Bettina Pause, Professorin für Psychologie, erforscht, wie Gerüche unsere Emotionen und unser Verhalten beeinflussen.

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Das Olfaktometer gibt der Testperson einen Geruch vor – gleichzeitig messen die Forscher, wie das Gehirn reagiert.

Das Olfaktometer gibt der Testperson einen Geruch vor – gleichzeitig messen die Forscher, wie das Gehirn reagiert.

Bettina Pause stellt die Duftkammern des Olfaktometers ein, aus dem Gerüche zur Testperson geleitet werden.

Sergej Lepke, Bild 1 von 2

Das Olfaktometer gibt der Testperson einen Geruch vor – gleichzeitig messen die Forscher, wie das Gehirn reagiert.

Düsseldorf. Wenn Professorin Bettina Pause davon spricht, wie Gerüche unser Verhalten steuern, dann meint sie nicht, dass wir uns die Nase zuhalten und uns abwenden, wenn in der U-Bahn jemand übel nach Schweiß müffelt. In ihrer Forschung geht es allein um unbewusst wahrgenommene Gerüche, um die „geruchliche Kommunikation zwischen Menschen“, erklärt die Wissenschaftlerin aus der Experimentellen Psychologie der Uni Düsseldorf. Und gegen diese Kommunikation können wir gar nichts tun – nicht mit noch so viel Wasser und Seife.

„Alle Menschen sondern ständig chemische Stoffe ab“, erklärt Pause. Die werden über die Nase beim Einatmen unwillkürlich aufgenommen und in den Sinneszellen verarbeitet. „Sie verändern unsere Wahrnehmung, unser Verhalten.“

Die Forscher aus Düsseldorf 

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Das Olfaktometer gibt der Testperson einen Geruch vor – gleichzeitig messen die Forscher, wie das Gehirn reagiert.

Das Olfaktometer gibt der Testperson einen Geruch vor – gleichzeitig messen die Forscher, wie das Gehirn reagiert.

Bettina Pause stellt die Duftkammern des Olfaktometers ein, aus dem Gerüche zur Testperson geleitet werden.

Sergej Lepke, Bild 1 von 2

Bettina Pause stellt die Duftkammern des Olfaktometers ein, aus dem Gerüche zur Testperson geleitet werden.

Das hat sie in einem Experiment bewiesen, bei dem sie Testpersonen Schweiß von Studenten vorsetzte, die kurz vor einer wichtigen Prüfung standen. „Sie konnten nichts riechen“, erklärt die Professorin. Aber: Im Kernspintomographen zeigte sich, dass bei den Testpersonen jene Areale im Gehirn aktiviert wurden, die für das Miterleben verantwortlich sind. Pause: „Das Gehirn hat automatisch mit Stress reagiert, ihn mitempfunden.“

Sofort wurden etwa die Schreckreflexe schneller und stärker. „Das ist eine Urreaktion, die wir bei fast allen Tierarten kennen. Ein Sicherungsmechanismus, damit bei Gefahr alle schnell gewarnt sind“, erklärt die Forscherin – der Stress werde „chemisch verteilt“. Die Erkenntnis ist also – zumindest wenn es um unser feines Näschen geht: „Wir sind auch nur Tiere.“ Pause lächelt. „Wir können unser Verhalten nur flexibler anpassen.“

Ihre Studie zu Geruch und Angst ging 2009 um die Welt. Da hatte die Forschung auf diesem Gebiet gerade erst so richtig Fahrt aufgenommen. Denn: Sie ist wahnsinnig teuer. Um gezielt einen Geruch auszusenden, sicherzustellen, dass kein anderer Duft dazwischenfunkt, und die Reaktion der Testperson innerhalb von Millisekunden zu messen, brauchen die Wissenschaftler ein so genanntes Olfaktometer. Und das kostet zwischen 200 000 und 300 000 Euro. Die Düsseldorfer Uni hat zwei.

Schweiß aggressiver Sportler bringt Testpersonen in Rage

Die Nase kann noch mehr, als Gefühle in der Umgebung durch chemische Stoffe zu erkennen. Sie kann auch vor Inzucht schützen. Laut Bettina Pause mag man den Geruch eines Gegenübers nicht, wenn das Genmaterial zu ähnlich ist – im Falle einer gemeinsamen Fortpflanzung also nicht genug frisches Erbgut weitergegeben würde. „Das wird geregelt über ein genetisches Immunsystem“, erklärt die Forscherin. Dieser Geruch ist aber nicht objektiv wahrnehmbar, sondern sehr subjektiv.

Inzwischen untersucht Pause mit ihrem Team auch den Zusammenhang von Gerüchen und Aggression. Dazu sammelte sie den Schweiß von Tennisspielern während eines harten Spiels. Er wurde per Olfaktometer dann Testern in die Nase geleitet, die sich gerade in einer Spielsituation befanden und vermeintlich Geld verloren. Sie bekamen die Option, ihren siegreichen Gegenspieler mit scharfer Soße zu füttern – natürlich musste die niemand wirklich schlucken.

Aber es zeigte sich: Wenn sie den aggressiven Tennis-Schweiß in der Nase hatten, reagierten die Tester auch selbst aggressiver. Zumindest die Männer. Ob sich Bettina danach Glück, Verliebtheit, Hunger oder irgendein anderes Gefühl vornimmt, weiß sie noch nicht. Das ist ja das Schöne an der Geruchsforschung in der Psychologie: „Es ist noch ganz viel offen“, sagt die Wissenschaftlerin.

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