Birgit Jantsch hat eine Initiative gegründet: Als Betroffene findet sie, Schulen seien nicht auf Menschen mit Legasthenie eingestellt. Das will sie nun ändern.

Birgit Jantsch hat eine Initiative gegründet: Als Betroffene findet sie, Schulen seien nicht auf Menschen mit Legasthenie eingestellt. Das will sie nun ändern.
Das T-Shirt mit der Aufschrift „LEGA“ hat Birgit Jantsch selber gestaltet.

Das T-Shirt mit der Aufschrift „LEGA“ hat Birgit Jantsch selber gestaltet.

Melanie Zanin

Das T-Shirt mit der Aufschrift „LEGA“ hat Birgit Jantsch selber gestaltet.

Düsseldorf. Birgit Jantsch träumt schon länger von einer Kampagne: Prominente, die sich als Legastheniker outen. Das Thema ist ihr zu sehr in Vergessenheit geraten, beim Umgang damit sieht sie zudem an den Schulen Probleme. Eine Selbsthilfegruppe hat Jantsch schon gegründet, weitere Aktivitäten laufen, ihr Ziel: „Düsseldorf zu einer Modellstadt im Umgang mit Legasthenie machen“.

Jedenfalls weiß Birgit Jantsch, wovon sie redet. Sie ist selber Legasthenikerin, ebenso ihr Sohn, der eine Realschule in Düsseldorf besucht. So hat sie in den vergangenen Jahren den Umgang von Schulen mit Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) noch einmal erlebt. „Mich selbst wollte damals ein Lehrer auf die Sonderschule schicken. Eine junge Kollegin mit Montessori-Schwerpunkt hat dann vorgeschlagen, dass ich auf Lese-Rechtschreib-Schwäche getestet wurde.“ So ist Birgit Jantsch am Ende zum Abitur gekommen.

Auch für ihren Sohn Levin (11) macht LRS das Schulleben nicht leicht. Während der Grundschulzeit bekam er ein Jahr lang Förderung, der Antrag auf eine Fortsetzung ist laut Birgit Jantsch aber abgelehnt worden. „Man muss selber hinterher sein“, das ist ihre Erfahrung der vergangenen Jahre.“

Wird die Förderung bewilligt, übernimmt das eine der Schulen, die sich spezialisiert haben. Die Kinder müssten dann Wege auf sich nehmen und verpassen in der Zeit Unterricht an der eigenen Schule, bemängelt Birgit Jantsch. Als Levin dann an die Realschule kam, sprach sie das Thema gleich an. Die Reaktion einer Lehrerin sei gewesen: Das wachse sich doch aus.

Für Birgit Jantsch – und auch aus fachlicher Sicht – eine Fehleinschätzung. Die zusätzliche Förderung für Levin zahlt sie inzwischen aus eigener Tasche, sie hat dafür eine LRS-Therapeutin aufgetrieben. Die Lehrer an den Schulen seien dagegen durch das Studium nicht auf LRS vorbereitet.

Der Umgang mit den betroffenen Kindern ist heute im Schulgesetz geregelt. So gibt es den Nachteilsausgleich, der zum Beispiel für Legastheniker bei Prüfungen Zeitzugaben vorsieht. Der LRS-Erlass ermöglicht zudem die geringere Gewichtung von Rechtschreibfehlern. Birgit Jantsch ist allerdings überzeugt, dass das oft nicht geschehe.

Kontakt zu den Parteien hat sie schon aufgenommen

Das soll sich ändern, Birgit Jantsch arbeitet deshalb in verschiedene Richtungen. Zum Jugendamt hat sie Kontakt aufgenommen und auch schon ein erstes Treffen mit dem Leiter gehabt. Es soll weitere geben. Auch die Parteien im Rat und im Landtag hat sie angesprochen und zum Teil erste Rückmeldungen bekommen.

Parallel hat sie eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen, die habe schon 35 Mitglieder. Es kommen Eltern mit betroffenen Schulkindern, aber auch Erwachsene, die weiter unter ihrer LRS leiden. In der Gruppe geht es um Austausch, gegenseitige Beratung. Birgit Jantsch will aber auch Mitstreiter finden, um die Situation für die Betroffenen in Düsseldorf zu verbessern.

Immerhin: Es gibt auch von positiven Erlebnissen zu berichten. Ihr Sohn Levin darf bisweilen das Tafelbild mit den Hausaufgaben abfotografieren, um es zu Hause abzuschreiben, weil er dafür sehr lange braucht. Dieser Vorschlag kam nicht von Birgit Jantsch, sondern von der Lehrerin selbst.

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