Bei Feuern an Photovoltaik-Anlagen drohen lebensgefährliche Stromschläge, da man sie nicht abschalten kann.

Eine Solaranlage auf dem Dach, wie hier in Kalkum, erzeugt umweltschonend Energie. Im Brandfall wird sie zur Gefahr.
Eine Solaranlage auf dem Dach, wie hier in Kalkum, erzeugt umweltschonend Energie. Im Brandfall wird sie zur Gefahr.

Eine Solaranlage auf dem Dach, wie hier in Kalkum, erzeugt umweltschonend Energie. Im Brandfall wird sie zur Gefahr.

Den Rettungskräften drohen im Extremfall lebensgefährliche Stromschläge.

Judith Michaelis /Archiv, Bild 1 von 2

Eine Solaranlage auf dem Dach, wie hier in Kalkum, erzeugt umweltschonend Energie. Im Brandfall wird sie zur Gefahr.

Düsseldorf. In Düsseldorf sind derzeit knapp 700 Photovoltaik-Anlagen in Betrieb – Tendenz steigend. Sie stehen auf Schul- oder Hallendächern oder sind auf der Südseite von ganz normalen Mietshausdächern befestigt. Doch was die Freunde sauberer Energie freut, ist für die Düsseldorfer Feuerwehr ein echtes Problem: Sollte es in einem Haus mit Solaranlage einmal brennen, drohen den Rettungskräften im Extremfall lebensgefährliche Stromschläge.

Denn die Solaranlagen lassen sich nicht komplett abschalten. Selbst wenn im gesamten Haus der Strom abgestellt wird, fließt zwischen dem Wechselrichter, der die in der Anlage erzeugte Energie ins Netz einspeist, oder der Gleichstrom-Freischaltstelle und der Solaranlage auf dem Dach noch Strom – und zwar sobald Licht auf die Solarzellen fällt. „Da reichen bei einem Nachteinsatz auch starkes Mondlicht oder unsere Scheinwerfer, um Energie zu erzeugen“, sagt Feuerwehrsprecher Heinz Engels, der sich mit der Problematik auskennt: „Der Einsatz an Photovoltaik-Anlagen ist ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung im Fach Gefahrenabwehr beim Einsatz.“

Die Solaranlagen stehen unter hoher Spannung

Bisher lagen die Schwerpunkte für die Düsseldorfer Feuerwehr hier bei schmelzenden Elektro-Kabeln oder dem Umgang mit Oberleitungen von Bahn und Rheinbahn. „Bei normalen Stromleitungen liegt die Spannung bei höchstens 380 Volt“, sagt Engels. Bei Solaranlagen seien es teilweise bis zu 1000 Volt. „Und für die Oberleitungen haben wir Erdungsstäbe auf unseren Fahrzeugen. Dann erzeugen wir entweder einen Kurzschluss, oder die Rheinbahn kann den Abschnitt abstellen.“ Bei Solaranlagen geht das nicht. Hier können die Feuerwehrleute durch Lichtbögen sogar Schaden nehmen, auch wenn sie die Anlage gar nicht berühren. Bisher sieht die Lösung in Düsseldorf so aus, dass die Löschkräfte Übersichtskarten der Photovoltaik-Anlagen im Stadtgebiet griffbereit haben und mindestens fünf Meter Abstand halten.

Immerhin: Seit Juli 2010 sind Lasttrennschalter auf dem Markt, die die Leitungen von Solaranlagen kappen, sobald die Stromversorgung zum Haus abgeschaltet wird. Eine gesetzliche Vorgabe sie einzubauen, gibt es aber nicht, das bestätigte die Stadt.

Einige Feuerwehren lassen Solardächer abbrennen

Feuerwehren – vor allem Freiwillige – anderer Städte und Gemeinden gehen mittlerweile so weit, dass sie Feuer an Dächern mit Solaranlagen nur noch kontrolliert abbrennen lassen, um nicht die Gesundheit der Einsatzkräfte zu gefährden. 2010 wurde in Rösrath ein Feuerwehrmann durch den Stromschlag einer Solaranlage schwer verletzt. Im norddeutschen Schwerinsdorf ließ die Freiwillige Feuerwehr ebenfalls 2010 ein Haus mit Solaranlage nach einem kleinen Zimmerbrand abbrennen.

Zusammen produzieren die etwa 700 Düsseldorfer Solaranlagen etwa 9000 Kilowatt Stromleistung.

Ab einer Spannung von 120 Volt kann ein Stromschlag tödlich sein. Ab etwa 80 Volt kann es zu Herzproblemen kommen.

Für alle, die eine Solaranlage auf ihrem Dach planen, bietet die Stadt im Internet ein Solarkataster an, in dem gezeigt wird, welche Flächen geeignet sind.

Soweit wird es in Düsseldorf aber nicht kommen, versichert Heinz Engels: „Wir bekämpfen jeden Brand und lassen niemanden im Stich.“ Auch wenn die Löschkräfte sich vom Dach fernhalten sollen: „Wasser bekommen wir immer drauf.“ Bei bisherigen Einsätzen an Häusern mit Solaranlagen sei jedenfalls niemandem etwas passiert.

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