Der Fall des toten Rentnerpaares löst Bestürzung aus. Stadt und Seniorenbeirat setzen auf aufmerksame Nachbarn.

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Viele Senioren ziehen sich im Alter immer weiter aus der Gesellschaft zurück.

Viele Senioren ziehen sich im Alter immer weiter aus der Gesellschaft zurück.

In diesem Haus lebten die Opfer völlig zurückgezogen.

dpa, Bild 1 von 2

Viele Senioren ziehen sich im Alter immer weiter aus der Gesellschaft zurück.

Düsseldorf. Mehrere Wochen lang lagen Johanna Hoppe (91) und ihr Lebensgefährte Nikolaos Hatzikostas (86) tot in ihrer Wohnung an der Kettwiger Straße. Die Kripo geht davon aus, dass die Senioren umgebracht worden sind. Schwierig sind die Ermittlungen, weil das Paar offenbar überhaupt kein soziales Umfeld hatte.

Lediglich der Hausarzt besuchte die beiden. Und die Nachbarn beobachteten Johanna Hoppe, wenn sie mit ihrem Rollator zum Einkaufen fuhr. Offenbar war das Paar völlig vereinsamt.

"Das ist leider kein Einzelfall. Es gibt Menschen, die sich im Alter völlig zurückziehen", weiß Seniorenbeirat Horst Grass. Oft spielt dabei die Angst vor Trickdieben eine Rolle: "Davor wird ja auch immer wieder gewarnt." Die Folge sei, dass Senioren am liebsten niemanden mehr in ihre Wohnung lassen.

Anonym lebende Senioren sind nur schwer zu erreichen

Für Grass sei es sehr schwierig, solche anonym lebenden Senioren zu erreichen: "Manchmal bekommen wir einen Hinweis von einem Arzt, dass jemand vereinsamt ist und Hilfe benötigt." Er appelliert an die Nachbarn, sich zu melden, wenn sie den Eindruck haben, dass ältere Menschen allein nicht mehr zurecht kommen.

Für Roland Buschhausen, den Leiter des Amtes für Soziale Sicherung, handelt es sich bei dem toten Rentnerpaar um einen Sonderfall: "Direkt um die Ecke gibt es ein Zentrum plus der Diakonie. Dort waren die beiden aber nicht bekannt."

Noch keine Spur hat die Mordkommission im Fall von Johanna Hoppe und Nikolaos Hatzikostas. Das Rentnerpaar hatte offenbar mehrere Wochen tot in seiner Wohnung an der Kettwiger Straße gelegen. Beide sind offenbar Opfer eines Gewaltverbrechens geworden.

Die Kripo sucht nach wie vor Zeugen, die Angaben zu den beiden Opfern machen können und Kontakt zu den Rentnern hatten. Sie werden gebeten, sich bei der Mordkommission, Telefon 8700, zu melden.

Für Senioren gibt es in Düsseldorf vielfältige Angebote. 29 Zentren plus sind quer über das Stadtgebiet verteilt. Weitere Infomationen gibt es im Internet auf der Düsseldorfer Stadtseite.

Da beide Kinder hatten, konnte die Stadt auch davon ausgehen, dass die Familie sich um das Paar kümmert. Johanna Hoppe hatte zu ihrem Sohn allerdings kaum Kontakt. Sie hatte ihn zur Adoption freigegeben.

Erst vor zehn Jahren, nachdem seine Adoptivmutter gestorben war, hatte er wieder Kontakt zu ihr aufgenommen. Daraus wurde aber keine enge persönliche Beziehung mehr. "Zu Weihnachten und zum Geburtstag wurden Karten geschrieben. Der letzte persönliche Besuch ist Jahre her", erklärte Wolfgang Siegmund, der Leiter der Mordkommission.

Ähnlich sieht es bei Nikolaos Hatzikostas aus. Seine Familie lebt auf Rhodos, Kontakte gab es nur sporadisch. Das konnte die Stadt aber nicht ahnen.

Außerdem lebte das Paar bis zuletzt völlig selbstständig. Es wurde trotz der schweren Krankheit des Manes kein Pflegedienst beantragt. Johanna Hoppe erledigte ihre Einkäufe ohne Hilfe.

Buschhausen: "Wir haben rund 8500 Senioren, die eine Grundsicherung beziehen. Zu denen haben wir wenigstens gelegentlich Kontakt." Es sei auch schon im Seniorenbeirat diskutiert worden, ob man bei Senioren ab einem gewissen Alter einfach mal an der Tür klingelt. Dafür fand sich aber keine Mehrheit.

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