Dass ein schwuler Schützenkönig seinen Ehemann an seiner Seite haben will, sorgt für Unmut beim Dachverband.

figge
SPD-Ratsherr Udo Figge (rechts) mit seinem Lebenspartner Dirk Jehle bei einem Ball der Bilker Schützen.

SPD-Ratsherr Udo Figge (rechts) mit seinem Lebenspartner Dirk Jehle bei einem Ball der Bilker Schützen.

UF

SPD-Ratsherr Udo Figge (rechts) mit seinem Lebenspartner Dirk Jehle bei einem Ball der Bilker Schützen.

Düsseldorf. (dpa/jp) In der Friedrichstädter Reserve, einer Kompanie der Bilker Schützen, regiert seit kurzem ein schwules Königspaar. Als SPD-Ratsherr Udo Figge den Vogel abschoss, kürte er seinen Lebenspartner Dirk Jehle zum Mitregenten. Am Samstag wird Figge im Stadtteil Bilk in sein Amt eingeführt. Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) steht dem kritisch gegenüber. 

"Es entspricht nicht der Tradition, dass ein Königspaar aus Männlein und Männlein oder Weiblein und Weiblein besteht", sagte ein Sprecher des Bundes am Freitag. Zwar spreche nichts gegen homosexuelle Würdenträger, sagte der Sprecher weiter. Dass der Schützenbruder allerdings nicht bereit sei, eine weibliche Bekannte als Königin zu wählen, um der jahrhundertealten Tradition gerecht zu werden, missbillige der BHDS. 

Schützenbrüder unterstützen das Königspaar
Für Figge und seine Schützenbrüder sei es selbstverständlich, dass er seinen langjährigen Ehemann zum "Prinzgemahl" wähle, so der frischgebackene Schützenkönig. Dass sich der Dachverband bei dieser Frage nicht öffne, sei wenig zeitgemäß.

Das Paar ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Kompanie - Figge als Mitglied in der Bruderschaft, sein Mann Dirk Jehle im dazugehörigen "Damenclub", in dem sich ansonsten die Frauen und Verlobten der Schützenbrüder engagieren.

„Wir haben sehr viel Unterstützung durch unseren Verein bekommen“, freut sich Figge. Es sei auch kein Zufall gewesen, dass er vor fünf Jahren in die Friedrichstädter Reserve eingetreten sei: „Da passt einfach alles.“ Negative Reaktionen gab es bislang kaum: „Bis auf die anonymen Anrufe. Aber die kenne ich als schwuler SPD-Politiker schon länger.“

Der Ärger um das schwule Königspaar ist nicht der erste Konflikt in dem christlich-konservativen Verband BHDS. Im vergangenen Jahr hatte ein muslimischer Schützenkönig eine Grundsatzdebatte ausgelöst: Im Kreis Soest hatte der Muslim Mithat Gedik den Vogel abgeschossen, war aber vom BHDS als König zunächst abgelehnt worden. Nach langen Diskussionen über die christlichen Grundlagen des Schützenbrauchtums durfte er König bleiben, wurde aber nicht zu Kreis- und Bundesschützenfesten zugelassen.

Inzwischen zeigt der Verband größeren Reformwillen. So werden derzeit Satzungsänderungen diskutiert, wonach sich der Verband für Andersgläubige und Wiederverheiratete öffnen will. Außerdem sollen Homosexuelle dieselben Mitgliedsrechte bekommen. Inwieweit das auch gleichgeschlechtliche Königspaare umfasst, ist allerdings ungeklärt. 

Leserkommentare (2)


() Registrierte Nutzer