Daniel Carl und Lisa-Marie Erlandsson sind zwei von 60 jungen Leuten, die jedes Jahr zum Lernen und Arbeiten nach Düsseldorf kommen.

Programm
Die Schweden Daniel Carl und Lisa-Marie Erlandsson machen ein Praktikum in Düsseldorf.

Die Schweden Daniel Carl und Lisa-Marie Erlandsson machen ein Praktikum in Düsseldorf.

Bernd Nanninga

Die Schweden Daniel Carl und Lisa-Marie Erlandsson machen ein Praktikum in Düsseldorf.

Düsseldorf. Sauerkraut ist schrecklich und Altbier zu herb – mit diesen Erkenntnissen über die rheinische Ess- und Trinkkultur reist Lisa-Marie Erlandsson in der kommenden Woche zurück nach Schweden. Ein halbes Jahr hat sie fernab der Heimat in Düsseldorf verbracht.

Zwei Monate Sprachkurs und vier Monate Praktikum standen auf dem Programm. Gemeinsam mit Daniel Carl hat sie an vier Tagen der Woche bei Ikea gearbeitet: sie im Bereich Dekoration, er als Gabelstaplerfahrer. Ziel war es, die deutsche Sprache und Kultur kennenzulernen.

Das mit der Sprache klappt jetzt fließend. „Nur wenn ich etwas schreiben muss, das geht noch nicht ganz so gut. Die Grammatik ist sehr schwer“, sagt Lisa-Marie. In Schweden sei Düsseldorf hauptsächlich als Messestadt bekannt, berichten die beiden 20-Jährigen. Und die Deutschen im Allgemeinen?

„Die Schweden denken, Deutschland ist nur Bratwurst, Kartoffeln, Bier und jetzt Spargel“, sagt Lisa-Marie lachend. Dass hier durchaus kulturell etwas los ist, haben die beiden nicht nur in Düsseldorf gelernt. Sie haben auch Hamburg, Berlin, Bonn und das Ruhrgebiet besucht. „Hamburg kannte ich schon. Da fahren viele Schweden hin, um Alkohol zu kaufen. Der ist bei uns sehr teuer“, sagt Daniel.

Auch Deutsche sollen in Zukunft nach Schweden vermittelt werden

Wer Deutsch spricht und Land und Leute kennt, hat in Schweden gute Aussichten auf einen Job, weiß Erik Forsberg vom Schwedischen Sprachinstitut IS Düsseldorf. Die Stiftung organisiert seit 2002 Aufenthalte und Praktika schwedischer Jugendlicher in Düsseldorf. „Deutschland ist Schwedens größter Handelspartner innerhalb der EU. Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen sind Mitarbeiter interessant, die gut Deutsch können.“

Das schwedische Sprachinstitut IS Düsseldorf ist ein Ableger von Folkuniversitetet, einer der ältesten schwedischen Bildungsorganisationen (gegründet 1942). Die Stiftung ist an die fünf größten schwedischen Universitäten angebunden.

Das Projekt will das Interesse an der deutschen Sprache und Kultur fördern. Mit diesen Kenntnisse haben die Teilnehmer in Schweden bessere Jobchancen. Neben Düsseldorf sind auch Schweden in Barcelona und Aix en Provence untergebracht.

Nach einem achtwöchigen Intensivsprachkurs geht es ins Praktikum. Die Teilnehmer verbringen pro Woche 32 Stunden dort, jeden Freitag ist Sprachkurs im Institut an der Berliner Allee 32.

In Düsseldorf nehmen unter anderem Ikea, die Metro AG, ThyssenKrupp, Düsseldorf Marketing & Tourismus sowie der Caritasverband Praktikanten auf.

In wenigen Fällen bekommen die Praktikanten Geld für ihren Einsatz. Sie erhalten allerdings vom schwedischen Staat Bafög und sind sozialversichert.

Auch Akademiker können an dem Programm teilnehmen, ihren Schwerpunkt hat die Stiftung aber auf der Vermittlung von jungen Menschen ohne Studium. Pro Jahr kommen rund 60 Schweden für jeweils sechs Monate nach Düsseldorf. Finanziert wird das Ganze vom schwedischen Staat.

In Zukunft könnte sich Forsberg vorstellen, einen neuen Kurs nur für Akademiker in das Programm aufzunehmen. Und: Auch Deutsche sollen nach Schweden vermittelt werden. „Dort herrscht nach wie vor Fachkräftemangel. Gut ausgebildete Deutsche haben also gute Chancen, einen Job zu finden“, sagt er. Das Institut bietet dann Sprachkurse an und vermittelt an schwedische Firmen.

Für Lisa-Marie Erlandsson geht es jetzt erstmal zurück nach Smaland. Nicht in das Bälleparadies, sondern in ihre Heimat-Region. Sie will Wirtschaft studieren und dann in einer Firma mit deutschen Wurzeln arbeiten. Ihr hat es in Düsseldorf gefallen.

„Besonders schön fand ich, dass viele Düsseldorfer mich gefragt haben, was die Bezeichnungen der Möbel auf Deutsch heißt. So konnte ich auch etwas von Schweden in die Welt transportieren.“ Besonders, weil zu viel Patriotismus in Schweden eher verpönt ist. „Wer eine Fahne schwingt, gilt zum Beispiel direkt als Rassist.“

Carl hingegen konnte sich durchaus mit den kulinarischen Genüssen der Landeshauptstadt anfreunden. So sehr, dass er für weitere drei Monate bleiben will. „Ich habe einen Anschlussvertrag als Gabelstaplerfahrer bekommen“, sagt er.

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