", sagt Kongress-Chef Hilmar Guckert, der aber darauf hinweist, "dass die anderen Städte auch Probleme haben". Mit Nähe zur Halle müssen 1000 Hotelbetten zur Verfügung stehen, allein 100 benötigt der NDR. Zudem wird mit 1000 Journalisten gerechnet. Dazu kommen die Delegationen von 45 Ländern und Besucher.

Rather Dome erscheint den Experten für das Finale zu beengt

Guckert hält die Arena für den besseren Austragungsort für das Finale des Song Contests, das Pressezentrum käme in der benachbarten Leichtathletikhalle unter. "Der Dome ist sehr beengt", sagt der Eventprofi. Bis zu 15.000 Zuschauer, dazu TV-Übertragungsboxen für alle teilnehmenden Länder mit freiem Blick auf die Bühne, temporäre Aufbauten an und hinter der Bühne: Die Show ist raumgreifend. Die Veranstaltungshalle sollte laut NDR sechs Wochen - Guckert geht von vier und nur teilweise von sechs Wochen aus - zur Verfügung stehen. Fußball-Zweitligist Fortuna müsste in diesem Fall mit der Liga sprechen und um Auswärtsspiele in Serie bitten - Problem Nummer zwei. Der NDR hält sich mit Angaben sehr zurück. Wer bereits eine Bewerbung abgegeben hat, wird nicht verraten. Antworten zu Anfragen der Bewerberstädte gehen in Kopie an das ganze Teilnehmerfeld. So soll ein faires Verfahren gewährleistet werden. Die Gesamtkosten werden auf 25 Millionen Euro geschätzt, viel wird von den TV-Anstalten und Sponsoren finanziert. "Was am Ende von Düsseldorf zu tragen ist, steht noch nicht fest", sagt OB Elbers, "Geld hat bislang keine Rolle gespielt." Interesse am Song Contest haben u.a. Hamburg, Köln, Hannover und München gezeigt. Und Lenas Favorit Berlin. "Wir finden, die Hauptstadt ist der richtige Ort", sagt Senatssprecher Richard Meng selbstbewusst.

© WhatsBroadcast

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