Im Hammer Klärwerk verrotten in drei Faultürmen die Fäkalien Düsseldorfs. Unter ihnen gibt es ein System aus Gängen und Schächten.

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Auf dem Gelände des Klärwerks erheben sich die großen Faultürme in die Höhe.

Auf dem Gelände des Klärwerks erheben sich die großen Faultürme in die Höhe.

Melanie Zanin

Auf dem Gelände des Klärwerks erheben sich die großen Faultürme in die Höhe.

Düsseldorf. Sie sehen wie überdimensional große Eier aus, doch was sich in ihnen verbirgt, ist eine hochexplosive Mischung. Es steigt ein leicht muffiger Geruch in die Nase, wenn man sich dem Klärwerk Süd im Hamm nährt. Durch ein massives Gittertor geht die Fahrt auf das Gelände. Schon etwas in die Jahre gekommen ist das Gebäude, in dem sich der Verwaltungstrakt verbirgt.

Das ist der Arbeitsplatz von Frank Brockof. Er leitet das Klärwerk in Hamm, täglich geht er auf seinem Kontrollgang über das gesamte Gelände – größtenteils unterirdisch. Denn dort verbergen sich die Leitungen, durch die die Abwässer im Klärwerk ankommen und die faulende Masse in die massiven Türme leiten. Denn diese Türme sind das Herzstück der Anlage, in ihnen verrotten die Fäkalien Düsseldorfs, der „Faulschlamm“, wie Brockof es gerne nennt.

Hinab zu den Zuleitungen geht es durch eine kleine Türe im Untergeschoss des Verwaltungsgebäudes. Weiß wie die Wand ist die Türe, ein elektrisches Schloss versperrt den Zugang. Hinter der Pforte verbirgt sich ein niedriger und schmaler Gang, dicke und mächtige Rohre in unterschiedlichen Farben verlaufen unter der Decke und an den Wänden des Schachtes, an einigen Stellen wird es eng für Frank Brockof. Ein Vorsprung ragt aus der Wand heraus, um an ihm vorbeizukommen, muss sich der Leiter eng an die Schachtwand drücken.

Was in den Rohren verläuft, erschließt sich leicht – „in den braunen Rohren verläuft all das, was als Feststoffe im Klo landet“, erklärt Frank Brockof. Nach einigen hundert Metern ist ein Quergang zu erkennen. Einmal um die Ecke geht es, hier ist der Gang breiter und heller. Kleine Pfützen stehen auf dem rohen Betonboden des Schachtes, etwas Erde liegt in einer verlassenen Ecke herum. Irgendwann endet der Gang – links und rechts sind große Rundungen aus Gussbeton zu sehen, in die zahlreiche Rohre hineinführen.

„Das sind die Böden zweier Faultürme“, sagt Brockof. An den Leitungen befindet sich eine ganze Reihe von mit Ketten und Seilen versehenen Schiebern und Rädern, mit denen die Leitungen geöffnet oder verschlossen werden können. Eigentlich läuft hier unten alles automatisch – „wenn aber doch mal etwas ausfallen sollte, können wir mit den Rädern den Betrieb aufrecht erhalten“, erklärt Frank Brockof. Deshalb sind stets ein Ketten- und ein Elektronischer Schieber hintereinander gebaut.

Ein Kontrollblick Brockofs auf die eisernen Ketten und es geht weiter, immer entlang an den braunen Rohren unter dem Klärwerk, auf dem Weg des faulenden Schlamms. In einem Raum etwas abseits der breiten Gänge befindet sich die Pumpzentrale – blaue Beschickungspumpen stehen hier aufgereiht nebeneinander. „Hier wird der Schlamm fein zerkleinert, bevor er in die Türme geleitet wird“, sagt der Klärwerksleiter. Doch es gibt nicht nur die großen Pumpen im System des Klärwerks: etwa 16 000 kleine Pumpen befinden sich an den Rohren unter dem Gelände.

Neben einer kleinen Treppe in einer Ecke des Raumes bleibt Frank Brockof stehen, deutet nach oben. Zwei Etagen gibt es unter Tage, zwei Ebenen mit insgesamt anderthalb Kilometer langen Gängen, auf denen der Schlamm aufbereitet wird. Denn oben, wenige Meter unter der Erde, wird der Faulschlamm angewärmt, bevor er in die Faultürme fließt.

Auf 38 Grad muss die Masse erhitzt werden – eine ideale Temperatur für Bakterien, die die Fäkalien zersetzen. Im Schnitt bleibt der Schlamm dann erst einmal 24 Tage in einem der Faultürme. Flüssig kam er hinein, am Ende wird aus ihm ein festes, staubiges Pulver, das mit Lkw abtransportiert wird.

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