Immense Summen fließen seit Jahren in die Schulbausanierung – dennoch bleibt manch dringende Arbeit unerledigt.

Düsseldorf. In anderen Städten dürfte man fassungslos von einem Luxusproblem sprechen: Düsseldorf hat sich in diesem Jahr dermaßen viele Baumaßnahmen in die stadteigene Infrastruktur vorgenommen, dass sie bautechnisch kaum umzusetzen sind. Geld ist - trotz der Finanzkrise - noch immer in Hülle und Fülle da.

Einen Etat- überschuss von rund 40 Millionen Euro hat Kämmerer Helmut Rattenhuber 2008 eingestrichen, allein die Gewerbesteuer lag 20 Millionen über Plan. Und dann sind da noch die 50,4 Millionen Euro, die der Bund mit dem Konjunkturpaket II der Stadt gerade spendiert hat. Geld, das bis Ende 2010 vor allem in die Sanierung von Schulen und Kitas gesteckt werden muss.

Weil Düsseldorf hier aber seit Jahren ohnehin viele Millionen investiert (Masterplan Schulen), kommen die Immobilienmanager der Stadt nicht mehr nach. "Schon bisher kam es immer wieder trotz allen Geldes zu Verzögerungen bei dringenden Baumaßnahmen", kritisierte jetzt Walburga Benninghaus (SPD) im Stadtrat.

Umbau des Rückert-Gymnasium steht schon seit 2005 im Masterplan

Davon kann so mancher Schulleiter ein Lied singen. Seit sechseinhalb Jahren ist die Hauptschule Bernburger Straße eine Baustelle. "Wir waren schon mitten in der Sanierung, als wir Ganztagsschule wurden", sagt Schulleiter Klaus-Peter Vogel. Die baulichen Veränderungen sollten an das neue Konzept angepasst werden. Das aber war schwieriger als gedacht. "Es musste anders geplant und es mussten Aufträge neu vergeben werden. Das dauert", sagt Vogel.

Ziemlich strapaziert wird auch die Geduld seines Kollegen Konrad Großmann, Leiter des Friedrich-Rückert-Gymnasiums. Für die knapp 800 Schüler ist das Gebäude zu klein. Dazu ist es sanierungsbedürftig und beherbergt ab mittags die Abendrealschüler. "Wir sind räumlich am Ende", sagt Großmann.

Planungsamt will künftig auch externe Kräfte beauftragen

Dabei habe der Schulausschuss schon vor eineinhalb Jahren den Umbau beschlossen. Im Masterplan sei er schon 2005 aufgenommen worden. Passiert sei bis heute nichts. "Lehrer und Schulpflegschaft empfinden das als Unverschämtheit", sagt Grossmann. Die aktuelle Anmeldephase der neuen Fünftklässler beobachtet er besorgt: Das Rückert ist beliebt und hat im vergangenen Jahr trotz der räumlichen Enge eine vierte Klasse aufgemacht. Ob das auch diesmal klappt, ist unklar.

Die Stadtspitze reagiert verärgert auf den Vorwurf, noch keine neuen konkreten Baupläne im Zuge des Konjunkturpakets II in der Schublade zu haben. Oberbürgermeister Dirk Elbers: "Wie sollte das so schnell gehen? Aber ich bin sicher, dass wir noch in diesem Monat erste Projekte in die Fachausschüsse bringen können."

Planungs- und Baudezernent Gregor Bonin stellte sich im Rat explizit hinter die Mitarbeiter des Amtes für Immobilienmanagement: "Sie machen insgesamt seit Jahren einen exzellenten Job." Zugleich räumte Bonin aber auch "Optimierungsbedarf" ein und kündigte an, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen und auch Externe zu beauftragen.

Auch externe Handwerker könnten von Düsseldorfs "Luxusproblem" profitieren. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Thomas Köster, sagt: "Viele Firmen aus dem Bau-Hauptgewerbe pendeln vom Niederrhein, Bergischen Land und Ruhrgebiet nach Düsseldorf ein. Und so lange die Düsseldorfer Handwerker beschäftigt sind, ist das auch in Ordnung."

Dass Düsseldorfer Handwerksunternehmen mit Aufträgen überlastet seien, sei ihm allerdings noch nicht zu Ohren gekommen. Im Übrigen sei die Stadt doch in einer sehr glücklichen Lage.

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