Nadine Kaluza (22) ist Auszubildende als Fachkraft für Veranstaltungstechnik bei Düsseldorf Congress Sport & Event. Der Beruf ist selten und fordert viel Flexibilität.

Nadine Kaluza richtet einen Scheinwerfer für eine Veranstaltung in der Stadthalle aus.
Nadine Kaluza richtet einen Scheinwerfer für eine Veranstaltung in der Stadthalle aus.

Nadine Kaluza richtet einen Scheinwerfer für eine Veranstaltung in der Stadthalle aus.

Judith Michaelis

Nadine Kaluza richtet einen Scheinwerfer für eine Veranstaltung in der Stadthalle aus.

Düsseldorf. Wenn eine Frau einen technischen Beruf wählt, ist der Grund für die Entscheidung häufig schnell erzählt. „Ich habe immer schon mit Technik zu tun gehabt“, sagt Nadine Kaluza und berichtet über ihren Vater, der einem schnell als eine Art Daniel Düsentrieb erscheinen muss. „Er hat aus unserer Mikrowelle eine Klingel gebaut.“ Dieses Ereignis muss für die 22-Jährige so beeindruckend gewesen sein, dass sie nun auch ihre praktische Geschicklichkeit unter Beweis stellt.

Nadine Kaluza baut keine Klingeln. Aber sie ist tatsächlich dafür verantwortlich, dass bei Shows, Kongressen und anderen Veranstaltungen der Ton gut ankommt. Und die Protagonisten auf der Bühne richtig ausgeleuchtet werden. Und die Fluchtwege eingehalten werden. Und viel mehr.

Nadine Kaluza wird bei Düsseldorf Congress Sport & Event (DCSE) als Fachkraft für Veranstaltungstechnik ausgebildet. In wenigen Wochen hat sie nach dreijähriger Lehre ihre Prüfung und wird dann einen Gesellenbrief in der Hand halten, den nicht viele haben – insbesondere in Düsseldorf. „Es gibt kaum jemanden, der hier in diesem Bereich ausbilden“, sagt Hilmar Guckert, Sprecher der DCSE-Geschäftsführung. Ein Beleg dafür: Zuständig für die Prüfung sei die IHK-Köln, weil es dort mehr Firmen gebe, die sich unter anderem dem Showgeschäft widmen.

Doch Technik ist nur die praktische Komponente des Berufs. „Unsere Mitarbeiter müssen sehr flexibel sein“, sagt Hilmar Guckert und Nadine Kaluza liefert die praktische Erklärung dafür, was gemeint ist: „Kürzlich hatten wir hier eine Veranstaltung einer Marketing-Firma für die Belegschaft, bei der wir ständig improvisieren mussten. Während gemeinsam ein Video geschaut wurde, hieß es plötzlich per Power-Point-Anweisung: ,Es gibt Geschenke!’“ Licht zum rechten Zeitpunkt auf die Bühne projizieren, hieß es deshalb für die 22-Jährige, die bei diesem DCSE-Kunden nicht nur Regie führte, sondern auch ihre Projektarbeit für die Prüfung machte. Zur vollsten Zufriedenheit übrigens des Kundens, der schon im November erneut eine Halle von Düsseldorf Congress gebucht habe.

Flexibilität meint aber nicht nur aktuelle Improvisationsgabe und Stressresistenz, erläutert die Auszubildende. „Wir arbeiten dann, wenn andere feiern.“ Comedy-Shows, Eishockey, das anstehende DSDS-Finale am 7. Mai im Rather Dome – für letzteres RTL-Spektakel um singende Superstars seien bereits drei Schichten rund um die Uhr eingeplant, die junge Auszubildende betreut derzeit das Produktionsteam, womöglich muss auch sie am 7. Mai nachts arbeiten. Keine Seltenheit. „Zum Glück werden hier aber die Arbeitszeiten eingehalten“, sagt Nadine Kaluza mit kritischem Blick auf die freie Wirtschaft. „Aber das ist halt kein 9-to-5-Job.“

Zwei Azubis als Fachkraft für Veranstaltungstechnik werden seit 1998 jedes Jahr von DCSE eingestellt. Etwa die Hälfte von ihnen werde übernommen.

Ziel der eigenen Ausbildung sei gewesen, das Profil des Hauses besser zu schärfen und nicht auf externe Kräfte zurückgreifen zu müssen, die die Anforderungen nicht so gut kennen.

Und der Job schärfe schnell das Persönlichkeitsprofil. „Man wird total erwachsen dadurch. Ich musste schon schnell nach meinem Ausbildungsbeginn mit 19 Jahren Entscheidungen treffen. Das hat mein Selbstbewusstsein gefördert.“ Genau das ist wichtig für die DCSE-Verantwortlichen: „Unsere Häuser kosten Geld. Und die Fixkosten sind zu decken über jede Menge Veranstaltungen.“ Nadine Kaluza: „Wir müssen dafür sorgen, dass es läuft.“

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