Die Red Hot Chili Peppers traten 1988 in der JAB auf: Für 5000 Mark Gage vor 500 Zuschauern.

Die Red Hot Chili Peppers traten 1988 in der JAB auf: Für 5000 Mark Gage vor 500 Zuschauern.
Sinn für lustige Verkleidungen haben sie immer noch: Die Red Hot Chili Peppers zuletzt in Köln (oben).

Sinn für lustige Verkleidungen haben sie immer noch: Die Red Hot Chili Peppers zuletzt in Köln (oben).

Die Red Hot Chili Peppers als Jungspunde: 1988 in der Jungen Aktionsbühne im Wilhelm-Marx-Haus.

dpa, Bild 1 von 2

Sinn für lustige Verkleidungen haben sie immer noch: Die Red Hot Chili Peppers zuletzt in Köln (oben).

Düsseldorf. Eigentlich hat mein geschätzter Kollege dieses Konzert vorgeschlagen, stellte dann aber eine retrograde Amnesie bei sich fest (meine Diagnose: Altersheimer). Weshalb ich es richten muss, der damals nicht neutraler Beobachter, sondern Veranstalter des Konzertes war. Mit dem Abstand von 28 Jahren darf man mir aber eine gewisse Objektivität abnehmen und das Verschweigen intimster Insider-Details verzeihen. Aber: Ich gebe mein Bestes.

Damals leitete ich die Junge Aktionsbühne (JAB), einen kleinen städtischen Konzertsaal (Kapazität in Zeiten vor der Versammlungsstättenverordnung: 500 Zuschauer) im 2.Stock des Wilhelm-Marx-Hauses, mitten in der Stadt. Weil sich der Saal über dem Kino „Black Box“ befand, konnten nur montags (filmfreier Tag) krawallige Konzerte stattfinden. Fluch und Segen zugleich. An diesem veranstalterischen Seuchentag gab es nämlich auch einige Schnäppchen (zumeist ist der Montag auf Tourneen ein Day off, an dem die ganze Crew nur dumm rum sitzt).

Die Red Hot Chili Peppers traten 1988 in der JAB auf: Für 5000 Mark Gage vor 500 Zuschauern.
Sinn für lustige Verkleidungen haben sie immer noch: Die Red Hot Chili Peppers zuletzt in Köln (oben).

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Die Red Hot Chili Peppers als Jungspunde: 1988 in der Jungen Aktionsbühne im Wilhelm-Marx-Haus.

Conny Schnabel, Bild 1 von 2

Die Red Hot Chili Peppers als Jungspunde: 1988 in der Jungen Aktionsbühne im Wilhelm-Marx-Haus.

Die Red Hot Chili Peppers waren mir ein paar Jahre zuvor aufgefallen, als ihr zweites Album „Freaky Styley“ von P-Funk-Gott George Clinton produziert und den James Brown-Bläsern Maceo Parker und Fred Wesley veredelt wurde. Ihr drittes Album, „Uplift Mofo Party Plan“ startete gerade groß durch, doch ich konnte RHCP an diesem Montag für moderate 5000 D-Mark Gage verpflichten. Die Hütte war natürlich ausverkauft. Die einzige Show in NRW. Selbst aus Holland reisten Fans und TV-Teams an. Solche Jungs waren bis dato noch nicht begegnet. Sie waren Mitte Zwanzig, drei, vier Jahre jünger als ich, braungebrannt, durchtrainiert, gut gelaunt, höflich und super-professionell. Doch mir schien, dass keiner von ihnen gegen Substanzen, die man sich vornehmlich in die Venen oder den Riechkolben jagt, sonderlich große Abneigung zeigte.

Sänger Anthony Kiedis trug eine verdächige Zahnlücke

Aktenkundig kokain-/heroinabhängig waren zu diesem Zeitpunkt lediglich Sänger Anthony Kiedis und Gitarrist Hillel Slovak. Kiedis, der bereits als Kind durch seinen Vater (dem Haus-und-Hof-Dealer von Led Zeppelin) mit Drogen in Berührung kam, trug bereits eine verdächtige Lücke in den Schneidezähnen spazieren. Doch ihr Auftritt war energiegeladen, großes Entertainment, Hollywood in der Punk-Version.

War ihr Zusammenspiel von Rock, Rap, Funk und Punk zuvor recht chaotisch, hatten die kalifornischen Surfer-Junkies ihren Crossover endlich mal auf den (kommerziellen) Punkt gebracht. Der Bass knallte, die Gitarre funkte und rockte, dass es die reine Freude war. Kiedis trug sein langes blondes Haar offen, Flea und Havel trugen alberne Kopfbedeckungen. Es wurde viel improvisiert und Havel ließ öfters den Hendrix raus. Seine kaputten Gitarren-Soli waren Vorbild für viele spätere Saitenschwinger. Ihre Hits hießen „Jungle Man“, „Taste the Pain“ und „Fight Like The Brave“, das wie die perfekte Fusion aus Beastie Boys und Aerosmith klang, „Give It Away“ und „Under The Bridge“ (ihr definitiver Drogensong) erschienen erst drei Jahre später. Zur Zugabe machten die von zu viel Textilien ohnehin nichts haltenden Surfer-Typen ihren Slogan „Rock out with your cock out“ wahr und kamen lediglich mit Tennissocken um ihr bestes Stück bekleidet wieder heraus. Die weißen Socken gehörten noch lange zu ihrem Merchandising-Angebot.

Jetzt leben sie drogen-, alkohol- und sogar nikotinfrei

1992 spielten die Red Hot Chili Peppers noch einmal in Düsseldorf, in der Philipshalle. Trotz aller Schwierigkeiten wuchsen sie in Rekordgeschwindigkeit zur Stadion-Band, was sie bis heute geblieben sind.

Ihr aktuelles Album „The Getaway“ steht in den Charts und ihr nächster Auftritt in der Nähe findet am 14.11. in der Lanxess Arena Köln statt.

Am nächsten Tag beschwerte sich der Hoteldirektor, dass die Amis zwar höfliche Gäste waren, allerdings einige Blutflecken und Kanülen in ihren Zimmern hinterlassen hätten. Nach dem JAB-Gig tourten RHCP weiter durch Europa, spielten vor großem Publikum auf der Loreley und dem Pink-Pop-Festival. Im Juni 1988, kurz nachdem die Band von ihrer Europatournee zurückgekehrt war, starb Hillel Slovak an einer Überdosis in Los Angeles. Schlagzeuger Jack Irons verließ die Band mit der Begründung, er wolle nicht an etwas teilnehmen, bei dem seine Freunde sterben (später spielte er bei Pearl Jam). Der schockierte Kiedis meldete sich in einer Entzugsklinik an und lebte ein paar Jahre clean. Doch der „Brown Sugar“ hielt die Band weiter in seinem Bann. Auch der nächste Gitarrist, John Frusciante, musste aufgrund seiner Suchtprobleme zeitweilig passen. Heute leben die Bandmitglieder dem Vernehmen nach vegetarisch, drogen-, alkohol- und sogar nikotinfrei, weshalb sie wohl immer noch erfolgreich unterwegs sind und 2014 sogar in der berühmten Halbzeit-Show des Super Bowls auftraten.

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