Mit bis zu 14 Metern am Tag frisst sich die Tunnelbohrmaschine durch die Stadt. Jetzt steht sie unter dem Graf-Adolf-Platz.

Düsseldorf. Bis zur offiziellen Inbetriebnahme der Wehrhahn-Linie dauert es zwar noch ein paar Jahre, aber die erste U-Bahn fährt schon jetzt. Sie ist klein, weiß, fährt mit Diesel und ist so unbequem, dass es einen aus den Sitzen hebt, wenn sie über die Weichen fährt.

"Die nächste Zug-Generation wird mit Sicherheit besser werden", verspricht Bauleiter Benno Ferrière. Denn ab 2015 rauschen moderne "Silberpfeile" da entlang, wo jetzt noch die Bergwerksbahn mit sechs Stundenkilometern durchtuckert.

Aber noch wird hier im 24-Stunden-Betrieb gearbeitet. 854 Meter weit fährt uns die Bahn in den Untergrund hinein, dann dockt sie an der Tunnelvortriebsmaschine an. "Tuborine" wurde die unterirdische Fabrik getauft, die Sand und Steine frisst und die jetzt 13 Meter unterhalb des Graf-Adolf-Platz parkt.

"Das Schönste ist für uns das Licht am Ende des Tunnels - dann weiß man, dass man das Ziel erreicht hat.

Henning Holm, Schildfahrer

Und die Schildfahrer Henning Holm mittels Drehknopf zwischen Zeigefinger und Daumen millimetergenau durch das Erdreich dirigieren kann. "Ich bin der Zerstörer hier unten", beschreibt Holm seine Tätigkeit schmucklos, aber stolz.

Er ist der Kapitän der Maschine, der von seinen Kollegen wegen seiner Vorliebe für italienische Autos nur Enzo gerufen wird. Wenn er die auf elf Motoren verteilten 1600 PS seines mechanischen Lindwurms zum Leben erweckt, vibriert der Boden der 1300 Tonnen schweren und 65 Meter langen Maschine. Der von Halogenleuchten in permanentem Dämmerlicht gehaltene Tunnel füllt sich dann mit ohrenbetäubendem Grollen.

Im Herbst wird die Tunnelvortriebsmaschine an der Benrather Straße erwartet. 1310 Meter wird sie dann zurückgelegt haben. Bis jetzt wurden auf einer Strecke von 919 Metern insgesamt 609 Betonringe verbaut, durch die später die U-Bahn fahren wird.

Der zweite Tunnel vom Corneliusplatz bis Am Wehrhahn ist etwas kürzer, seine Länge beträgt exakt 959 Meter.

An guten Tagen schafft Enzo immerhin bis zu 14 Metern am Stück. Höchstgeschwindigkeit: etwas mehr als 50 Zentimeter pro Stunde. "Hier fährt man nach Popometer und Gehör", sagt Enzo. Inzwischen erkennt er am Geräusch, das das Gestein beim Abtransport in den Röhren verursacht, durch welche Bodenschicht er gerade fährt. "Aber ohne meine Vermesser bin ich hier unten gar nichts", sagt er. Denn die müssen ihre Orientierungslaser genau ausrichten, damit Enzo auch sein Ziel findet.

Zehn Zentimeter Toleranz sind für die 1310 Meter der ersten Etappe erlaubt, aber Holm verspricht eine Abweichung im Millimeterbereich. "Das ist gut für das Ego", sagt er. "Aber das Schönste ist für uns, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen - dann weiß man, dass man das Ziel erreicht hat."

Ständig unterwegs - den Arbeitern bleibt keine Zeit für Beziehungen

Trotz 30 Jahren Berufserfahrung ist es für ihn erst der zweite Tunnel, den er in Deutschland bohrt. Für seinen Kollegen Robert John ist es sogar der erste. Dafür haben beide schon überall auf der Welt gebuddelt. Holms letzter Auftrag führte ihn nach Australien, Servicemechaniker John hat sich schon durch die Unterwelt Chinas und Russlands gegraben.

"Das Reisen ist toll, aber in so einem Job hat man nur ganz wenig Zeit für Freunde. Dafür muss man schon geschaffen sein." Immerhin, alle zweieinhalb Wochen haben sie vier Tage frei. "Wenn wir im Ausland arbeiten, kommen wir frühestens nach drei Monaten nach Hause."

Für Henning "Enzo" Holm ist der Düsseldorfer Tunnel aber noch aus einem anderen Grund der schönste der Welt. "Wenn man hier aus dem Tunnel rauskommt, ist man mitten drin im Leben", schwärmt er. Die fehlende Aussicht während der Schicht verschmerzt er dafür leicht.

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