Der Intendant präsentiert seine Vision des „neuen“ Schauspielhauses.

Der Intendant präsentiert seine Vision des „neuen“ Schauspielhauses.
Kulturwissenschaftler Frank Labussek (l.) und Schauspielhaus-Intendant Wilfried Schulz im Theatermuseum.

Kulturwissenschaftler Frank Labussek (l.) und Schauspielhaus-Intendant Wilfried Schulz im Theatermuseum.

TF

Kulturwissenschaftler Frank Labussek (l.) und Schauspielhaus-Intendant Wilfried Schulz im Theatermuseum.

Seit Jahren bittet der Kulturwissenschaftler Frank Labussek Düsseldorfer Theaterschaffende zum Talk auf das rote Sofa im Theatermuseum. Nun nahm Schauspielhaus-Chef Wilfried Schulz darauf Platz. Unter dem Motto „Theater für Düsseldorf“ sprach er knappe zwei Stunden lang über die Arbeit als „Vertriebener“ aus dem eigenen Haus und seine Visionen für ein zukunftsfähiges Stadttheater.

Zunächst informierte Schulz über den Stand der Dinge auf der Schauspielhaus-Baustelle. Die sogenannte „technische Gebäudeausrüstung“ (Wasserleitungen, Elektrizität, Brandschutz) ist abgeschlossen, die Sanierung von Dach und Fassade geht voran, die Modernisierung des Zuschauerbereiches haben Stadt und Land dank einer erfolgreichen privat initiierten Spendenkampagne zugesichert. Im Herbst 2019 soll die von Architekt Bernhard Pfau entworfene Spielstätte auf dem Gustaf-Gründgens-Platz wieder vollständig bezogen werden. Die Kosten: 50 Millionen Euro.

Schulz nutzt(e) die Ausweichexistenz in den vergangenen Jahren, um das Theater an andere Orte der Stadt zu bringen. Doch trotz aller Improvisationsfreude machte Schulz klar, dass das Spielen in Interimsstätten „Blut, Schweiß und Tränen“ koste und Düsseldorf ein festes Haus brauche, um Theater auf der Höhe der Zeit präsentieren zu können.

In Anlehnung an den Sozialphilosophen Oskar Negt definierte Schulz seine Vision fürs „neue“ Schauspielhaus: „Theater ist eine Raststätte der Reflexion.“ Ins Theater gehen, zur Ruhe kommen und sich ein paar Stunden im Kollektiv mit 700 anderen Besuchern auf ein Stück konzentrieren, etwas über sich selbst erfahren und dadurch eine Haltung gewinnen: So ließe sich Identität stiften. Voraussetzung dafür sei ein Theater der offenen Stile und ästhetischen Experimente, so Schulz. Er zelebriert es: Von Robert Wilsons „Sandmann“-Musical über „Caligula“ bis hin zu To-go-Aufführungen oder Bürgerbühnen-Stücke, in denen Laien als „Fachleute ihrer Biografien“ (etwa Lokalpolitiker) auftreten und so noch mehr Authentizität einbrächten. Dahinter steckt die Idee von einem Stadttheater, das der Gesellschaft nutzt. Die gestiegenen Zuschauerzahlen in der Ära Schulz zeigen, dass diese Idee bislang fruchtet.

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