Die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung am Freitag empört viele: Düsseldorf will aber keinesfalls als Geldgeber aushelfen.

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Da es kein Testzentrum geben wird, müssen die Ärzte der Uni-Klinik weiterhin unter Volldampf Patienten auf H1N1 testen.

Da es kein Testzentrum geben wird, müssen die Ärzte der Uni-Klinik weiterhin unter Volldampf Patienten auf H1N1 testen.

Judith Michaelis

Da es kein Testzentrum geben wird, müssen die Ärzte der Uni-Klinik weiterhin unter Volldampf Patienten auf H1N1 testen.

Düsseldorf. Es wird keine ausgelagerte Praxis der niedergelassenen Ärzte für Schweinegrippen-Tests im alten Benrather Krankenhaus geben. Die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) am Freitag löst bei der Stadtspitze und den Gesundheitsexperten aller großen Fraktionen im Stadtrat Empörung aus. "Wir bedauern diese Entscheidung sehr", sagt Oberbürgermeister Dirk Elbers.

Gleichzeitig bestärkt er den Chef des Gesundheitsamts. "Wir sind sehr froh, dass wir in dieser Situation Professor Schneitler haben." Dennoch werde die Stadt keinesfalls als Geldgeber auftreten, um das geplante Zentrum im Süden der Stadt doch noch ans Laufen zu bekommen. "Wir können nicht alles stemmen."

Die SPD kann sich eine "politische Initiative" für das Zentrum vorstellen

Auch die Opposition im Rathaus hat wenig Verständnis für die Entscheidung der KV. "Da gehen Finanz- wieder mal vor Patienteninteressen, das finde ich unmöglich", sagt Kurt Hahn, Gesundheitsfachmann bei der SPD. Die Verantwortung dafür liege allein bei der KV und sei von der Düsseldorfer Politik im Moment auch nicht rückgängig zu machen. "Ich kann mir aber vorstellen, dass wir bald eine politische Initiative für das Testzentrum starten werden."

Auch Susanne Ott, die für die Grünen im städtischen Gesundheitsausschuss sitzt, würde das Zentrum begrüßen. Möglicherweise hätte es Modellcharakter für andere Städte. "Ich könnte mir vorstellen, dass es sich als eine Art Gesundheitszentrum für Spezialthemen etabliert hätte."

Gewohnt deutliche Worte findet die Fraktionschefin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, ebenfalls Mitglied im Gesundheitsausschuss. "Eine katastrophale Entscheidung, ich bin entsetzt." Zumal niedergelassene Ärzte ihre Mitarbeit im Zentrum sehr deutlich signalisiert hätten. Mit Hinblick auf die Probleme bei der Finanzierung (siehe Kasten) fragt sich Strack-Zimmermann: "Eine lächerliche Diskussion. Lebt die KV eigentlich auf dem Ulla-Schmidt-Planet?"

Nach der Honorarreform, die seit Januar 2009 gilt, bestimmt das so genannte Regelleistungsvolumen (RLV) die Abrechnung der Praxen. Es ersetzt die Individualbudgets. Den Ärzten ist jetzt vorgegeben, wie viel Patienten sie in einem Quartal behandeln können. Diese Zahl richtet sich nach den Durchschnittswert des Vorjahresquartals. Einige Leistungen werden nach wie vor einzeln berechnet.

Behandelt ein Arzt mehr Patienten als im RLV vorgesehen, erhält er dafür kein Extra-Honorar. Genau das würde geschehen, befürchtet zumindest die Kassenärztliche Vereinigung, wenn die Ärzte im Testzentrum zusätzliche Patienten untersuchen und behandeln würden.

Im NRW-Gesundheitsministerium nimmt man die Entscheidung eher gelassen auf. Das sei letztlich eine Sache der KV und der Stadt Düsseldorf. "Das wollen wir nicht kommentieren."

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