Netzwerk: Ralf Däinghaus, Gründer von Doc-Morris, will ältere Menschen bei ihren Hobbys zusammenbringen.

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Kunesto-Geschäftsführer Thomas Schirmer mit Club-Mitglied Horst Gerhold und Doc-Morris Gründer Ralf Däinghaus (v.l.).

Kunesto-Geschäftsführer Thomas Schirmer mit Club-Mitglied Horst Gerhold und Doc-Morris Gründer Ralf Däinghaus (v.l.).

Stefan Arend

Kunesto-Geschäftsführer Thomas Schirmer mit Club-Mitglied Horst Gerhold und Doc-Morris Gründer Ralf Däinghaus (v.l.).

Düsseldorf. Horst Gerhold (72) ist fit, unternehmungslustig und hat viel Zeit. Damit passt er perfekt in die Zielgruppe von „Kunesto“. Das Prinzip dieses neuen Portals für Senioren ist einfach: Die Firma übernimmt die Freizeitgestaltung und vernetzt ältere Menschen mit gleichen Interessen.

Die Idee hatte Ralf Däinghaus nach dem Verkauf seiner Discount-Apotheke Doc Morris. Eigentlich hätte er im Alter von 43 Jahren nie wieder arbeiten müssen, das war ihm aber zu langweilig. „Ich habe mit meiner Familie ein halbes Jahr die Welt bereist. Dann wollte ich wieder etwas machen.“ Nur was? Sein Vater brachte ihn schließlich auf die Idee von Kunesto. Der Tennispartner des 68-Jährigen konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr spielen. Die Suche nach einem Ersatz gestaltete sich sehr schwierig. „Ich dachte mir, das geht vielen Senioren ähnlich. Ich gehe gerne ins Ballett, in der Pause waren mir schon häufig ältere Besucher aufgefallen, die alleine ihren Sekt tranken.“

In einem Magazin können die Mitglieder Veranstaltungen wählen

Gemeinsam mit seinem Partner Thomas Schirmer (30) entstand so das Konzept für ein Senioren-Netzwerk. Seit vergangenem Jahr wird die Grundidee in einem Büro an der Luisenstraße mit Leben gefüllt. In einem monatlichen Magazin können die Mitglieder zwischen zehn festen Gruppen, wie der Kegelgruppe oder der Literaturgruppe, und rund 15 wechselnden Veranstaltungen wählen.

Ganz bewusst haben sich die Gründer für ein Magazin entschieden. „Man kann unser Programm auch im Internet herrunterladen. Viele ältere Menschen bevorzugen aber ein Printmedium“, sagt Schirmer.

Horst Gerhold freut sich jeden Monat auf das neue Exemplar in seinem Briefkasten in Eller. Der gebürtige Düsseldorfer zog vergangenes Jahr zurück in seine Heimatstadt. „Hier lebte nur noch ein Freund von mir.“ Gleichgesinnte zu finden , die ihn in die Oper oder ins Theater begleiten, fiel ihm schwer. „Dann las ich in einer Zeitung eine Kurzbeschreibung von Kunesto“, sagt er. Heute ist er eins von 100 Mitgliedern. Die jüngste Teilnehmerin ist 52, der Älteste bereits 91 Jahre alt. Rund 50 Euro kostet die Mitgliedschaft monatlich.

Jeden Monat erscheint ein Magazin mit Angeboten. „Kunesto“ steht in der Kunstsprache Esperanto für Gemeinschaft. Die Mitglieder können unbegrenzt Veranstaltungen wählen. Die Mitgliedschaft kostet 50 Euro im Monat, Kosten für Theaterbesuche etc. fallen extra an.

Bisher gibt es Kunesto nur in Düsseldorf. Das Büro befindet sich an der Luisenstraße 9. Bald soll es aber Filialen in ganz Deutschland geben, zunächst in der Düsseldorfer Umgebung. Informationen unter Ruf 416 057 70.

Das ist Horst Gerhold seine abwechslungsreiche Freizeit wert. Er hat schon an einer Brennereibesichtigung teilgenommen, war in der Beuys-Ausstellung und im Casino. „Außerdem habe ich eine nette Skat-Runde gefunden.“ Bei jedem Ausflug ist immer ein Mitarbeiter von Kunesto dabei. „Wir sind wie ein guter Gastgeber, der durch den Abend leitet und Ansprechpartner für Probleme ist“, sagt Däinghaus. Horst Gerhold muss derweil schon wieder los, die nächste Aktivität steht an: „Heute besuchen wir eine Opern-Probe.“

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