Filmchen mit lustigem Titel rückt den Ordnungsdienst in Nazi-Nähe.

Die SS marschiert: Eine Szene aus dem Kurzfilm.
Die SS marschiert: Eine Szene aus dem Kurzfilm.

Die SS marschiert: Eine Szene aus dem Kurzfilm.

Die SS marschiert: Eine Szene aus dem Kurzfilm.

Düsseldorf. Beim Düsseldorfer Kurzfilm-Festival 2008 hat er den Publikumspreis gewonnen - die 120 Besucher im Metropol wählten "Rattenhuber und die Wilde Maus", ein filmisches Düsseldorfer Kreuzworträtsel, auf Rang 1 unter zehn Filmen.

Beim lustigen Begriffe-Raten, unterlegt mit vorwiegend historischen Aufnahmen, geht es u.a. um Hofgarten, Kirmes und Kiefernstraße - und den Ordnungs- und Servicedienst.

Der OSD wird als "neue städtische Schutzstaffel" vorgestellt. Ein Knüppel saust nieder, dazu werden Zitate eingeblendet wie: "Wir sind angetreten, für mehr Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt zu sorgen" - und dazu sieht man SS-Marschkolonnen in ihren schwarzen Uniformen paradieren. OSD gleich SS? Der städtische Ordnungs- und Servicedienst vergleichbar mit der Schutzstaffel der Nazis?

Grünen-Fraktionssprecher Günter Karen-Jungen holt hörbar tief Luft, als die WZ ihn nach dem Film fragt. Die Grünen sind Mitveranstalter des Kurzfilmfestivals, der Grünen-Kreisverband hat "Rattenhuber und die wilde Maus" mit einem 500-Euro-Preisgeld ausgezeichnet. Karen-Jungen: "Wir beurteilen die Filme nicht politisch. Natürlich ist der Vergleich OSD/SS ziemlich happig, aber die Grenzen wurden nicht überschritten. Man muss es als Kunstwerk betrachten, als künstlerische Freiheit. Ich habe das als nicht so anstößig empfunden, als dass ich etwas unternommen hätte."

Das wird dafür Ordnungsdezernent Werner Leonhardt tun. "Ich habe den Film nicht gesehen. Aber wenn das so ist, wie Sie mir das geschildert haben, werde ich im Interesse meiner Mitarbeiter selbstverständlich die Staatsanwaltschaft einschalten. Das ist strafbares Verhalten."

Die Filmemacherin sagt: "Wehret den Anfängen"

Der Ordnungs- und Servicedienst wurde im Februar 1998 gegründet. Damals gab es 24 "Einsatzkräfte" in einem befristeten "Projekt", heute sind es über 150 Frauen und Männer.

Dörte Stein (Künstlername Djadja Desastra) hat das Werk zusammen mit Henk van Dreumel gedreht. Sie sagt: "Der Vergleich ist nicht realistisch, der OSD macht nicht so schlimme Sachen wie die SS." Man habe eine Atmosphäre aufgreifen wollen, es gehe um die Militarisierung in den Städten: "Es gibt ja Diskussionen über die Bewaffnung von OSD und Sicherheitsdiensten wie der Iso. Da sage ich: ’Wehret den Anfängen.’"

Die Zitate wie das anfangs aufgeführte stammen vom ehemaligen Oberbürgermeister Erwin und OSD-Vertretern und "ähneln denen, die man damals auch gehört hat".

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