Eine Plattform für Privatzimmer bietet ESC-Fans eine günstige Alternative zum Hotel. Die WZ hat einen Vermieter in Bilk besucht.

Andreas Maas vermietet im Mai sein Wohnzimmer. Das rote Sofa wird zum Gästebett umfunktioniert.
Andreas Maas vermietet im Mai sein Wohnzimmer. Das rote Sofa wird zum Gästebett umfunktioniert.

Andreas Maas vermietet im Mai sein Wohnzimmer. Das rote Sofa wird zum Gästebett umfunktioniert.

Andreas Maas vermietet im Mai sein Wohnzimmer. Das rote Sofa wird zum Gästebett umfunktioniert.

Michaelis, Bild 1 von 2

Andreas Maas vermietet im Mai sein Wohnzimmer. Das rote Sofa wird zum Gästebett umfunktioniert.

Düsseldorf. Auf der roten Couch von Andreas Maas könnte bald ein Fremder übernachten. Der Unbekannte bekommt sogar einen Wohnungsschlüssel und darf sich nach Belieben an der Kaffeemaschine bedienen. Andreas Maas bietet sein Wohnzimmer in der Online-Privatzimmerbörse der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH (DMT) an. Die Plattform stellt Besuchern des Eurovision Song Contests eine kostengünstige Alternative zu Hotels bereit.

Andreas Maas kam an einem Abend mit Freunden auf die Idee, Gastgeber für ESC-Fans zu spielen. „Ich hatte von der Börse gehört und aus einer Bierlaune heraus wollten wir alle mitmachen“, sagt Maas. Bisher steht aber nur seine 56 Quadratmeter große Wohnung in Bilk mit der Objektnummer 2005 im Netz. Die Freunde haben einen Rückzieher gemacht.

ESC-Fans können zwischen Zimmern und ganzen Ferienhäusern wählen

Für Zimmersuchende gibt es aber auch ohne die Freunde von Andreas Maas bereits eine große Auswahl. 300 Zimmer in unterschiedlichen Kategorien stehen bisher im Zeitraum vom 25. April bis zum 22. Mai zur Verfügung, weitere 300 sind derzeit im Registrierungsverfahren. „Das macht rund 1000 Betten“, so DMT-Chefin Eva-Maria Illigen-Günther. 400 000 Mal ist die Internetseite seit dem Start am 10. Dezember angeklickt worden, Interessenten gibt es nicht nur im europäischen Ausland, sondern auch in Russland und Australien.

Die ESC-Besucher können sich zwischen Einzelzimmern, Doppelzimmern und ganzen Appartments entscheiden. Es gibt Unterkünfte, die nur zwei Kilometer von der Arena, dem Austragungsort des Eurovision Song Contests, entfernt liegen, es gibt aber auch Angebote aus Essen, Viersen, Wuppertal und Köln.

Wer genau hinter den Objektnummern 1001 bis 5110 steckt, kann die DMT als Betreiberin allerdings nicht sagen. „Wir können nicht jeden Anbieter überprüfen. Der Arbeitsaufwand wäre zu groß“, sagt Philipp Laferi von der DMT. Die Preise habe man aber im Blick. Schwarze Schafe, die bis zu 1000 Euro pro Nacht kassieren wollten, gibt es bei der Privatzimmerbörse, die mit dem NDR und der Stadt Düsseldorf offiziell zusammenarbeit, nicht.

„Ich freue mich darauf, Leute aus anderen Ländern kennenzulernen.“

Andreas Maas zur Zimmervermietung beim Song Contest

Die DMT stellt keinerlei Gebühr für die Präsentation der Zimmer in Rechnung, übernimmt aber auch keine Haftung für Schäden. Die Zimmer können vom 25. April bis zum 22. Mai vermietet werden. Bisher sind die meisten der aktuell 300 Zimmer frei. Eine Frist gibt es nicht. Bis kurz vor dem ESC können Zimmer eingestellt werden.

Eine Grafik bei den jeweiligen Objekten zeigt freie Tage grün, belegte Tage rot an. Die Entfernungen in die Düsseldorfer Altstadt, zum Flughafen, zum Hauptbahnhof, zur Arena und zur nächsten Haltestelle sind bei jedem Objekt angegeben. Fotos und Objektbeschreibungen sind den Vermietern überlassen.
www.esc-privaterooms.de

 

Als Dank für die Bereitschaft, Privatzimmer zur Verfügung zu stellen, werden am 30. April unter allen Vermietern 10 x 2 Karten für das ESC-Halbfinale am 10. Mai verlost. Für den 750., den 1000., den 1111., den 1200 und 1500. Vermieter gibt es zusätzlich ein Düsseldorf-Überraschungspaket, darunter Schiffskarten fürs Kirmes-Feuerwerk.

„Das unterscheidet uns von zahlreichen unseriösen Plattformen, die leider im Netz grassieren“, sagt Laferi. Dort werden Kellerräume, ausgestattet mit einer Luftmatratze, zu Höchstsummen angeboten. „Bei uns gab es erst einen Fall, wo ein Vermieter überhöhte Forderungen hatte. Nach unserem Hinweis hat er den Preis heruntergeschraubt.“

Andreas Maas verlangt für sein Wohnzimmer 65 Euro pro Nacht und liegt damit im Mittelfeld. Kleine Zimmer bekommt man schon ab 25 Euro, das teuerste Angebot liegt derzeit bei 230 Euro pro Nacht: ein 166 Quadratmeter großes Loft in Flingern. In Essen wird sogar ein ganzes Ferienhaus für bis zu 32 Personen angeboten.

Andreas Maas geht es nach eigener Aussage nicht ums Geld. „Ich freue mich darauf, Leute aus anderen Ländern kennenzulernen.“ Er selbst war schon einmal in Costa Rica bei einer Familie zu Gast, die regelmäßig ihre Privatwohnung im Internet vermietet. „Die sind dann einfach in ihre Garage gezogen“, sagt Maas. Soweit will er nicht gehen. In der ESC-Zeit wohnt er weiter in seiner Wohnung, die mit vielen Design-Stücken ausgestattet ist.

Angst vor Mietern, die seine Einrichtung zerstören oder stehlen, hat er nicht. „Wertgegenstände schließe ich weg, auch CDs und andere Sachen, die mir am Herzen liegen, ziehen aus dem Wohnzimmer aus.“ Als Absicherung will sich Maas den Ausweis seines Gastes kopieren. Wenn sein Mitbewohner sympathisch ist, will ihm der Düsseldorfer die Stadt zeigen. Mit dem Song Contest kann er nichts anfangen. Zumindest bis jetzt. „Mal schauen, vielleicht lasse ich mich von meinem Gast überzeugen.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer