Warum der Worringer Platz schön ist, erklären die Künstler Matt Hulse und Julia Zinnbauer.

Warum der Worringer Platz schön ist, erklären die Künstler Matt Hulse und Julia Zinnbauer.
Julia Zinnbauer spielt eine „intergalaktische“ Frau, die im Glashaus am Worringer Platz gelandet ist (links). Später erkundet sie die Umgebung (rechts).

Julia Zinnbauer spielt eine „intergalaktische“ Frau, die im Glashaus am Worringer Platz gelandet ist (links). Später erkundet sie die Umgebung (rechts).

Julia Zinnbauer spielt eine „intergalaktische“ Frau, die im Glashaus am Worringer Platz gelandet ist (links). Später erkundet sie die Umgebung (rechts).

Eine Frau im Visier eines Voyeurs oder Heckenschützen? Der Fotograf Matt Hulse inszeniert sich mit einer speziellen Kamera als Sniper. Die Unschärfe ist gewollt.

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Julia Zinnbauer spielt eine „intergalaktische“ Frau, die im Glashaus am Worringer Platz gelandet ist (links). Später erkundet sie die Umgebung (rechts).

Der Worringer Platz zählt zu den umstrittensten Orten in Düsseldorf. Zwischen Hotels, Dönerbuden und Pizzerien fahren Autos und Straßenbahnen. Passanten schwärmen in alle Richtungen. Auf Bänken sitzen Männer mit Bierpullen. Die meisten Menschen halten sich hier nicht lange auf. Trotzdem oder gerade deswegen zieht der Platz immer wieder Künstler an. Nun auch den englischen Filmemacher und Fotografen Matt Hulse. Für das „Duesseldorf Photo Weekend“ hat er dort zusammen mit der Künstlerin Julia Zinnbauer die Arbeit „Space Fall“ entwickelt. Hulse und Zinnbauer erzählen, wie es dazu kam.

Der Worringer Platz wird bis heute noch als „Schandfleck“ Düsseldorfs bezeichnet. Was reizte Sie daran, ausgerechnet dort zu arbeiten?

Matt Hulse: Bevor ich hierhergekommen bin, wurde mir viel über diesen Platz berichtet. Das war so angsteinflößend, dass ich erwartet hatte, hier ständig von Straßenräubern und Junkies gejagt zu werden. Aber auf mich wirkt der Platz total sicher. Für mich ist er ein ganz normaler urbaner Knotenpunkt, wie man ihn häufig auch in den Vereinigten Staaten oder in England findet. Und meiner Arbeit dreht sich darum, dieses Normale in einem neuen Licht zu zeigen. Ich versuche, die magischen oder surrealen Seiten des Alltäglichen hervorzuheben. Julia Zinnbauer: Wir sehen beide etwas Schönes an Orten und Dingen, die übersehen oder als hässlich bezeichnet werden. Eine Suche nach Schönheit in Verbindung mit einem ganz spielerischen Zugang.

Was für eine Art von Schönheit haben Sie auf dem Platz aufgespürt?

Zinnbauer: Als ich erfahren habe, dass Matt am „Photo Weekend“ teilnimmt, bin ich ihm einfach mal bei Instagram gefolgt. Matt hat daraufhin ein paar meiner Fotos geliked und kommentiert, auf denen ich selbstentworfene Weltraumkostüme anhatte. Meine Posen und die Atmosphäre der Bilder erinnerten ihn an die englische Science-Fiction-Serie „Blake’s 7“. Er meinte, dass ich die Kommandantin einer Flotte von Raumschiffen sei, deren Mission darin bestehe, Schönheit zu verbreiten. Wir haben uns gefragt: Wenn jemand da ist, der auf diesem Platz etwas Schönes sieht, herrscht dann auch so etwas wie Liebe? Hulse: Und so haben wir auf dem Worringer Platz surreale Szenen choreographiert. Sie spielen abends. Julia ist die Hauptfigur. Ich habe gefilmt und fotografiert. Im Weltraumkostüm untersucht sie den Worringer Platz, wie jemand, der von weit außerhalb kommt. Sie schreitet die Straßen entlang, überquert sie oder biegt um die Ecke. Wichtig ist aber auch das Glashaus mitten auf dem Platz. Julia steht mal drin, mal davor, mal tastet sie mit den Händen die Scheiben entlang. Dannleuchtet das Glashaus abends so schön, und auf den Scheiben spiegeln sich die Lichter der Straße wider. Die Szenen erinnern an Mode, Fotografie, Science-Fiction und Traum.

Es sind aber auch Fotos entstanden, die beunruhigend und verstörend wirken. Sie sehen nämlich so aus, als würde die Frau von einem Heckenschützen ins Visier genommen werden. Was verbirgt sich dahinter?

Hulse: Das waren die ersten Aufnahmen, die ich gemacht habe. Sie sind inspiriert von meinen sogenannten „Sniper“–Fotos. Um sie zu „schießen“, habe ich mir eine spezielle Kamera gebaut. Sie besteht aus einer Teleskoplinse, die an ein Mobiltelefon geklemmt wird. Ziemlich simpel. Der Effekt: Alles auf dem Bild wird flach, Personen die weit weg sind, werden herangezoomt. Die Fotos von Julia etwa wirken dann so, als hätte ich sie wie ein Voyeur mit dem Fernrohr beobachtet oder wie ein „Sniper“ ins Visier genommen, um sie zu erschießen. Ich habe Julia von der fünften Etage des „hotel friends“ oder vom Speicher des „WP5 Raum Rudolph“ aus fotografiert. Das ist aber eher humorvoll zu sehen. Eigentlich geht es darum, mit Fototechniken zu experimentieren.

Wie präsentieren Sie Ihre Arbeit den Besuchern?

Hulse: Einige der „Sniper“-Fotos zeige ich als Teil einer Dia-Show im Rahmen der Ausstellung „Neighbourhood“ im WP5 Raum Rudolph. „Space Fall“ läuft als kurzes Video im Glashaus.

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