Angelika Trojnarski ist den traurigen Resten des Vergnügens auf der Spur. Sie übersetzt sie in große Malerei.

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Angelika Trojnarski ist fast täglich in der Kunstakademie anzutreffen, wo sie an ihren Bildern für diverse Ausstellungen malt.

Angelika Trojnarski ist fast täglich in der Kunstakademie anzutreffen, wo sie an ihren Bildern für diverse Ausstellungen malt.

Helga Meister

Angelika Trojnarski ist fast täglich in der Kunstakademie anzutreffen, wo sie an ihren Bildern für diverse Ausstellungen malt.

Düsseldorf. Angelika Trojnarski ist ein Arbeitstier. Egal, ob Ferien oder Semester, sie steht oder hockt im Atelier der Kunstakademie und malt. "Leute, die aus Polen kommen, sind zielstrebiger. Vielleicht ist das ihre Mentalität", sagt sie, die als Zehnjährige die Grenze wechselte und seit 21 Jahren in Deutschland lebt.

Sie hat 2005 bei Immendorff angefangen, ist nach dessen Tod in die Lüpertz-Klasse übernommen worden, studierte bei Herbert Brandl und Andreas Schultze. "Dann hatte ich die wunderbare Chance, bei Andreas Gursky in einer freien Klasse aufgenommen zu werden. Das ist eine neue Erfahrung."

Wenn sie nicht malt oder (neuerdings) fotografiert, bereitet sie ihre nächste Ausstellung vor, bei Anna Klinkhammer in Düsseldorf, bei Saatchi in London und nun in der neuen Galerie Tanja Wagner in Berlin. So viel Erfolg mit 31Jahren ist selten.

Dabei sind ihre Motive alles andere als schick. Ihre Orte sind verlassen, die Gebäude abgewrackt. Ein windschiefes Dritte-Welt-Boot aus orangefarbenen, verrosteten Öltonnen kann nicht mehr schwimmen. Eine Achterbahn ist zusammengefaltet.

Derlei Szenen spielen in Geisterstädten ehemaliger Parks. In New Orleans wurde nach der Überschwemmungs-Katastrophe der Park Katrina total verwüstet, bevor er jetzt auf ihrer Leinwand in Skelettbauten wiederkehrt. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte und mit dem Untergang dieser Jahrmärkte, Freizeitparks und Unterhaltungszentren.

Die junge Malerin setzt der Tristesse Rot und Orange entgegen

Die Künstlerin wurde 1979 in Polen geboren und hat auch noch den polnischen Pass.

Von den vielen Professoren, bei denen sie seit 2005 studierte, lernte sie vor allem von Jörg Immendorff trotz dessen Krankheit, wie man durch Ausdauer und Zielstrebigkeit immer wieder neue Kraft für die Kunst gewinnt.

Während sie über ihr Motiv des Berliner Spreeparks nachdenkt, erzählt sie, wie der Investor Schulden in Millionen-Höhe machte und den Park in die Insolvenz trieb. Der Betreiber wird nicht gezeigt, Trojnarskis Kunst ist nicht figurativ.

Aber der Stimmung, die über diesem tragischen Ende attraktiver Fahrgeschäfte liegt, ist sie auf der Spur. Ihre Bretterbuden und Stahlgestänge haben nichts mit dem geplanten Vergnügen zu tun. Sie leben jedoch aus der Spannung zwischen Glück und Unglück, Kindheitserinnerung an schöne Stunden und dem traurigen Rest in der Gegenwart.

In dieser malerischen Wirkung der Gegensätze liegt die Ursache, dass die Kunst der Angelika Trojnarski trotz des pessimistischen Grundtons begehrt ist. Die Künstlerin mischt Blaus und Graus, setzt der Tristesse leichte Rot- oder Orange-Töne entgegen.

Sie suggeriert unstabile Fundamente, rutschige, scheinbar feuchte Partien. Sie kostet in den Szenen, die in der Auflösung begriffen sind, die Malerei aus. Sie grundiert gewissenhaft mit Acryl, erzeugt farbige Untergründe, malt aber ganz intuitiv. So etwas gelingt nur, wenn man alle Theorien der Lehrer im Kopf gespeiechert hat.

Müllhalden, Pestizide, wackelige Aufbauten, verseuchte Partien, all dies wird durch Farbe aufgeheitert. Dennoch misstraut man ihren Aufbauten, die wie gestrandet wirken oder im Wasser abzusaufen scheinen.

Neuerdings baut sie sie auch dreidimensional, was ihren Akademieprofessor Gursky interessiert. Oder sie fotografiert die Ausstellung "Catwalks" im Ehrenhof beim Abbau und freut sich über den doppelten Boden, den sie entdeckt.

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