Wenn die Maschine richtig in Fahrt ist, kann sie zehn bis 15Meter am Tag zurücklegen. In den ersten Tagen sind es aber nur zwei Meter.

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Ein Betonteil (Tübbing) der späteren Röhre wiegt alleine 6,5 Tonnen.

Ein Betonteil (Tübbing) der späteren Röhre wiegt alleine 6,5 Tonnen.

Manfred Nelke (rechts) überwacht die Kammer, in der Arbeiter beispielsweise nach dem Wechseln von Schälmessern fast zwei Stunden auf den Druckausgleich warten müssen.

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Ein Betonteil (Tübbing) der späteren Röhre wiegt alleine 6,5 Tonnen.

Düsseldorf. Erst am Mittwoch geht es richtig los. Nachdem am Dienstag die hydraulischen Pressen eingefahren und der dritte Blindring eingesetzt worden waren, kann die Schildvortriebsmaschine in den Mittagsstunden die eigentliche Arbeit beginnen: Aus dem Startschacht an der Ecke Elisabethstraße/ Bilker Allee schraubt sich der 1.302 Tonnen schwere Koloss unter der Elisabethstraße hindurch. Bis Oktober soll der erste Abschnitt des Tunnels bis zur Benrather Straße mit einer Länge von 1,3 Kilometern fertiggestellt sein.

Erstmal nur im Schneckentempo frisst sich der Tunnelbohrer in 17 Metern Tiefe unter der Kreuzung hindurch. Erste Bewährungsprobe für das Schneid-rad mit 172 Schälmessern: eine zwei Meter breite Dicht- und Schlitzwand aus Beton, die vorab gegossen worden war.

Nur 1,50 bis zwei Meter wird sich der 65 Meter lange Riesenbohrer deshalb in den ersten Tagen nach vorne bewegen - zumal er erst einmal exakten Kurs aufnehmen muss. "Wenn es geradeaus geht, kann die Maschine schneller fahren", erläutert Projektleiter Gerd Wittkötter.

Zehn bis 15 Meter am Tag seien dann möglich. "Das wird aber erst dann der Fall sein, wenn wir richtig in der Erde drin sind." Einige Tage kann die Öffentlichkeit also noch die Maschine in der Grube sehen, bevor sie für Monate ganz im Untergrund verschwindet.

Damit die Tunnelvortriebsmaschine, so der technische Name unter den Facharbeitern, den entsprechenden Halt bekommt, um den Bohrer in das Erdreich schieben zu können, wurde erstmal ein Provisorium aus einem massiven Stahlgerüst in der Grube montiert. Dahinter wurden die ersten drei Blindringe aus Beton gesetzt und verschraubt.

Genau 12.144 Betonelemente werden für die Röhre der Wehrhahn-Linie benötigt.

Um Kurven mit dieser Bautechnik bewältigen zu können, sind die Tübbings leicht angeschrägt (konisch). Auf gerader Strecke müssen sie deshalb versetzt eingebaut werden.

Diese werden zwar später demontiert, entsprechen aber exakt denen für die spätere Röhre. Zusammengesetzt wiegen die so genannten Tübbinge auf einer Breite von 1,50 Meter (so breit ist ein Ring) über 46 Tonnen. Eingesetzt wird ein neuer Ring immer dann von dem "Erektor", wenn der Bohrer sich weiter nach vorne gekämpft hat.

Ein regelrechter Kampf muss es auch für jene Arbeiter sein, die bei einer Wartung oder einem Schaden an den Elementen des Schneidrads arbeiten müssen. Vor dem Bohrer herrscht ein Überdruck, der bei der Rückkehr der Männer ausgeglichen werden muss. Manfred Nelke (46), gelernter Bergmann aus Dortmund, ist verantwortlich für die Männer und die Druckkammer hinter dem Bohrer. "Ich schleuse die Leute hier heraus." Aus gesundheitlichen Gründen darf Nelke nicht mit hinein. Zwölf Jahre Arbeit unter Tage im Revier hätten ihre Spuren hinterlassen.

Die gesundheitliche Belastung für viele Arbeiter ist äußerst hoch

"Wenn die Kollegen vier Stunden bei zwei Bar gearbeitet haben, müssen sie Eindreiviertelstunde in die Schleuse." Die gesundheitlich belastende Arbeit sei freiwillig - und bringe drei bis vier Euromehr die Stunde. Doch nicht nur aus diesem Grund sei die Arbeit gefährlich: "Da vorne muss man schon sehr vorsichtig sein, sonst kann man im Betonit ertrinken. Das ist wie Moor."

Betonit, eine Stützflüssigkeit, wird verwendet, um den Boden nach dem Abbau durch das Schneidrad zu stützen. Zusammen mit dem Erdreich wird das Gemisch über eine Förderleitung nach draußen zu einer Separieranlage gepumpt. Das Erdreich bleibt zurück, das Betonit kann danach erneut benutzt werden und wird zum Bohrkopf zurück gepumpt.

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